3. Juni 2026, 13:34 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Immer mehr Menschen nehmen Nahrungsergänzungsmittel. Doch nicht jedes Präparat hält, was es verspricht, und bei der Einnahme werden häufig Fehler gemacht. Auf dem Life Summit 2026 in Berlin, Deutschlands größter Longevity-Messe, sprach FITBOOK-Chefredakteur Nuno Alves mit vier Experten darüber, welche Supplements tatsächlich infrage kommen und worauf es bei der Einnahme ankommt.
1. Fehler: Jeden Trend mitmachen
Einige Monate lang drehen sich alle Ratgeber und Tipps online um Vitamin D, dann spricht plötzlich anscheinend jeder nur noch über Vitamin B12. Und was ist eigentlich mit dem Dauerbrenner Protein und dem Fitness-Hype um Kreatin? Schnell wird man von den neuesten „Supplement-Trends“ mitgerissen. Das hält Dr. Luisa Werner, Expertin für Darmgesundheit, für einen Fehler. „Viele Menschen orientieren sich an Trends statt an ihren tatsächlichen Bedürfnissen. Sie nehmen hochspezialisierte Produkte, obwohl die Grundlagen fehlen. Dabei sind die Basics meistens viel wichtiger“, sagte sie im Gespräch mit Nuno Alves von FITBOOK auf einem Panel beim Life Summit 2026. Aus ihrer Perspektive sollte man zuerst die Darmgesundheit pflegen, denn nur ein gesunder Darm kann Nahrungsergänzungsmittel richtig verwerten. „Für den Darm spielt aber die generelle Ernährung die wichtigste Rolle – nicht ein einzelnes Supplement.“
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2. Fehler: nicht auf die Qualität achten
„Ein weiteres Problem ist die Qualität“, sagt Sophie Chabloz, Co-Founder und Chief Science Officer des Schweizer Nahrungsergänzungsmittelherstellers AVEA. „Wenn ein Multivitaminprodukt extrem günstig ist, sollte man kritisch werden. Oft werden dort minderwertige Rohstoffe eingesetzt.“ Bei der Wahl von Supplements riet sie deshalb, auf die Qualitätssicherung zu achten. Welche Angaben machen Hersteller über Inhaltsstoffe, Produktion oder Tests? „Selbst kleine Unterschiede bei Reinheit und Verarbeitung können die Bioaktivität deutlich beeinflussen“, betonte Ari Bizimis, Gründer der Supplement-Firma Artgerecht.
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Empfehlenswerte Vitamin-D-Präparate im Check
3. Fehler: seine individuellen Nährstoffwerte nicht kennen
Auch die richtige Dosierung sei für Verbraucher eine Herausforderung. „Viele Menschen kombinieren mehrere Präparate und nehmen dadurch einzelne Nährstoffe deutlich zu hoch dosiert ein“, erklärt Dr. Luisa Werner. „Ein Beispiel ist Vitamin B6. Zu hohe Mengen über lange Zeiträume können problematisch sein.“ Sie plädiert ohnehin dafür, vor der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln seine Werte ermitteln zu lassen. Das hält auch Ronny Szelinsky, Creator für Frauengesundheit und Gründer des Unternehmens Gethappy, für sinnvoll. „Bei einem Mangel ist Supplementierung immer sinnvoll. Für die richtige Auswahl und Dosierung, etwa bei Magnesium und Eisen, ist der Blick auf die genauen individuellen Werte entscheidend.“
Diese Nahrungsergänzungsmittel nehmen die Experten
Als Experten aus Medizin und Supplementbranche kennen sich die vier Panel-Teilnehmer im oft unübersichtlichen Markt für Nahrungsergänzungsmittel deutlich besser aus als die meisten Menschen. Umso bemerkenswerter ist, dass auch sie bei ihrer persönlichen Supplementierung überwiegend auf bewährte Klassiker setzen.
Dr. Luisa Werner verriet, dass sie nicht dauerhaft dieselben Präparate einnimmt, sondern ihre Supplementierung regelmäßig anhand von Blutwerten anpasst. Zu den Nahrungsergänzungsmitteln, die sie besonders häufig verwendet, zählen Vitamin D3 und K2, Omega-3, Magnesium, Vitamin B12 sowie Folsäure. Bei Bedarf ergänzt sie zudem Proteine und Eisen.
Magnesium, Omega-3 und B-Vitamine gehören auch zu Sophie Chabloz’ Auswahl, hinzu kommt Kreatin. Absolut unverzichtbar für sie? „Ganz klar Vitamin D3 in Kombination mit K2. Es ist praktisch unmöglich, ausreichend Vitamin D allein über die Ernährung aufzunehmen. Selbst im Sommer erreichen viele Menschen keine optimalen Werte“, erklärte die ausgebildete Ernährungswissenschaftlerin.
Bei Ronny Szelinsky sieht die Supplementierung sehr ähnlich aus. Er ist besonders davon überzeugt, dass Kreatin sinnvoll ist – auch für Frauen. „Wir haben uns intensiv mit Kreatin beschäftigt. Die positiven Effekte reichen weit über den Muskelaufbau hinaus und betreffen auch die kognitive Leistungsfähigkeit und insbesondere die Frauengesundheit.“ Auch Probiotika nehme er gelegentlich gezielt ein. Wichtig sei aber: „Die Grundlage bleibt immer Ernährung und Lebensstil.“
Ari Bizimis stimmte dem zu. Er hält wenig davon, Nahrungsergänzungsmittel ohne Kenntnis der eigenen Blutwerte einzunehmen. Nur wer seine Werte kenne, könne fundiert entscheiden, welche Präparate tatsächlich sinnvoll seien. „Ich halte es eher klassisch: Vitamin D, Magnesium und Omega-3“, sagte Bizimis. Ansonsten nimmt er Lactoferrin ein, mit dem er sich auch beruflich intensiv beschäftigt. „Lactoferrin ist ein faszinierendes Molekül. Es kommt natürlicherweise in der Muttermilch vor, unterstützt das Immunsystem, reguliert den Eisenhaushalt und wirkt entzündungshemmend.“