12. März 2026, 20:36 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Wer Probleme mit vorzeitigem Samenerguss hat, kann sich medikamentös behandeln lassen. Aber es geht offenbar auch anders: mit Sport. Mehrere Trainingsmethoden haben das Potenzial, für eine Verzögerung der Ejakulation zu sorgen. Dafür liefern Studien spannende Hinweise. FITBOOK erklärt, was Forscher herausgefunden haben.
Es gibt Männer, die sich im Bett längeres Durchhaltevermögen wünschen. Weil es sich bei vorzeitigen Samenergüssen nach wie vor um ein Tabuthema handelt, schwanken je nach Erhebung die Zahlen Betroffener. Laut Studien kann man von einer Prävalenz von 20 Prozent ausgehen. In nichtklinischen Umfragen kam man sogar teilweise auf bis zu 40 Prozent an Männern, die unter vorzeitiger Ejakulation litten.1 Die Dunkelziffer dürfte sogar weitaus höher sein. Laut einer Forschungsarbeit, an der u. a. Wissenschaftler der Anglia Ruskin University, des Imperial College London und der University of Murcia in Spanien beteiligt waren, gibt es womöglich eine einfache Methode, mit der sich betroffene Männer behelfen können. Um einen vorzeitigen Samenerguss zu verhindern, bedürfe es Bewegung – besonders ein Training könne helfen, wenn es regelmäßig praktiziert wird. Der positive Effekt auf den sexuellen Genuss für beide Partner sei erstaunlich.
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Vorzeitigen Samenerguss ohne Medikamente verhindern
Viagra gehört zu den bekanntesten Mitteln, wenn es im Schlafzimmer klappen bzw. etwas länger dauern soll. Allerdings kommt es nicht bei frühzeitigem Samenerguss, sondern bei generellen Erektionsstörungen zum Einsatz. Nich selten kommt es zu unangenehmen Nebenwirkungen. Laut dem Hersteller Pfizer können dazu u. a. Kopfschmerzen, Flush, Dyspepsie, verstopfte Nase, Schwindel, Übelkeit, Hitzewallung, Sehstörungen, Zyanopsie und verschwommenes Sehen zählen.2 Ein Mittel, das bei frühzeitiger Ejakulation zum Einsatz kommt, ist Dapoxetin. Und auch dieses ist nicht immer frei von Nebenwirkungen. Patienten können durch die Einnahme Übelkeit, Kopfschmerzen und Durchfall bekommen.3
Studien-Überblick zu alternativen Methoden bei frühzeitiger Ejakulation
Doch welche Alternativen gibt es? In einer Übersichtsarbeit, die im Fachblatt „Trends in Urology & Men’s Health“ veröffentlicht wurde, betrachtete das Forscherteam die Erkenntnisse aus Studien zu verschiedenen Methoden, die einen vorzeitigen Samenerguss auf natürliche Weise verhindern sollen:
- Laufen,
- Yoga,
- Beckenbodentraining und
- die sogenannte „Pause-Squeeze“-Methode, auch einfach Squeeze-Methode oder Drück-Methode genannt.
Die Überprüfung befasste sich mit insgesamt 54 Studien und 3485 Männern, die allesamt angaben, unter ihrer vorzeitigen Ejakulation zu leiden.4
Squeeze-Methode
Bei der Drück-Methode wird der Penis bis kurz vor den Höhepunkt stimuliert. Anschließend wird für einige Sekunden leichter Druck auf die Eichel ausgeübt, um die Erregung zu reduzieren. Dazu platziert man den Zeigefinger auf der Unterseite der Eichel und den Daumen auf der Oberseite und drückt beide sanft zusammen. Danach pausiert man etwa 30 Sekunden und wiederholt den Vorgang mehrere Male.5
„Zu schnell kommen“ – was bedeutet das eigentlich?
Laut der „Mayo Clinic“ ist eine vorzeitige Ejakulation kein Grund zur Sorge, sofern sie nicht zu oft auftritt. Sie liegt vor, wenn der Mann immer oder fast immer innerhalb von wenigen Sekunden nach der Penetration ejakuliert und währenddessen nur selten oder gar nicht in der Lage ist, den Orgasmus über längere Zeit hinauszuzögern.6 Ausschlaggebend ist aber auch die psychische Komponente, indem der Betroffene zum Beispiel derart daran verzweifelt, dass er Intimität komplett meidet. Die psychische Belastung geht mit einem geringen Selbstwertgefühl, Angstzuständen, einer verminderten Libido und gestörten zwischenmenschlichen Beziehungen einher.
Training ist optimal, um frühzeitigen Samenerguss zu verhindern
Kurz zusammengefasst zeigte die Analyse der eingeschlossenen 54 Studien, dass Bewegung ein Mittel zu sein scheint, um den Orgasmus hinauszuzögern. Das zeigte u. a. eine der Studien, die Männer im Alter von 18 bis 45 Jahren untersucht hatte. 35 von ihnen waren angewiesen worden, mindestens fünfmal pro Woche 30 Minuten zu joggen, während die andere Gruppe nicht länger als 30 Minuten pro Tag spazieren gehen sollte. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen: Die joggenden Männer wiesen eine statistisch signifikante Verbesserung der intra-vaginale Ejakulationslatenzzeit (IELT) auf, vergleichbar zum Medikament Dapoxetin.
Länger Sex dank Yoga!
Für Männer, die sich nicht zum Laufen motivieren können, könnte Yoga eine geeignete Alternative sein. Auch diese Trainingsart scheint einen frühzeitigen Samenerguss effektiv verhindern zu können. Zu dieser Erkenntnis gelangten Forscher auf Grundlage mehrerer in der Übersichtsarbeit berücksichtigten Studien. In diesen führten Yoga-Aktivitäten zu einer statistisch signifikanten Verbesserung der Zeit bis zur Ejakulation (IELT).7
Zusätzlich deuteten die Forschungsergebnisse darauf hin, dass Beckenbodenübungen Männern helfen könnten, länger durchzuhalten. Es war jedoch schwierig, den Effekt dieser Übungen von der elektrischen Stimulation zu unterscheiden, die in denselben Studien ebenfalls eingesetzt wurde.
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Auch die Squeeze-Methode erwies sich als hilfreich
Eine Studie mit 31 Männern zeigte zudem positive Ergebnisse für eine Technik, die als „Pause-Squeeze“ bezeichnet wird. Dabei drückt man während einer kurzen Sex-Pause die Eichel mit den Fingern zusammen, um so eine Ejakulation zu verhindern. Damit verlängerte sich das Vergnügen für die Männer und ihre Partner.
Womöglich nicht immer Medikamente möglich
Die unterschiedlichen Studiendesigns und die kleine Probandenzahl vieler Studien schwächen zwar die Aussagekraft der Studienergebnisse, von Bedeutung für unter frühzeitigen Samenergüssen leidende Männer sind sie aber trotzdem. Denn sie liefern Hinweise darauf, dass Medikamente inklusive Nebenwirkungen nicht die einzige Lösung sein müssen. Bewegung – v. a. Laufen, Beckenbodentraining und Yoga – sowie die Squeeze-Methode können wirksame Alternativen sein. Zumindest dürfte es nicht schaden, diese Mittel erst einmal auszuprobieren, ehe man sich für eine medikamentöse Behandlung entscheidet.