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Nach der Geburt des Kindes

Wochenbettdepression – Anzeichen und Möglichkeiten der Vorbeugung

Wochenbettdepression ist die schlimmere Form des Babyblues.
Die Geburt eines Kindes verändert das Leben grundlegend. Für manche Eltern wird die Belastung zur psychischen Herausforderung Foto: www.natasha-lebedinskaya.com

19. September 2026, 9:47 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

Es ist ein bekanntes Phänomen, dass doch viele Frauen nach der Geburt ihres Kindes psychisch leiden. Obwohl man annehmen könnte, dass die Glückseligkeit nun ihren Höhepunkt erreicht, wenn man frisch gebackenes Elternteil wird. In der Realität ist das häufig nicht der Fall. Vätern ergeht es übrigens oft nicht minder. Warum es vielen Eltern nach der Geburt so geht, wie schlimm eine solche Wochenbettdepression ist, und worin der Unterschied zwischen ihr und Babyblues besteht, erklärt FITBOOK im Folgenden.

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Was ist die Wochenbettdepression?

Sie haben womöglich schon einmal vom sogenannten Babyblues gehört. Das hat nichts mit der Musikrichtung Blues zu tun, sondern mit der englischen Bedeutung des Wortes für Traurigkeit, Melancholie oder Niedergeschlagenheit. Etwa jede zweite Mutter ist nach der Entbindung davon betroffen.1 Der Babyblues kann ein emotionales Gefühlschaos auslösen, das sich durch plötzliche Traurigkeit, innere Unruhe und Erschöpfung äußert.

Dieser Zustand klingt jedoch meist innerhalb der ersten zwei Wochen nach der Geburt wieder ab. Halten die Beschwerden dagegen länger als 14 Tage an oder verschlimmern sie sich sogar, handelt es sich wahrscheinlich um eine Wochenbettdepression. Im klinischen und wissenschaftlichen Kontext sind auch die Begriffe „postpartale Depression“ und „peripartale Depression“ geläufig.

Warum ist das so?

Es ist ein komplexes Thema und wissenschaftlich noch nicht schlussendlich geklärt, woran es genau liegt, dass es so vielen Eltern nach der Geburt so ergeht. Am wahrscheinlichsten ist es, dass die Ursache ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren ist. Einerseits durchläuft der Körper nach der Geburt starke hormonelle Veränderungen – auch bei Männern –, andererseits können aber auch genetische Faktoren eine Rolle spielen.

Ein erheblicher Faktor, sowohl bei der Mutter als auch beim Vater, ist zudem der Einfluss auf die Psyche. Bereits die Schwangerschaft und die Zeit vor der Geburt sind mit erheblicher psychischer Belastung aufgeladen, da Aspekte wie Verantwortung, Zukunftsplanung und Sicherheit zusammenkommen. Diese Belastung kann sich nach der Entbindung noch weiter verstärken. Auch äußere Umstände können das Risiko erhöhen. Dazu zählen fehlende Unterstützung durch Angehörige, belastende Lebenssituationen, Konflikte in der Partnerschaft sowie Gewalterfahrungen oder Missbrauch.

Hinzu kommen mögliche psychische Vorerkrankungen wie Depressionen. In vielen Fällen ist es nicht ein einzelner Auslöser, sondern das Zusammenspiel mehrerer Belastungen, das frisch gebackene Eltern in dieser ohnehin herausfordernden Lebensphase besonders verletzlich macht.

Auch Männer sind betroffen

Auch wenn man es erst einmal nicht annehmen würde. Männer können ebenfalls von der Wochenbettdepression betroffen sein, sogar rund fünf bis zehn Prozent aller frisch gebackenen Väter.2 Dabei liegt die Dunkelziffer vermutlich noch deutlich höher.

Wenn die Partnerin des Vaters an einer Wochenbettdepression erkrankt, steigt auch sein Risiko deutlich an – auf etwa 50 Prozent.3 Denn mütterliche und väterliche Depressionen bedingen meist einander. Das bedeutet: Auch bei der Mutter steigt das Risiko, wenn der Partner erkrankt ist. Während sich die Depression bei Müttern jedoch meist innerhalb der ersten Wochen nach der Entbindung manifestiert, tritt die Symptomatik bei Vätern oft langsamer, schleichender und zeitlich verzögert auf. Häufig zeigt sie sich erst zwischen dem dritten und sechsten Lebensmonat des Kindes.

Ursachen und Risikofaktoren bei Vätern

Nach der Geburt verändern sich auch bei Männern die Hormonspiegel. So sinkt unter anderem das Testosteron, während sich auch Östrogen, Oxytocin und Prolaktin verändern können. Die Ursachen der Wochenbettdepression sind vielfältig und zuhauf das Ergebnis eines Zusammenspiels mehrerer Belastungen. Einige davon unterscheiden sich etwas von denen der Mütter. Männern setzen vordergründig anhaltender Schlafmangel, ein überfordertes Verantwortungsgefühl sowie finanzielle Sorgen und Partnerschaftskonflikte zu. Auch überhöhte Erwartungen an die eigene Vaterrolle, traumatische Geburtserlebnisse oder psychische Vorerkrankungen können die Entstehung begünstigen.

Die Symptomatik unterscheidet sich ebenfalls etwas von der bei Müttern. Bei Vätern äußert sich die Depression häufig weniger durch Traurigkeit, dafür eher durch Reizbarkeit, Frustration und Wutausbrüche. Außerdem flüchten sich viele Betroffene in exzessive Arbeit, übertriebenen Sport oder entwickeln Süchte, etwa in Bezug auf Alkohol, Rauchen oder exzessives Gaming.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Eine Diagnose basiert auf einem stufenweise strukturierten Vorgehen. Eine Kombination aus klinischer Exploration der Symptome, einem standardisierten Fragebogen, und Laboruntersuchungen gibt Aufschluss.

