30. Mai 2026, 6:00 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Am 29. und 30. Mai läuft die größte Longevity-Messe Deutschlands: der Life Summit. Hier treffen internationale Wissenschaftler, Ärzte, Health-Tech-Gründer, Biohacker und Präventions-Experten aufeinander, um über die Frage zu sprechen: Was hält uns wirklich länger gesund? Das FITBOOK-Team war vor Ort und hat Longevity-Trends getestet: Wie fühlt sich eine Hightech-Massage an, was können Vitalpilze und warum gibt es Longevity-Präparate für den Mundraum? Außerdem auf der Bühne: FITBOOK-Chefredakteur Nuno Alves, der ein Panel zum Thema Supplements moderierte.
Messen, tracken, optimieren: Longevity beginnt im Testlabor
Im Longevity-Kosmos wird nicht geraten, sondern gemessen. Ein Berliner Sofortlabor stellte dafür etwa verschiedene Check-up-Pakete vor: für Männer, Frauen, Sportler etc. Mit dabei war natürlich auch ein Longevity-Profil. Das beinhaltete neben einem klassischen Blutbild z. B. auch Marker für den Blutzucker, Leber- und Nierenwerte sowie CRP (C-reaktives Protein), welches auf stille chronische Entzündungen im Körper hinweist. Solche Entzündungsprozesse gelten als möglicher Risikofaktor für Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Leiden oder Diabetes. Typisch für Longevity war auch eine Telomerlängenmessung dabei. Telomere sind die Schutzkappen an den Enden der Chromosomen. Mit dem Alter werden sie kürzer. Durch ihre Messung kann man Rückschlüsse auf das biologische Alter und die Zellgesundheit ziehen.
Noch futuristischer wurde es bei digitalen Biomarkern: Ein Gesundheitscheck soll hier ganz ohne Blutabnahme funktionieren – praktisch für alle mit Angst vor Nadeln. In nur zwei Minuten sollten ein Selfie, eine Sprachaufnahme und das Tippverhalten am Smartphone Hinweise auf Werte wie Blutdruck, Herzfrequenz und Lungengesundheit geben. Mittels KI leitete das Modell sogar Ersatzwerte für Biomarker im Blut ab, etwa Cholesterin. Wie verlässlich solche digitalen Messwerte im Alltag wirklich sind, bleibt jedoch offen.
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Wellness wird Hightech
Eines der größten Gesundheitsprobleme ist Stress. So ist es wenig verwunderlich, dass zahlreiche Wellness- und Recovery-Tools auf dem Life Summit zu entdecken waren. Im Gespräch mit FITBOOK sagte Onkologe Prof. David Khayat: „Neben Bewegung ist die Kontrolle von Stress eine der wichtigsten Longevity-Maßnahmen.“ Als mögliche Wege nannte er traditionelle Methoden wie Meditation und Tai Chi – letzteres praktizierte Speaker und „Shaolin Kid“ Sascha Wenk auf der Bühne gemeinsam mit dem Publikum.
Ein Kontrast dazu: viele innovative Wellness-Geräte, häufig zum Liegen. Im „Longevity Spa“ kann man zur Entspannung auf Wasser schweben, ohne nass zu werden. Optional kann dabei molekularer Wasserstoff nasal inhaliert werden, der laut Herstellerangaben stark antioxidativ wirkt, vor Zellalterung schützt und die Muskeln schneller regenerieren lässt. Eine andere Technik benutzt ebenfalls Wasser, allerdings zum Massieren. Auf einem „Hydrojet“ sorgen Wasserstrahlen von unten für entspannte Muskeln. Infrarotlicht von oben soll die Hautregeneration ankurbeln – rotes Licht war in zahlreiche Geräte auf der Messe integriert.
Was gesunde Zähne mit Longevity zu tun haben
Zahngesundheit klingt zunächst nicht nach Longevity-Trend. Auf dem Life Summit wurde aber klar: Der Mund ist kein isolierter Bereich. Entzündungen am Zahnfleisch oder eine gestörte Mundflora können den ganzen Körper belasten. Bei Parodontitis etwa können Bakterien über offene Stellen in die Blutbahn gelangen. Deshalb wird Mundgesundheit inzwischen auch im Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselgesundheit und sogar neurodegenerativen Erkrankungen diskutiert. Auf der Messe gab es etwa Lutschtabletten mit Lactoferrin, welches antimikrobiell und entzündungshemmend wirkt und so eine gesunde Mundflora stärkt.
