25. August 2025, 10:51 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten
Am 15. September findet die Longevity Lounge von FITBOOK statt, präsentiert von Lambertz. In einem Panel diskutieren Experten aus Wissenschaft, Medizin und Lifestyle, wie gesundes Altern gelingen kann. Auch Schauspielerin, Sängerin und Balletttänzerin Eveline Hall (79), bei der Bewegung und Disziplin zur Lebenskonstante geworden sind, wird dort ihre Perspektive auf das Thema teilen. Warum für sie Natürlichkeit der schönste Weg des Alterns ist, hat sie FITBOOK vorab verraten.
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»Nie in typische Altersstufe hineingerutscht
FITBOOK: Wie hat sich Ihr Verhältnis zu Körper und Bewegung im Laufe der Jahrzehnte verändert – und was machen Sie heute mit 79 Jahren bewusst anders als früher?
Eveline Hall: „Ich habe mein Leben lang trainiert – und nie damit aufgehört. Schon in den USA habe ich mit zehn Kilo schweren Dumbbells gearbeitet, die ich heute noch benutze. Ich hatte das Glück, früh Menschen zu treffen, die mir zeigten, wie man richtig trainiert. Und durch mein Wissen aus Anatomie und Orthopädie konnte ich überall, wo ich war, weitermachen. Mein Körper hat sich daran gewöhnt. Er verlangt regelrecht danach. Ich bin nie in diese typische Altersstufe hineingerutscht. Was sich verändert hat: Heute muss ich doppelt so viel tun wie früher. Das Elastische, das Resiliente – das ist nicht mehr da. Aber ich mache weiter.“
„Sobald ich nachlasse, geht alles verloren“
Gibt es tägliche Routinen oder Rituale, die für Ihre körperliche und geistige Vitalität sorgen?
„Ja, und ich kann Ihnen sagen: Ich bin mein eigener Sklave. Mit der Minute, in der ich etwas auf morgen verschiebe, geht es los. Dann sagt man: ‚Ach, übermorgen. Oder: Sonntag reicht auch.’ Und irgendwann ist die Routine verloren. Ich habe einen großen Fernseher und lasse französische und englische Programme laufen – jeweils vier Stunden täglich. Währenddessen trainiere ich. Ich kombiniere das. Wenn Sie mich fotografieren würden, würden Sie sehen, wie ich vor dem Fernseher stehe, trainiere und gleichzeitig meine Sprachroutine mache. Ich spare Zeit, ich bleibe im Flow. Ich mache das jeden Tag. Denn sobald ich nachlasse, geht alles verloren. Ich bin mein eigener Sklave – aber das hält mich jung.“
Am 15. September findet in Berlin die Longevity Lounge von FITBOOK statt, präsentiert von Lambertz. Dort gibt es spannende Experten-Talks über aktuelle Entwicklungen im Bereich Longevity. Unter anderem wird Stilikone Eveline Hall, die auch mit 79 Jahren auf der Bühne steht und eine unfassbare Energie ausstrahlt, ihre Perspektive auf das Thema teilen. Moderiert wird das Event von Nina Ruge.
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Was Eveline Hall Jüngeren mitgeben möchte: „Entwickelt euren eigenen Schönheitsbegriff!“
Viele Frauen sehen das Älterwerden mit Sorge – was bedeutet für Sie ‚Altern in Schönheit’?
„Also wissen Sie, ich bin ein Verfechter gegen diese ganze Sch****! Ich habe nie etwas machen lassen – kein Botox, keine OP. Was ich jetzt sage, gilt nicht für Ältere. Die haben schon alles gemacht. Aber den Jüngeren kann ich nur mitgeben: Trainiert, lebt gesund und entwickelt euren eigenen Schönheitsbegriff – nicht den von Dr. Schnibbelbübbel. Man kann sich verändern, ja – aber jünger sieht man dadurch nicht aus. Ich sehe ganz genau, wie ein junger Mensch aussieht und wie ein älterer aussieht. Ich sehe das. Und ich sehe mich im Spiegel. Ich kann gut aussehen, ich kann sexy aussehen – aber jünger werde ich nicht. Mehr gibt’s dazu nicht zu sagen.“
„Diäten kommen für mich nicht infrage“
Wie ernähren Sie sich – gibt es bestimmte Lebensmittel oder Ernährungsprinzipien, auf die Sie schwören?
