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Selbstversuch

14 Tage ohne Süßstoff – meine wichtigsten Erkenntnisse

Cola zero: Was passiert, wenn man versucht, ohne Süßstoff auszukommen?
Was passiert, wenn man versucht, ohne Süßstoff auszukommen? Foto: Getty Images, Nina Ponath; Collage: FITBOOK
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Nina Ponath
Freie Autorin

16. August 2026, 17:44 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

In der Fitness-Bubble ist er kaum wegzudenken aus Süßspeisen, Quark und Joghurt, Getränkesirup und Soßen: Süßstoff. Was passiert, wenn man ihn für zwei Wochen weglässt, hat unsere Autorin Nina Ponath im Selbstversuch getestet.

„Hallo, mein Name ist Nina und ich bin süchtig nach Süßstoff.“ Vor ein paar Jahren hätte ich mich in einer Selbsthilfegruppe so vorstellen können. Damals war ich sozusagen sehr auf der „süßen Seite“ des Lebens unterwegs: flüssiger Süßstoff in den Quark, Süßstoff in meine Haferflocken, Süßstofftabletten in den Kaffee, und zu allem Überfluss gab es an meinem damaligen Arbeitsplatz auch noch diesen kalorienfreien bunten Getränkesirup, den ich mir erst nur ab und an, später in nahezu jedes gezapfte Glas Wasser großzügig hineinkippte.

Zu viel Süßstoff

Nach einiger Zeit bekam ich Rötungen im Gesicht und eine relativ unreine Haut, was ich auf den Sirup schob. Als ich ihn wegließ, wurde die Haut tatsächlich besser und ich fing an, Süßstoff insgesamt zu reduzieren. „Muss jedes Essen wirklich süß sein?“ Die Frage half mir dabei, Süßstoff allmählich erfolgreich aus meinen Grundnahrungsmitteln – Haferflocken, Quark, Joghurt – zu verbannen. Ganz weg kam ich von der Sucht aber noch nicht.

Mein Kaffee muss nach wie vor gesüßt sein. Jeden Morgen landet zusammen mit etwas Hafermilch eine Süßstofftablette im Kaffee, worüber jeder Barista vermutlich entsetzt die Hände vor dem Mund zusammenschlagen würde. Im Urlaub in Dänemark freue ich mich heimlich auf diese absurd künstlichen Sirupgetränke zum Verdünnen, und ja, auch Softgetränke landen in der Light-Version und leider immer noch verhältnismäßig oft in meinem Einkaufskorb.

Schmeckt das Leben ohne Süßstoff nicht irgendwie fad?

Die Sorge ist wohl allein deshalb schon unbegründet, weil Süßstoffe mittlerweile fast überall vorkommen. Proteinriegel. Eiweißshakes. Light-Getränke. Fettreduzierter Fruchtjoghurt. Man muss schon ziemlich genau hinschauen, wenn man komplett darauf verzichten möchte. Und genau das wollte ich jetzt einmal ausprobieren.

„Süßstoff ist schlimmer als Zucker!“

Den letzten Anstoß gab mir eine befreundete Ernährungswissenschaftlerin, als sie mich in großen Schlucken aus meinem Light-Getränk trinken sah. „Süßstoff ist schlimmer als Zucker“, beschwor sie mich.

Natürlich weiß ich, dass über die Risiken von Süßstoff kontrovers diskutiert wird. Es gibt Studien, die Süßstoffe für unbedenklich halten, andere weisen auf mögliche Nachteile hin. Meine Bekannte ist überzeugt, wirtschaftliche Interessen würden dabei eine größere Rolle spielen, sodass vieles gar nicht bekannt ist. Ob das stimmt, kann ich nicht beurteilen. Was ich mich eher frage, ist, ob ein Nahrungsmittel, wenn es ausschließlich deshalb entwickelt wurde, damit etwas süß schmeckt, ohne Zucker zu enthalten, etwas ist, das der Körper benötigt. Vermutlich eher nicht, also beschloss ich einen Selbstversuch. Ich wollte herausfinden, wie es mir ohne Süßstoff gehen würde.

Zwei Wochen komplett ohne Süßstoff: mein Selbstversuch

1. Tag: Kaffee ohne Süßstoff? Kein Problem.

Eigentlich beginnt mein Tag gern mit einem sehr süßen Kaffee (ich nehme gern auch mal zwei Süßstofftabletten). Heute muss ich mir die Tabletten eben sparen. Der Kaffee schmeckt dadurch intensiver und, offen gesagt, ziemlich bitter, sodass ich mir eben etwas mehr Milch dazu kippe. Der positive Effekt: Während es sonst gern noch eine zweite Tasse hinterher gibt, bleibe ich so genügsam und trinke den Kaffee viel bewusster. Den Rest des Tages bemerkte ich kaum einen Unterschied. Allzu süchtig bin ich doch nicht – bis zum Abend.

Normalerweise gibt es bei mir zum Abschluss des Tages immer etwas Süßes – gern einen Quark mit etwas Nüssen und ja, ich gestehe: Flüssigsüßstoff. Im Tiefkühlfach steht außerdem noch dieses leckere Low-Calorie-Eis, das nach „Salted Caramel“ schmeckt. Es nützt nichts, sage ich mir, und greife stattdessen zu einem großen Stück Zartbitterschokolade und meinem Quark – eine Kombi, die mich schnell zufrieden macht. Sogar mehr, als mein übliches Süßstoffgemisch, muss ich feststellen, denn da nehme ich mir gern mal einen zweiten oder dritten Nachschlag. Ob das am Süßstoff liegt? Keine Ahnung. Vielleicht liegt es auch nur daran, dass mir im Moment bewusst ist, dass ich gerade echten Zucker esse und davon nicht zu viel essen will.