Vitalpilze und Designer-Supplements
Für FITBOOK-Ernährungsexpertin Sophie Brünke waren die Nahrungsergänzungsmittel am spannendsten. Hier gab es zwei Teams: Entweder Nährstoffkonzentrate zum Trinken, die bis zu 99 Inhaltsstoffe auf einmal enthielten (in Kapselform wäre das wohl auch nicht machbar) und eher eine bequeme „One fits all“-Lösung sein sollten. „Hier dürfte das bekannte Problem von Kombipräparaten auftreten, dass sich Nährstoffe teilweise gegenseitig bei ihrer Aufnahme im Darm hemmen“, so Brünke. Auf der anderen Seite standen auf entsprechende Bedürfnisse zugeschnittene Supplements: Dabei gingen die Hersteller zum einen den Weg, für verschiedene Sportarten Supplements zu entwickeln, die auf die Lebenszeit gerechnet die Peak Performance verlängern sollten. Andere boten Bluttests an, auf deren Basis sie personalisierte Infusionen herstellen.
In den Supplements sind auf dem diesjährigen Life Summit überraschend oft sogenannte Vitalpilze enthalten. Diese enthalten einige bioaktive Verbindungen, welche gesundes Altern unterstützen sollen. Oft dabei: Reishi, der „Pilz der ewigen Jugend“. Dabei sollen Vitalpilze sowohl die Energieproduktion in den Zellen als auch das Immunsystem stärken.
Beim Paneltalk zum Thema Supplements befragte FITBOOK-Chefredakteur Nuno Alves Experten aus Produktentwicklung und Medizin, was sie einnehmen. Hoch im Kurs: Kreatin, welches die kognitive Leistungsfähigkeit steigert. Dr. Luisa Werner nannte den wichtigen Klassiker Vitamin D: „Über die Ernährung bekommt man nicht genug Vitamin D3, und es gibt nicht genug Sonne – selbst im Sommer in Deutschland nicht.“
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Atmen wie in den Bergen: Höhentraining für zu Hause
Vielleicht haben Sie schon mal davon gehört, dass Profisportler vor wichtigen Wettkämpfen bzw. Turnieren in die Berge fahren und Höhentraining praktizieren. Ab etwa 2000 Höhenmetern steht dem Körper durch den geringeren Luftdruck weniger Sauerstoff zur Verfügung. Darauf reagiert er unter anderem mit einer vermehrten Produktion roter Blutkörperchen, die den Sauerstofftransport im Blut verbessern. Diese Helfer bleiben auch noch einige Wochen nach dem Training erhalten und unterstützen die Performance von Sportlern.
Doch jetzt gibt es die Berge auch für zu Hause. Viele Besucher entspannten auf Liegen mit Sauerstoffmaske. Ein Hersteller erklärte vor Ort, dass solche Systeme nicht nur mit sauerstoffreduzierter Luft für den Höhentraining-Effekt arbeiten, sondern je nach Programm auch mit zusätzlichem Sauerstoff zur Regeneration und einem Energiekick.
Fitness fürs Gehirn – auch Schlaf kann trainiert werden
Wer sich für Longevity interessiert, kommt am Thema Schlaf nicht vorbei. Denn im Schlaf finden im Körper wichtige Reparaturprozesse statt. FITBOOK-Redaktionsleiterin und Schlafcoach Melanie Hoffmann hat diesbezüglich besonders genau hingeschaut. „Es ist spannend zu sehen, dass das Thema Schlaf auch hier auf dem Life Summit zum einen klassisch gesehen wird, etwa Matratzen aus Naturmaterialien, aber zum anderen auch sehr technologisch: Ich habe ein ‚Fitnessstudio für den Geist‘ getestet, bei dem Klangfrequenzen Gehirnwellenmuster so beeinflussen sollten, dass man besseres Einschlafen trainieren kann.“ Und das Gerät hatte noch weitere Programme in petto: darunter Trainings, die dabei helfen sollen, mit dem Rauchen aufzuhören, Angstzustände oder Stress zu lindern und beim Abnehmen zu unterstützen.
Sogar das biologische Alter ihres Gehirns konnten Messebesucher bestimmen lassen, mit einer Art Elektroden-Haarnetz in wenigen Minuten. Hätten Sie sich getraut?