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Olympiaheld im Interview

Matthias Steiner: »Das ist der wichtigste Hebel für gesundes Altern

Matthias Steiner im Interview mit FITBOOK-Chefredakteur Nuno Alves auf der OMR 2026 in Hamburg
Matthias Steiner im Interview mit FITBOOK-Chefredakteur Nuno Alves auf der OMR 2026 in Hamburg. Im Gespräch ging es unter anderem um die Faktoren, die für gesundes Altern entscheidend sind. Foto: Fredrik von Erichsen/BILD
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Nuno Alves
Chefredakteur

14. Mai 2026, 17:02 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten

Als Gewichtheber gewann Matthias Steiner trotz Typ-1-Diabetes bei Olympia und wurde Welt- sowie Europameister. Heute ist er Lebensmittelunternehmer und möchte Menschen dabei unterstützen, sich gesünder zu ernähren. Steiner beschäftigt sich zudem intensiv mit dem Thema Longevity. Als ich ihn auf der OMR auf der BILD-Stage fragte, was der wichtigste Hebel für gesundes Altern sei, nannte er nicht die Ernährung, sondern: Schlaf.

Den habe er total unterschätzt, gibt Steiner zu. „Ernährung ist natürlich wichtig“, sagte Steiner. Schlaf sei aber ein Thema, das extrem viel beeinflusse. „Das habe ich als Typ-1-Diabetiker gemerkt.“ Als Sportler habe er viel geschlafen, später jedoch, mit zwei Kindern und seiner Tätigkeit als Unternehmer, deutlich weniger. „Dann habe ich gemerkt: Wenn ich weniger als sechs Stunden schlafe, brauche ich mehr Insulin. Das merkt ein gesunder Mensch nicht.“ Menschen seien gereizter. Und: „Das Essverhalten wird anders, man greift schneller zu Süßem.“ Das sei auch wissenschaftlich belegt, erklärte er mir im Interview.

Wer wenig schläft, greift häufiger zu Kohlenhydraten

Tatsächlich zeigen Studien, dass Menschen mit zu wenig Schlaf stärker auf Essensreize reagieren, insbesondere in Hirnarealen, die mit Belohnung, Motivation und Selbstkontrolle in Verbindung stehen. Auch im Ernährungsverhalten zeigen Studien ähnliche Effekte: In einer Untersuchung griffen Jugendliche bei Schlafmangel häufiger zu kohlenhydratreichen Lebensmitteln, süßen Getränken und Speisen, die den Blutzucker rasch ansteigen lassen, vor allem spät am Abend.1,2

Ich kann das bestätigen. Seit 2018 ernähre ich mich zwar zuckerfrei und verzichte konsequent auf Süßigkeiten. Dennoch zeigt sich: Nach kurzen oder schlechten Nächten habe ich nicht nur mehr Appetit, sondern verspüre hauptsächlich ein starkes Verlangen nach kohlenhydratreichen Lebensmitteln. Und, ich gebe es zu, es fällt mir dann deutlich schwerer, mich zu beherrschen.

Interessant ist auch, welchen Einfluss Schlaf auf meinen Blutzuckerspiegel hat. Als ich vor einiger Zeit über mehrere Wochen einen kontinuierlichen Glukosemonitor trug, zeigte sich ein klares Muster: An Tagen nach kurzen Nächten glich die Kurve einem Zickzackkurs. Es wirkte, als reagiere mein Körper deutlich stärker auf Nahrung. Das passt zu dem, was auch Matthias Steiner über einen erhöhten Insulinbedarf berichtet: Nach kurzen Nächten verarbeitet der Körper Nahrung weniger effektiv. „Der Stoffwechsel wird schlechter“, sagt er.

Matthias Steiner über Schlaf: »Sieben, acht Stunden, um leistungsfähig zu sein

Für Matthias Steiner ist Schlaf daher ein „Gamechanger“. Wenn es nur einmal vorkomme, dass er fünf Stunden schlafe, sei das zwar möglich, sagte er mir. „Aber in der zweiten Nacht brauche ich wieder meine sieben bis acht Stunden, um leistungsfähig zu sein.“ Das entspricht genau der Schlafdauer, die in Studien mit gesundem Altern bzw. dem geringsten Sterberisiko in Verbindung gebracht wird.3,4,5

Um seinen Schlaf nicht zu beeinträchtigen, geht Steiner auch beim Alkoholkonsum zurückhaltend vor. „Ich schlafe tatsächlich schlecht auf Alkohol“, sagte Steiner. „Wir glauben immer, wir schlafen besser, aber ich bin dann eher wach.“ Mir geht es wie ihm, weswegen auch ich weitgehend darauf verzichte.

Auf die Frage, ob die oft chronisch übermüdeten Politiker mehr schlafen sollten, scherzte Steiner: „Sie verschlafen viel, aber sie sollten mehr schlafen.“

Wie wichtig Schlaf ist, thematisiere ich auch in meinem Buch „Highway to Health – In 7 Schritten zu einem gesunden langen Leben“, das am 4. Januar 2027 erscheint.

Quellen

  1. Duraccio, K. M., Whitacre, C., Krietsch, K. N., Zhang, N., Summer, S., Price, M., Saelens, B. E., & Beebe, D. W. (2022). Losing sleep by staying up late leads adolescents to consume more carbohydrates and a higher glycemic load. Sleep, 45(3), zsab269. https://doi.org/10.1093/sleep/zsab269 ↩︎
  2. St-Onge, M. P., McReynolds, A., Trivedi, Z. B., Roberts, A. L., Sy, M., & Hirsch, J. (2012). Sleep restriction leads to increased activation of brain regions sensitive to food stimuli. The American journal of clinical nutrition, 95(4), 818–824. https://doi.org/10.3945/ajcn.111.027383 ↩︎
  3. Ungvari, Z., Fekete, M., Varga, P., Fekete, J. T., Lehoczki, A., Buda, A., Szappanos, Á., Purebl, G., Ungvari, A., & Győrffy, B. (2025). Imbalanced sleep increases mortality risk by 14-34%: a meta-analysis. GeroScience, 47(3), 4545–4566. https://doi.org/10.1007/s11357-025-01592-y ↩︎
  4. Cappuccio, F. P., D'Elia, L., Strazzullo, P., & Miller, M. A. (2010). Sleep duration and all-cause mortali-ty: a systematic review and meta-analysis of prospective studies. Sleep, 33(5), 585–592. https://doi.org/10.1093/sleep/33.5.585 ↩︎
  5. Wang, C., Bangdiwala, S. I., Rangarajan, S., Lear, S. A., AlHabib, K. F., Mohan, V., Teo, K., Poirier, P., Tse, L. A., Liu, Z., Rosengren, A., Kumar, R., Lopez-Jaramillo, P., Yusoff, K., Monsef, N., Krishnapillai, V., Ismail, N., Seron, P., Dans, A. L., Kruger, L., … Yusuf, S. (2019). Association of estimated sleep duration and naps with mortality and cardiovascular events: a study of 116 632 people from 21 countries. European heart journal, 40(20), 1620–1629. https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehy695 ↩︎

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