6. Oktober 2025, 15:32 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Im letzten Urlaub hat sich FITBOOK-Redakteurin Anna Echtermeyer zufällig ein tägliches Ritual geschaffen: jeden Abend, oft nach dem Sport, drei Stunden Sauna. Warum sie es jederzeit wieder tun würde und wie es auf Muskeln und Geist gewirkt hat.
Ein Achtel vom Urlaub in der Saunahütte
Unser letzter Familienurlaub in den Bergen hatte eine entspannte Architektur: morgens Hasen füttern, mittags Wandern und anschließend Kaiserschmarrn und abends Saunahütte mit Badeteich, jeden Abend 18 bis 21 Uhr. Während mir der Schweiß aus den Poren rann, versank die Sonne hinter den gegenüberliegenden Bergen. Weil es in der Unterkunft kaum andere Gäste gab, denen abends der Sinn nach Sauna stand und unser kleiner Sohn in der Hütte immer irgendeine Beschäftigung fand, reservierte ich mir meinen Sauna-Slot von Tag zu Tag erneut, zwei Wochen lang. Erst aus Neugier, dann aus Gewohnheit und irgendwann aus Überzeugung. Ich habe nachgerechnet: Ein Achtel des Urlaubs habe ich in der Saunahütte verbracht – und insgesamt sieben Stunden in 90 bis 95 Grad heißer Luft.
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Ritual als effektive Regenerationsmaßnahme
Was zunächst nach einem Wellness-Experiment klang, entpuppte sich bald als äußerst effektive Regenerationsmaßnahme. Denn während ich an manchen Tagen meine Muskeln beim Wandern an ihre Grenzen führte, erlebte ich abends, wie der Wechsel von Hitze und Kälte meinem Körper guttat.
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Knieschmerz wie weggefegt
Wanderungen mit vielen Höhenmetern sind normalerweise für mich ein sicherer Garant für schwere Beine, schmerzende Knie und Muskelkater, der sich am Tag darauf in jede Stufe und jeden Schritt schleicht. Zu Beginn des Urlaubs machte ich einen dummen Trainingsfehler, mit meinen ans Flachland gewöhnten Beinen 700 Höhenmeter auf einem Forstweg herunterzurennen. Es stach danach so schmerzhaft hinter der Kniescheibe, dass ich dachte: Das war’s.
Da Kälte bekanntermaßen Entzündungsprozesse dämpft, stieg ich vor jedem ersten Saunagang bis über die Knie die Leiter in den Teich hinab. Kälte für zwei, drei Minuten, um Ruhe in die Knie zu bekommen. Ohne jetzt Wim-Hoff-Jünger-Stil Kälterituale zur neuen Religion zu erklären, muss ich anerkennen: Mein Knie hat sich in diesem Urlaub nicht mehr gemeldet.
Gefühl nach Abkühlung im Teich zu gut, um es auszulassen
Danach: drei Runden in der finnischen Sauna, dazwischen – Blutdruck ahoi – Ganzkörperabkühlen im Teich. Brutal, aber einzigartig belebend. Ich tue mich sonst schwer mit Kälte – doch das Gefühl im kalten Teich war zu gut, um es auszulassen. Auch mündete das starke Abkühlen im Teich darin, dass ich in der Sauna schneller und vollständiger schwitzte als sonst. In der Hitze hörte ich meinen Puls. Wurde er schnell, beendete ich den Saunagang, ganz ohne Sanduhr.
Der Fehler, den viele nach der Sauna machen
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Kein einziges Mal Muskelkater, keine schweren Beine nach dem Wandern
Als Ergebnis hatte ich in zwei Wochen kein einziges Mal Muskelkater. Nicht nach 500, nicht nach 100 und nicht nach 2000 Höhenmetern. Das klingt absurd, wenn man weiß, wie sich viele Höhenmeter in den Beinen normalerweise am nächsten Tag anfühlen. Aber so war es. Kein Ziehen am nächsten Morgen, kein lähmendes Brennen in den Oberschenkeln, keine Erschöpfungsschmerzen. Stattdessen fühlten sich meine Beine jeden Tag bereit an, als hätte jemand den Reset-Knopf gedrückt. Die Kälte direkt nach dem Training und die anschließende Hitze in der Sauna hoben meine Regeneration auf ein völlig neues Niveau.
Was ich neben dem Saunieren noch etablierte: Ich dehnte zusätzlich jeden Abend nach der Sauna und morgens vor dem Frühstück – etwas ausführlicher als sonst, der Urlaubsalltag ließ es zu – Oberschenkel, Gesäß, Waden. Seitdem mir mein Sportlehrer-Schwiegervater den Tipp gegeben hat, atme ich beim Dehnen immer aus, wenn ich in die Spannung gehe – Yoga-Praktizierenden werden das ebenfalls kennen.
Was ich davon in den Alltag mitnehme
Wo ich sonst mit müden, schweren Beinen gerechnet hätte, war da nur Frische. Ich brauchte keine Ruhetage zwischen Aktivitäten. Entspannte Muskeln, durchblutete, rosige Haut. Trainierte Gefäße durch das Wechselspiel zwischen Hitze und Kälte. Wussten Sie, dass Saunieren das Muskelwachstum erhöhen kann?
So konnte ich in den zwei Wochen auch mehr trainieren als sonst. Aber ich hab’s natürlich nicht nur wegen des Trainings-Boosts genossen: Auch meiner Seele tat die Saunahütte richtig gut. Das Tal wurde still, der Himmel legte Farben übereinander. Den Sonnenuntergang gab’s als schweißtreibende Zugabe. Durchatmen, genießen.
Was ich davon in den Alltag mitnehme (weil mich nicht jeden Abend eine vorgeheizte Saunahütte am Teich erwartet): Das Prinzip der Abkühlung von Kniegelenken und Beinmuskulatur unmittelbar nach dem Laufen. Kühlpacks aus dem Eisfach für ein paar Minuten auf die Knie, Oberschenkelvorder- und -rückseite. Oder in der Dusche: kaltes Wasser über Beine und Knie laufen lassen. Danach die warme Jogginghose an und leicht dehnen. Eine kleine Erinnerung daran, dass effektive Regeneration nichts kosten muss!
Übrigens: Bei uns zu Hause mufft seit Jahren ungenutzt eine Sauna vor sich hin. Ich sollte sie wiederbeleben.