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Mehr Sauerstoff, Giftstoffe erkennen

6 Gründe, warum es gesünder ist, durch die Nase zu atmen

Atmen durch die Nase ist gesünder
Das tiefe Einatmen durch die Nase ist nicht nur am Meer eine gute Idee und eine Wohltat für die GesundheitFoto: Getty Images

Gerade in stressigen Situationen wird einem geraten, tief und ruhig zu atmen. Auch beim Meditieren oder beim Yoga kommt es auf die Atmung an. „Durch die Nase ein und durch den Mund aus“ – diesen Satz hat dabei wohl jeder schon mal gehört. Aber warum sollten wir am besten durch die Nase atmen?

Gesunde Erwachsene atmen in Ruhe im Schnitt 10 bis 15 Mal pro Minute ein und aus und benötigen dafür sechs bis neun Liter Luft. Warum das Atmen durch die Nase gesünder ist als durch den Mund und welche Gefahren uns so erspart bleiben, hat Jason Turowski, Spezialist für Lungenheilkunde der Cleveland Clinic US-Bundesstaat Ohio, erklärt.

Es ist natürlich, durch die Nase zu atmen

Erstens ist durch die Nase zu atmen nur natürlich. Babys atmen nur durch die Nase. Das hat einen bestimmten Grund. Es hängt damit zusammen, wie unsere Kehle gebaut ist, erklärt Turowski. Sie erlaube uns bzw. den Säuglingen, gleichzeitig zu atmen und zu saugen, ohne dass wir ersticken. „Es ist ein Überlebensmechanismus“.

Zweitens verarbeitet unsere Nase die eingeatmete Luft anders als der Mund. Das sei laut Turowski gewollt und gut so, um uns vor Gefahren zu schützen. Im Folgenden erfahren Sie mehr über sechs Vorteile des Durch-die-Nase-Atmens.

1. Die Temperatur wird reguliert

Luft, die durch die Nase eingeatmet wird, kann auf bis zu 34 Grad erwärmt werden – also annähernd Körpertemperatur. „Unsere Lunge mag gerne angewärmte und angefeuchtete Luft, und das übernimmt die Nase. Das ist in jedem Fall ein Grund, warum man generell durch die Nase atmen sollte, so auch beim Sport“, erklärt auf Nachfrage von FITBOOK Dr. Kerstin Zeise, Landesvorsitzende des HNO-Ärzteverbandes Berlin.

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2. Giftstoffe werden herausgefiltert

Unsere Schleimhäute der Atemwege sind mit etlichen Flimmerhärchen ausgestattet. Diese sorgen dafür, dass Schmutz- und Staubpartikel sowie Giftstoffe aus der Luft herausgefiltert, direkt den Rachen hinuntergeschickt und in den Magen geleitet werden. „Eklig, aber besser dort, als anderswo“, sagt Jason Turowski. Würde die verunreinigte Luft durch den Mund strömen, lande sie direkt in den Lungen. Das bestätigt auch HNO-Ärztin Dr. Zeise. „Die Hauptfunktion der Nase besteht darin, beim Einatmen von Frischluft diverse Fremdkörper wie Schmutzpartikel oder Bakterien zu identifizieren und herauszufiltern, sprich nach aussen zu transportieren“, so die Expertin zu FITBOOK.

3. Gefahren in der Luft und der Nahrung werden wahrgenommen

„Wonach riecht das hier?“ Über einen seltsamen Geruch nehmen wir oft als erstes wahr, wenn irgendwas nicht stimmt. Sei es das angebrannte Essen, austretendes Gas oder ätzende Chemikalien im Abwasser. Durch unsere Riechzellen, die in der Nase sitzen, ist es uns möglich, schlechtes Essen oder schädliche Gerüche in der Luft wahrzunehmen und uns vor einer Vergiftung zu schützen. Noch ein Grund, warum atmen durch die Nase gesünder ist.

4. Wir riechen potenzielle Partner

Auch bei der Partnerwahl kann die Nase uns den Weg weisen. Sie kann uns helfen, „Pheromone, Schweiß und andere Gerüche zu riechen, die helfen, einen Partner zu finden“, schreibt Turowski. Das würde einem entgehen, wenn man nur durch den Mund atme. Also: Wer wissen will, ob er die Andere/den Anderen gut riechen kann, sollte durch die Nase atmen!

5. Atmen durch die Nase fördert die Gehirnleistung

Forscher haben 2016 außerdem gezeigt, dass es die Gehirnleistung fördert, wenn wir durch die Nase atmen. Die Studienteilnehmer im Alter von 18 bis 30 Jahren konnten sich Gegenstände besser merken, wenn sie durch die Nase atmeten und sogar Emotionen schneller erkennen. Bei Probanden, die durch den Mund atmeten, war dies nicht festzustellen.

6. Bessere Sauerstoffaufnahme

Wenn die ersten fünf Argumente Sie nicht überzeugt haben, tut es dieses vielleicht: Wenn Sie durch die Nase atmen, nehmen Sie zehn Prozent mehr Sauerstoff auf, als bei der Einatmung durch den Mund. Erforscht wurde das bereits 1996. Die schwedischen Wissenschaftler fanden damals heraus, dass bei sechs von acht Teilnehmern der tcPO2-Wert um zehn Prozent höher war. Mit dem tcPO2-Wert wird gemessen, wie hoch der Gehalt an gelöstem Sauerstoff im Gewebe ist.

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Wann Sie durch den Mund atmen sollten

Zusammenfassend: Natürlich kann man auch über den Mund einatmen, sollte man aber nach Möglichkeit nicht machen. Durch die fehlenden Flimmerhärchen werden Schmutzpartikel nicht herausgefiltert und die Luft nicht angewärmt. Chronische Mundatmung kann die Schleimhäute der Atemwege und der Lunge schädigen. Das führe zu starker Verunreinigung der Atemwege, sodass Krankheitserreger nicht mehr abtransportiert werden können. Das Risiko für Lungenerkrankungen steigt, heißt es in einem Beitrag der Deutschen Lungenstiftung.

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Durch den Mund atmen sollten Sie nur in zwei Fällen, so Jason Turowski. Nämlich dann, wenn Sie sich anstrengen und die Luft schnell in Ihre Lungen kommen muss – sprich: bei starker (sportlicher) Anstrengung. Oder, wenn Sie von Allergien oder einer Erkältung geplagt werden, und die Nase schlicht verstopft ist.