Klinische Exploration der Symptome

Der Arzt oder Psychotherapeut klärt zunächst ab, ob die Hauptsymptome vorliegen und bereits länger als zwei Wochen bestehen. Ergänzend wird gezielt nach Phänomenen gefragt, die speziell mit der neuen Elternrolle zusammenhängen. Dazu zählen ausgeprägte Versagens- und Schuldgefühle, eine empfundene emotionale Taubheit oder ein Desinteresse gegenüber dem Säugling sowie ängstliche Zwangsgedanken. Das Vorliegen solcher Anzeichen kann den Verdacht auf eine Wochenbettdepression zusätzlich stützen.

Standardisierter Fragebogen

Speziell zur Erkennung einer Wochenbettdepression gibt es die sogenannte „Edinburgh Postnatal Depression Scale“. Es handelt sich um einen Fragebogen mit zehn Fragen. Werden zehn Punkte erreicht, besteht der Verdacht auf eine depressive Verstimmung, ab 13 Punkten liegt eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine Wochenbettdepression vor.4

Laboruntersuchung

Da manche körperlichen Erkrankungen ähnliche Symptome wie eine Wochenbettdepression auslösen können, gehört zur Diagnose immer auch eine Blutuntersuchung im Labor. Dabei wird überprüft, ob eine Blutarmut nach der Geburt (postpartale Anämie) oder eine Störung der Schilddrüse (wie eine Schilddrüsenentzündung) vorliegt. Zudem wird abgeklärt, ob möglicherweise der Konsum von Drogen oder bestimmten Medikamenten die Beschwerden verursacht.

Wie wird behandelt?

Zum einen sollte der Partner des betroffenen Elternteils auch immer in die Beratungs- und Entlastungskonzeption eingebunden werden. Wie dann konkret behandelt wird, richtet sich nach dem Schweregrad der Symptomatik.

Bei einer leichten Ausprägung reichen praktische Hilfen im Alltag oft bereits aus. Dazu gehören Unterstützung bei der Kinderbetreuung und im Haushalt, aufklärende Beratungsgespräche sowie ein offenes Auge des Experten.

Bei einer mittelschweren Form gibt es zwei Behandlungswege: zum einen die Einnahme von Medikamenten wie Antidepressiva, zum anderen eine Psychotherapie. Bei der Therapie wird häufig die kognitive Verhaltenstherapie angewendet, bei der die betroffene Person dabei unterstützt wird, negative Denkmuster und Verhaltensweisen zu erkennen und Schritt für Schritt positiv zu verändern. Eine weitere Möglichkeit ist die interpersonelle Psychotherapie. Sie stellt die aktuellen Lebensumstände sowie den Übergang in die Elternrolle in den Mittelpunkt und hilft dabei, zwischenmenschliche Konflikte oder Beziehungsprobleme zu lösen.

Bei der schweren Form wird in der Regel eine Kombination aus medikamentöser Behandlung und intensiver Psychotherapie angewendet. Sehr gerne werden Mutter und Kind gemeinsam auf einer spezialisierten Mutter-Kind-Station untergebracht, um dort die Bindung gezielt zu fördern. Wenn akute Krisen oder Suizidgedanken vorliegen, ist eine Behandlung im Krankenhaus unerlässlich.

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Heilungschancen

Die Heilungschancen stehen sehr gut. Wichtig ist, dass die Wochenbettdepression früh erkannt wird. In manchen Fällen können sich die Symptome auch ohne Behandlung spontan zurückbilden und innerhalb weniger Wochen wieder abklingen. Ohne professionelle Unterstützung besteht jedoch das Risiko, dass die Erkrankung chronisch wird. Außerdem haben Mütter, die bereits einmal eine Wochenbettdepression durchgemacht haben, ein erhöhtes Risiko für ein erneutes Auftreten nach einer weiteren Geburt. Dieses wird auf etwa ein Drittel geschätzt.5

Wie kann man vorbeugen?

Bei manchen Personen besteht ein erhöhtes Risiko für eine Wochenbettdepression, insbesondere dann, wenn sie bereits zuvor unter Depressionen gelitten oder schon einmal eine Wochenbettdepression durchlebt haben. In solchen Fällen sollte das Risiko frühzeitig mit dem behandelnden Fachpersonal abgeklärt werden. So kann bereits während der Schwangerschaft eine gezielte Psychotherapie oder präventive psychosoziale Intervention eingeleitet werden.

Aber auch wenn augenscheinlich kein erhöhtes Risiko besteht, lohnt es sich, vorzubeugen. Hilfreich ist vordergründig, sich frühzeitig – etwa bei der Hebamme oder im Geburtsvorbereitungskurs – über das Krankheitsbild zu informieren, um im Falle des Auftretens geschulter und schneller reagieren zu können.

Quellen

  1. Stiftung Gesundheitswissen. Was ist eine Wochenbettdepression? (aufgerufen am 22.09.2026) ↩︎
  2. Neurologen und Psychiater im Netz. Depression nach der Geburt trifft auch Väter: Frühzeitige Hilfe wichtig. (aufgerufen am 22.09.2026) ↩︎
  3. Calda Clinic. Kann auch Papa einen Babyblues bekommen? (aufgerufen am 15.09.2026) ↩︎
  4. Cox, J., Holden, J., Sagovsky, R. (1987). Detection of postnatal depression. Development of the 10-item Edinburgh Postnatal Depression Scale. National Library of Medicine. ↩︎
  5. MSD Manual. Wochenbettdepression. (aufgerufen am 15.09.2026) ↩︎

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