2. bis 4. Tag: Alles prima!

Die restliche Woche pendelt sich mein Süßstoffhunger ein. Morgens bleibt das Leben beziehungsweise der Kaffee bitter, abends gibt es Zartbitterschokolade mit echtem Zucker. Tatsächlich fällt es mir auch an den weiteren Tagen leichter, mit Nachtisch Maß zu halten, wenn ich nichts künstlich süße.

5. Tag: Mir fehlt … Cola light

In Hamburg sind über 30 Grad und bei mir kommt sofort Lust auf eine eiskalte Cola light auf. Eine alte Kindheitserinnerung ist schuld daran: Weil mein Papa früher im Sommerurlaub immer Cola light bestellt hat, sind, seitdem ich Kind bin, Cola light oder andere Light-Getränke für mich untrennbar mit dem Sommerfeeling verbunden. Die normale Cola reizte mich dagegen überhaupt nicht. Ich möchte genau den Geschmack, den ich gewohnt bin, oder gar keinen.

6. Tag: Honig ist plötzlich mein bester Freund.

Heute greife ich häufiger zum Honig. Das fällt mir auf, als ich mir einen großen Löffel in meinen Joghurt mische. Offenbar sucht sich mein Gehirn gerade nach einer vertretbaren Lösung, auf seine Dosis „süß“ zu kommen. Wobei da die Frage ist, was denn nun die beste Alternative ist: kalorienfreier Süßstoff, von dem man nicht weiß, wie er langfristig auf den Körper wirkt, Zucker, der den Zähnen und dem Blutzucker schadet, oder eben Honig, für den die Bienen ausgebeutet wurden? Muss man nicht eigentlich grundsätzlich irgendwelche gesundheitlichen Risiken oder ethischen Gewissensbisse in Kauf nehmen, wenn man isst? Das Honigglas bleibt danach erst mal auf demselben Stand stehen.

Woche 1: Das Verlangen wird weniger

Zum Ende der Woche wird mein Süßhunger weniger. Ich habe nicht mehr ständig das Bedürfnis, nach jeder Mahlzeit „noch irgendetwas Süßes“ essen zu müssen. Tatsächlich gibt es übrigens Studien, die genau darauf hindeuten, dass intensiv süß schmeckende Lebensmittel die Vorliebe für süßen Geschmack aufrechterhalten können.1 Vielleicht passiert das gerade bei mir.

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Woche 2: Urlaub in Österreich – „und führe mich nicht in Versuchung“

In der zweiten Woche meines Versuchs geht es in den Urlaub nach Österreich, und wer hätte das gedacht: Ironischerweise fällt mir der Verzicht ausgerechnet im Urlaub leichter! Am Frühstücksbuffet gibt es Brot, Käse, Aufschnitt, Naturjoghurt, Obst, Eier, Obstsalat – kurz gesagt, Lebensmittel, die auch meine Großeltern jederzeit als „Nahrungsmittel“ erkannt hätten. Neben den Zuckerbeuteln am Kaffeeautomaten stehen ein paar eingeschweißte Süßstofftabletten, die nur wenig Beachtung bekommen. Auch von mir nicht.

Die größten Schwierigkeiten

Ganz problemlos läuft jedoch auch der Urlaub nicht. Insbesondere die Fahrt mit dem Auto, denn an jeder Tankstelle besteht die Hälfte des Getränkeregals gemeinerweise aus Zero- oder Light-Produkten. Ich ertappte mich mehrfach dabei, automatisch danach greifen zu wollen. Außerdem muss ich plötzlich Zutatenlisten lesen. Erstaunlich viele Produkte enthalten Süßstoffe, obwohl ich sie gar nicht als „Light-Produkte“ abgespeichert hatte.

Was hat sich verändert?

Nach zwei Wochen ziehe ich ein überraschend positives Fazit. Mein Süßhunger hat sich deutlich beruhigt und mir gelüstet es nicht ständig nach süßem Geschmack. Selbst dunkle Schokolade reicht mir in kleineren Mengen. Meine Haut ist erholt und frisch, was aber ehrlicherweise auch am Urlaub, Wandern in der Natur und gutem Schlaf liegen kann.  Das heißt nicht, dass ich im Dänemark-Urlaub zukünftig auf meinen geliebten Sirup verzichten werde, denn „Urlaub ist Urlaub“, und wie ich schon bei meiner Kindheitserinnerung aus Cola light und Sommerurlaub bemerkt habe: Süßstoffappetit hängt bei mir sehr an Routinen und Gewohnheiten.  Gut möglich also, dass auch irgendwann wieder mal eine Süßstofftablette im Kaffee landet. Der Versuch hat mir gezeigt, dass ich Süßstoff nicht brauche, dass ich es manchmal aber sehr schätze, wenn das Leben etwas süßer schmeckt.

Quellen

  1. Chakravartti, S.P., Jann, K., Veit, R. et al. (2025). Non-caloric sweetener effects on brain appetite regulation in individuals across varying body weights. Nat Metab.  ↩︎

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