„Ich esse, wie ich es schon immer getan habe: viel frischen Knoblauch im Salat, Karotten, Tomaten. Den Salat bereite ich mir täglich selbst zu. Kaffee und Alkohol lasse ich weg – ich trinke nur Wasser und Tee, geraucht habe ich nie. Ich esse bis zum Abwinken! Fleisch, Soßen, Fisch – alles, worauf ich Lust habe. Diäten? Kommen für mich nicht infrage. Ich bin ein Gourmet. Mein Ex-Mann war Koch, ich habe mein ganzes Geld lieber für gutes Essen ausgegeben als für Klamotten. Und wenn ich hungere, sieht man das sofort im Gesicht. Ich bin zwar sehr schlank, ja – aber man sieht mir das nicht an, weil ich nicht verzichte. Ich sehe aus wie eine Tänzerin – wie ich immer ausgesehen habe. Und niemand sieht mir an, dass ich etwas weglasse.“
„Auch wenn ich 70 oder 80 bin – ich lasse mich nicht unterkriegen“
Welche Rolle spielt mentale Fitness für Ihre Arbeit als Tänzerin und Schauspielerin?
„Eine sehr große. Ich verbinde alles – Tanz, Schauspielerei und Stimme. Diese Verbindung hat mir immer geholfen. Meine Körpersprache erkennen Designer sofort. Hohe Schuhe trage ich, weil sie Haltung erzeugen. Turnschuhe? Für mich nur zum Sport. Heute sehe ich viele Frauen, bei denen man von hinten nicht mehr erkennt, ob sie männlich oder weiblich sind. Ich bewege mich bewusst – mit Spannung, mit Eleganz. Nicht wie jemand, der sich aufgibt. Tänzerische Elemente fließen in alles ein, was ich mache. Das ist meine Sprache.“
Wie gehen Sie mit körperlichen Grenzen um – oder sehen Sie diese überhaupt?
„Natürlich habe ich Schmerzen. Ich habe Arthrose – wie viele andere auch. Mein Orthopäde sagt immer: ‚Ich habe noch nie jemanden wie Sie gesehen.‘ Aber ich kämpfe. Jedes Mal, wenn ich etwas gemacht habe, geht es mir besser, als wenn ich nur aus dem Bett steige. Das ist der Punkt: Ich darf nie aufhören. Mit der Minute, in der du aufhörst, wartet die böse Hexe im Körper darauf, dir eins auszuwischen. Und dann geht nichts mehr. Du kannst dagegen nur ankämpfen, indem du sagst: Ich mache weiter. Auch wenn ich siebzig oder achtzig bin – ich lasse mich nicht unterkriegen.“
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„Schönheit ist Präsenz. Das kommt von innen.“
Was möchten Sie jüngeren Generationen über das Leben, Altern und Selbstvertrauen mitgeben?
„Sie werden das Altern nicht verhindern können. Das ist ein Irrtum. Der Kampf gegen die Jugend ist verloren. Aber Sie können Haltung zeigen. Sie können das Beste aus sich machen – nicht, indem Sie sich verwursteln oder sich in jemanden verwandeln, den Sie nicht mehr erkennen. Ich sage jungen Menschen: Fangt früh an. Übernehmt Verantwortung für euch. Schönheit ist kein Filter – Schönheit ist Präsenz. Und das kommt von innen.“
»Die Wechseljahre habe ich einfach nicht gemerkt
Wie haben Sie die Wechseljahre erlebt – haben Fitness, mentale Selbstfürsorge oder bewusste Ernährung dabei geholfen? Empfinden Sie die Lebensphase nach der Menopause vielleicht sogar als befreiend?
„Ich habe sie gar nicht erlebt. Wirklich nicht. Keine Hitzewallungen, kein Stimmungstief – nichts. Auch meine Mutter hatte das nicht. Vielleicht genetisch, vielleicht Glück. Vielleicht war es auch der Lebensstil. Ich habe es einfach nicht gemerkt. Und das ist auch mal schön, oder?“
Und Ihre Kleidung? Es heißt, Sie tragen noch heute die Stücke von vor Jahrzehnten.
„Ja! Ich ziehe noch heute alles an, was ich vor vierzig Jahren getragen habe. Alles, was Sie sehen, ist meins. Ich habe nie Sponsoring gehabt, keine Designer, die mir etwas geschenkt haben. Ich entwerfe, kaufe den Stoff und lasse diesen ändern. Ein Änderungsatelier macht mir meine alten Stücke passend. Ich brauche keinen Couturier – ich bin mein eigener.“