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100 Jahre leben? Auf das sollten über 80-Jährige bei der Ernährung achten

80-jährige Frau
80 werden, schafft nicht jeder. Aber wie wird man 100? Eine chinesische Studie hat sich mit der optimalen Ernährung Hochbetagter beschäftigt. Foto: Getty Images
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13. Januar 2026, 12:56 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

100 Jahre alt werden – für viele ein fast unerreichbares Ziel. Eine gesunde Ernährung gilt oft als Schlüssel, und vor allem der Verzicht auf Fleisch wird häufig als lebensverlängernd betrachtet. Doch eine neue chinesische Studie zeigt diesen Zusammenhang: Für über 80-Jährige ist die Nährstoffversorgung wichtiger als der Verzicht auf Fleisch. Eine ausgewogene Ernährung mit pflanzlichen und tierischen Produkten scheint bei Hochbetagten vorteilhaft zu sein.

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Wie sinnvoll ist fleischfreie Ernährung ab 80?

Vegetarische und vegane Ernährung gelten in vielen Ländern als gesundheitsfördernd. Studien zeigen, dass Menschen, die auf Fleisch verzichten, seltener unter Bluthochdruck, Übergewicht oder erhöhten Cholesterinwerten leiden. Auch das Risiko für koronare Herzerkrankungen scheint bei ihnen geringer zu sein. Diese Vorteile wurden in westlichen Studien mehrfach belegt, etwa durch Arbeiten von Fraser oder Viguiliouk.

Gleichzeitig mehren sich Hinweise auf mögliche Nachteile. Einige Untersuchungen berichten über ein höheres Risiko für Knochenbrüche, Mangelernährung oder depressive Symptome bei Menschen, die dauerhaft auf tierische Produkte verzichten. Besonders im hohen Alter, wenn der Körper anfälliger wird und sich langsamer erholt, könnten solche Effekte stärker ins Gewicht fallen.

Eine neue Studie aus China liefert nun Daten zu genau dieser Frage. Sie zeigt: Menschen über 80, die sich vegetarisch oder vegan ernähren, erreichten seltener das 100. Lebensjahr – besonders dann, wenn sie untergewichtig waren.1

Die Grundlage: Eine der größten Alterungsstudien der Welt

Für ihre Analyse griffen die Forscher auf Daten der Chinese Longitudinal Healthy Longevity Survey zurück. Diese groß angelegte Langzeitstudie begleitet seit 1998 ältere Menschen in ganz China. Für die aktuelle Untersuchung wurden 5.203 Personen einbezogen, die bei der Erhebung mindestens 80 Jahre alt waren.

Ziel war es, herauszufinden, welche dieser Menschen innerhalb der nächsten Jahre das 100. Lebensjahr erreichen und ob die Ernährung dabei eine Rolle spielte. Die Teilnehmer wurden in verschiedene Gruppen eingeteilt:

  • Mischköstler (Omnivore)
  • Pesco-Vegetarier (essen Fisch, aber kein Fleisch)
  • Ovo-Lacto-Vegetarier (verzichten auf Fleisch und Fisch, essen aber Milchprodukte und Eier)
  • Veganer (verzichten vollständig auf tierische Produkte)

Dabei flossen auch entscheidende Einflussfaktoren wie Geschlecht, Bildungsniveau, Rauchgewohnheiten, Bewegungsverhalten und insbesondere das Körpergewicht in die Auswertung ein. Die Studie wollte den Einfluss der Ernährung so genau wie möglich isolieren und von anderen Lebensstilfaktoren wie Bewegungsverhalten oder Tabakkonsum abgrenzen.

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Die Ergebnisse: Weniger Hundertjährige unter Vegetariern

Von den 5.203 Teilnehmern erreichten 1.459 tatsächlich das 100. Lebensjahr. Im Vergleich zeigte sich, dass Menschen mit vegetarischer Ernährung deutlich seltener darunter waren als Altersgenossen, die sowohl pflanzliche als auch tierische Produkte konsumieren (Omnivore).

Die Wahrscheinlichkeit, 100 zu werden, war bei Vegetariern 19 Prozent geringer als bei Menschen, die sowohl pflanzliche als auch tierische Produkte konsumieren. Bei Veganern war diese Wahrscheinlichkeit sogar um 29 Prozent verringert. Ovo-Lacto- und Pesco-Vegetarier schnitten zwar ebenfalls etwas schlechter ab als Fleischesser, allerdings nicht signifikant.

Untergewichtige Vegetarier, deren Body-Mass-Index (BMI) unter 18,5 lag, hatten eine um 28 Prozent geringere Chance, 100 Jahre alt zu werden, als untergewichtige Omnivore.

Warum Untergewicht im Alter so gefährlich ist

Was in jüngeren Jahren oft als Ideal gilt, kann im Alter zum Risiko werden. Ein niedriger BMI bei Senioren wird häufig mit Mangelernährung, Muskelschwäche und erhöhter Sterblichkeit in Verbindung gebracht. Der Körper hat weniger Reserven, die er im Krankheitsfall mobilisieren kann.

