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Viral bei Tiktok

Hilft das Hype-Getränk Salat-Tee beim Einschlafen?

Römersalat
Der Sud aufgebrühter Salatblätter soll angeblich beim Einschlafen helfenFoto: Getty Images

Heißes Wasser über Salatblätter gießen, ziehen lassen und vor dem Zubettgehen trinken – dass dieses Gebräu beim Einschlafen helfen soll, macht auf dem Online-Netzwerk TikTok die Runde. Hype oder schlauer Schlaf-Hack? FITBOOK hat sich angeschaut, was die Wissenschaft über Nutzen und Wirkung von Salat-Tee weiß.

Klingt nicht gerade nach einem leckeren Schlummertrunk: Aufgebrühte Salatblätter, also ein Tee aus Salat, soll das Einschlafen erleichtern. Nicht nur das – TikTok- und Instagram-User berichten, von dem Gemüse-Gebräu regelrecht „ausgeknockt“ zu werden. Klingt nach einer wirkungsvollen, gesünderen und vor allem nahezu kostenlosen Alternative zu anderen Schlafmittelchen. Ist da etwas dran?

TikTok-User begeistert über die Wirkung von Salat-Tee

Tiktok Userin Shapla Hoque war eine der ersten, die mit der Salat-Tee-Idee als Einschlaf-Trick um die Ecke kam. In ihrem Video ist zu sehen, wie sie Salatblätter in einen Becher stopft, mit heißem Wasser übergießt und anschließend, ergänzt um einen Beutel Pfefferminztee, einige Minuten ruhen lässt. Anschließend entfernt sie die Blätter und trinkt den Salat-Tee – um wenig später völlig schläfrig in die Kamera zu blinzeln. Der viel geklickte Clip überzeugt. Der Hashtag #lettucewater geht seitdem viral und auch andere User berichten begeistert von der angeblichen Wirkung.

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In Salat enthaltender Wirkstoff Lactucarium wirkt tatsächlich einschläfernd

Ganz abwegig ist der Salat-Hack nicht. In vielen Salatsorten – besonders in Römersalat und Wildsalat (Lattich) – ist ein Wirkstoff namens Lactucarium enthalten. Diese Substanz wird aufgrund ihrer beruhigenden und schmerzstillenden Wirkung auch als „Salatopium“ bezeichnet. Die alten Ägypter nutzen Lactucarium bereits als Medizin. Da es nicht süchtig macht, galt der Wirkstoff im 19. Jahrhundert als heißer Kandidat für Opium-Ersatz, setzte sich aber nicht durch: Lactucarium wirkt zwar offenbar krampflösend und entspannend, ist aber in größeren Mengen giftig, wie eine Untersuchung aus dem Jahr 2009 zeigte.1 Wie groß der therapeutische Nutzen bestimmter Dosen beim Menschen wirklich ist, gilt als nach wie vor als ungeklärt.

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Mäuse, die ein Extrakt aus Römersalat bekamen, schliefen länger

Obwohl Salatsamen oder Salat-Extrakte in der traditionellen Medizin seit Jahrtausenden Anwendung finden, fällt die wissenschaftliche Studienlage bislang eher mager aus. Allerdings zeigte eine 2019 durchgeführte Studie an Mäusen, dass diese nach Verabreichung eines Extraktes aus Römersalat länger und friedlicher schlummerten.2 Doch muss auch hier einschränkend gesagt werden: Die Mäuse schliefen nicht schneller ein, sondern die Schlafdauer erhöhte sich. Außerdem bekamen sie die Substanz in konzentrierter Form vorgesetzt. Immerhin zeigte sich bei einer weiteren Studie, dass ein aus Römersalat-Samen gewonnenes Extrakt die Einschlafzeit offenbar verkürzt.3 Lactucarium scheint tatsächlich ein vielversprechender Wirkstoff zu sein. Allerdings ist die Lactucarium-Forschung – trotz überlieferter Bedeutung aus der Heilkunde – immer noch nicht so richtig dahinter gekommen, wie und wofür sich der Wirkstoff genau nutzen lässt.

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Hilft Salat-Tee beim Einschlafen oder greift nur der Placebo-Effekt?

Hilft also Salat-Tee beim Einschlafen – oder geht es in den Online-Netzwerken nur darum, Klicks einzusammeln? Tatsächlich ist die Menge an Lactucarium, die vom Salatblatt ins heiße Wasser übergeht eher homöopathischer Natur. Logisch, sonst wurde einem jeder größere Salatteller direkt ins Delirium schicken. Dem ist zum Glück nicht so und daher dürfte hinter der viel gefeierten Wirkung eher der berühmte Placebo-Effekt stehen. Dieser ist allerdings nicht zu unterschätzen, denn Einschlafprobleme sind tatsächlich oft Kopfsache. Der Salat-Tee selbst ist harmlos und richtet keinen Schaden an. Wem er also hilft oder gar schmeckt, kann sich den heißen Gemüseschluck gerne zum Abendritual machen.

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