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NACHGEFRAGT BEIM FITNESSPROF

Wie wichtig ist der Rest Day für die Leistungssteigerung?

Rest Day: Mann entspannt sich
Wer täglich trainiert, muss sich nicht nur Sorgen um seine Energiereserven und seine Leistungsfähigkeit machen – insgesamt kann der Körper unter der Dauerbelastung leiden
Foto: Getty Images

Fitnesssüchtige pfeifen auf ihn, unser Fitnessprof, Prof. Dr. Stephan Geisler, erklärt seinen Nutzen – vor allem im Hinblick auf Superkompensation.

„Rest-was? Gibt es bei uns nicht. Wir ballern 365 Tage!“ So oder so ähnlich hört es sich an, wenn man an „Sportsüchtige“ gerät und über den Rest Day spricht. Tatsächlich gibt mehr solcher Menschen, als man denkt. Und auch wenn man sagen muss, dass „Sportsucht“ mit Sicherheit die gesündeste aller Süchte ist, so gibt es doch ein paar Tücken, über die wir mal sprechen sollten.

1. Tücke: Superkompensation

Im fitnesswissenschaftlichen Kontext bezieht man diese Begrifflichkeit auf die Tatsache, dass man beim Training Energie umsetzt und diese später wieder ausgeglichen und für eine bestimmte Zeit sogar etwas mehr als ausgeglichen wird (das „Super-“ in Superkompensation!). Diese „Über-Wiederauffüllung“ der Speicher bedeutet, dass für ein gewisses Zeitfenster dem Körper also mehr Energie zur Verfügung steht als vor der ursprünglichen Trainingseinheit. Der optimale Zeitpunkt für die nächste Trainingseinheit wäre also dieser „Peak“.

 

Grafik zur Superkompensation

Erneute Trainingsreize nach der optimalen Erholungszeit führen zu langfristiger Leistungssteigerung
Foto: Grafik: Prof. Dr. Stephan Geisler

Warum ein Tag Pause (vor allem nach einer harten Einheit) sinnvoll ist, dürfte damit jedem einleuchten.

Allerdings „tricksen“ viele ihren Körper aus, indem sie ihr Training splitten. Also zum Beispiel an einem Tag nur die Beine trainieren und am nächsten Tag nur den Oberkörper. Somit könnte man (theoretisch) jeden Tag trainieren und trotzdem den jeweiligen Muskeln immer wieder eine Pause gönnen.

So weit, so gut. Allerdings vergessen viele, dass nicht nur der Körper, sondern auch unser „Geist“ eine wichtige Rolle spielt. Will sagen, auch unser Kopf braucht mal eine Pause und Zeit sich zu regenerieren. Wer tatsächlich jeden Tag Sport macht, läuft Gefahr, auf Dauer auszubrennen.

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2. Tücke: Überlastungsschäden

Wer täglich trainiert, muss sich nicht nur Sorgen um seine Energiereserven und seine Leistungsfähigkeit machen, er sollte auch seine Gelenke und Knorpel im Auge haben. Unser Gelenkknorpel hat nämlich leider nicht die Eigenschaft (wie z. B. unsere Muskeln oder Knochen), sich wieder adäquat zu regenerieren. Wer also im Übermaß seine Gelenke belastet, läuft Gefahr, vorzeitig den Knorpel abzunutzen (Stichwort: Degeneration). Und was einmal weg ist, ist weg.

Gehen Sie also besser achtsam mit Ihrem Körper um, denn auch wenn Sie manchmal denken, dass er eine Maschine ist, ist er doch durchaus verletzlich und will ab und zu einfach mal einen Rest Day haben!

Zur Person: Prof. Dr. Stephan Geisler ist Professor für Fitness und Gesundheit an der IST-Hochschule in Düsseldorf und Dozent für Olympisches Gewichtheben an der Deutschen Sporthochschule Köln. Dort promovierte er auch im Bereich der molekularen Sportmedizin. Sein Schwerpunkt in Forschung und Lehre liegt im Krafttraining. Er bildet seit über 15 Jahren Studenten und Fitnesstrainer aus und ist Autor verschiedener internationaler Fachpublikationen. Auf seinem YouTube-Kanal Fitnessprofessor und bei Facebook gibt er Tipps und Tricks für Sportler und Trainer.