Gerade bei veganer oder streng vegetarischer Ernährung besteht die Gefahr, dass der Körper nicht ausreichend mit Eiweiß, Vitamin B12, Kalzium oder Eisen versorgt wird. Diese Nährstoffe sind entscheidend für den Erhalt von Muskelmasse, Knochendichte und Immunsystem.

Wenn zusätzlich der Appetit nachlässt oder die Verdauung beeinträchtigt ist, wie es bei vielen Hochaltrigen der Fall ist, kann der Verzicht auf tierische Produkte schneller zu Defiziten führen, als vielen bewusst ist.

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Sind pflanzliche Diäten wirklich immer gesund? Ein Blick auf die Studienlage

In der Vergangenheit wurden pflanzenbasierte Ernährungsformen oft als besonders gesundheitsfördernd dargestellt. Studien aus Europa und Nordamerika zeigen, dass Vegetarier seltener unter Bluthochdruck, hohen Cholesterinwerten oder Fettleibigkeit leiden.2 Auch das Risiko für koronare Herzerkrankungen scheint bei ihnen geringer zu sein.

Allerdings gibt es auch Hinweise auf mögliche Nachteile. Mehrere Untersuchungen berichten über ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche, Mangelernährung und sogar depressive Symptome bei Menschen, die dauerhaft auf tierische Produkte verzichten.3,4

Besonders relevant wird das, wenn man sich den sehr hohen Altersbereich anschaut. Denn genau hier ist der Körper deutlich anfälliger für Nährstoffmängel. Die neue Studie aus China ist eine der ersten, die diesen Zusammenhang bei über 80-Jährigen genauer unter die Lupe nimmt. Sie zeigt: Was in jungen Jahren vorbeugend wirken kann, ist im hohen Alter möglicherweise zu belastend – zumindest dann, wenn keine gezielte Nährstoffzufuhr erfolgt.

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Wo die Studie an ihre Grenzen stößt

Trotz ihrer Größe und sorgfältigen Durchführung hat die Studie auch Schwächen. So wurde die Ernährung der Teilnehmenden nur zu Beginn einmal erfasst. Ob und wie sich ihre Essgewohnheiten im Laufe der Jahre verändert haben, bleibt unklar.

Zudem handelt es sich um eine Beobachtungsstudie. Das bedeutet, sie kann keine Ursachen nachweisen, sondern nur Zusammenhänge. Es ist also nicht bewiesen, dass die vegetarische Ernährung selbst für die niedrigere Lebenserwartung verantwortlich ist. Es könnten auch andere, nicht erfasste Faktoren eine Rolle gespielt haben.

Ein weiterer Punkt: Die Studie wurde ausschließlich in China durchgeführt. Lebensstil, medizinische Versorgung und Ernährung unterscheiden sich dort teils stark von europäischen oder amerikanischen Verhältnissen. Eine direkte Übertragung der Ergebnisse auf andere Länder ist deshalb nicht ohne Weiteres möglich.

Wichtig ist außerdem

Die Daten legen nicht nahe, dass Fleischesser ihre Ernährung grundsätzlich überdenken müssten. Die Autoren stellen den Fleischkonsum nicht infrage. Vielmehr betonen sie die Bedeutung einer ausgewogenen Kost, die sowohl pflanzliche als auch tierische Produkte enthalten kann – besonders bei älteren Menschen mit niedrigem Körpergewicht oder einem erhöhten Risiko für Mangelernährung.

Was folgt daraus?

Wer sich im Alter vegetarisch oder vegan ernährt, sollte besonders gut auf seine Nährstoffversorgung achten. Gerade Menschen mit niedrigem Körpergewicht oder bestehender gesundheitlicher Schwäche laufen sonst Gefahr, Defizite aufzubauen, die sich negativ auf Lebensqualität und Lebenserwartung auswirken können.

Das heißt nicht, dass pflanzenbasierte Ernährung im Alter grundsätzlich schlecht ist. Sie muss nur bewusster umgesetzt werden – zum Beispiel durch gezielte Auswahl eiweißreicher pflanzlicher Lebensmittel, angereicherte Produkte oder Nahrungsergänzungsmittel.

Vor allem im sehr hohen Alter sollte Ernährung keine Ideologie sein, sondern eine Unterstützung für den Körper. Wer unsicher ist, sollte sich ärztlich oder ernährungsmedizinisch beraten lassen – denn was man isst, entscheidet mit darüber, wie lange und wie gut man lebt.

Quellen

  1. Li Y., Wang K., Lv Y. et al. (2025): Vegetarian diet and likelihood of becoming centenarians in Chinese adults aged 80 y or older: a nested case-control study. Am J Clin Nutr. ↩︎
  2. Fraser G. E. (2009): Vegetarian diets: what do we know of their effects on common chronic diseases? Am J Clin Nutr. ↩︎
  3. van Staa T. P., Dennison E. M., Leufkens H. G. et al. (2001): Epidemiology of fractures in England and Wales. Bone. ↩︎
  4. Kolberg, M., Paur, I., Sun, YQ. et al. (2023): Prevalence of malnutrition among older adults in a population-based study - the HUNT Study. Clin Nutr ESPEN.  ↩︎

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