16. Februar 2026, 16:13 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Herz aus dem Takt? Arrhythmien bleiben oft lange unbemerkt, da sie nicht immer deutliche Symptome verursachen. Doch wer die Warnsignale kennt und seinen Ruhepuls versteht, kann Risiken frühzeitig deuten. Erfahren Sie hier alles über Formen, Ursachen und moderne Wege, wie das Herz seinen gesunden Rhythmus zurückgewinnt.
Das steckt hinter dem Begriff Arrhythmie
Arrhythmie klingt für viele Patienten bedrohlich, ist aber zunächst eine klinische Beschreibung. „Herzrhythmusstörung ist einfach nur ein Überbegriff für abweichende Herzschläge, die nicht dem normalen Takt entsprechen“, erklärte der Kardiologe Dr. med. Christopher Schneeweis bereits bei FITBOOK. Während einer Herzrhythmusstörung kommt es zu einem unregelmäßigen Verlauf des Herzschlags. Eine Arrhythmie wird in vielen Fällen auch als Herzstolpern oder Herzrasen wahrgenommen. In manchen Fällen wird sogar eine deutliche, kurze Pause des monotonen Herzschlags wahrgenommen.
Wie funktioniert der Herzschlag?
Für den elektrischen Impuls, der für das Zusammenziehen des Herzmuskels zuständig ist, sorgt das Herz selbst. Die sogenannten Sinusknoten, die sich im oberen Bereich des rechten Herzvorhofs (Atrium)befinden, geben dabei den Takt vor. Diese Impulse gelangen von dort aus über die Wände der Vorhöfe zum sogenannten Atrioventrikularknoten (kurz: AV-Knoten), auch Vorhof-Kammer-Knoten genannt. Im Ruhezustand schlägt das Herz eines Erwachsenen normalerweise ungefähr 60 bis 80 Mal pro Minute. Bei Senioren kann der Ruhepuls leicht ansteigen (60 bis 90), Neugeborene und Kinder haben einen deutlich höheren Ruhepuls (120 bis 140 bzw. 100 bis 120).1
Der Ruhepuls kann, je nach Trainingsstand, extrem unterschiedlich sein. Sportler haben aufgrund des trainierten Herzens teilweise einen sehr niedrigen Ruhepuls, was völlig unproblematisch ist.
Kardiologe Dr. Schneeweis: „Herzrhythmusstörungen können prinzipiell auch geheilt werden“
Formen der Arrhythmie
Von einer Arrhythmie spricht man, wenn der Herzschlag unregelmäßig ist – unabhängig davon, ob er zu schnell, zu langsam oder normal schnell ist. Arrhythmien lassen sich je nach Herkunft unterscheiden. Sie können im Bereich des Vorhofs des Herzens auftreten (supraventrikuläre Arrhythmie) oder im Bereich der Herzkammer (ventrikuläre Arrhythmie).
Symptome
Die Symptome einer Arrhythmie sind so vielfältig wie ihre Ursachen. Während einige Betroffene gar keine Beschwerden verspüren, nehmen andere jede kleinste Abweichung als belastend wahr. Grundsätzlich lassen sich die Symptome nach der Art der Rhythmusstörung unterteilen:
Anzeichen eines zu langsam schlagenden Herzens (Bradykardie)
Klare Symptome sind in diesem Fall anfangs selten, weil entsprechende Signalausfälle am Sinusknoten (dem natürlichen Taktgeber) vom Körper oft über Ersatzrhythmen kompensiert werden. Bei einem zu langsamen Herzschlag pumpt der Herzmuskel im Regelfall noch normal, aber eben mit zu wenigen Schlägen in der Minute. Das kann dann zu einer Minderversorgung des Gehirns mit Sauerstoff führen.
Typische Anzeichen einer Bradykardie:
- Chronische Müdigkeit
- allgemeine Abgeschlagenheit
- Schwindelgefühle
- und eine verminderte körperliche Belastbarkeit.2
Anzeichen eines zu schnell schlagenden Herzens (Tachykardie)
Schlägt das Herz in Ruhe dauerhaft mit mehr als 100 Schlägen pro Minute, spricht man von einer Tachykardie. Betroffene beschreiben dies oft als beängstigend, da der Körper sich wie unter Hochspannung anfühlt, ohne dass eine körperliche Anstrengung vorliegt.3
Typische Anzeichen einer Tachykardie:
- Herzrasen
- starkes Herzklopfen oder -pochen bis in den Hals hinauf
- Kurzatmigkeit
- sowie innere Unruhe und Angstzustände.4
Extrasystolen & Unregelmäßigkeit: Das klassische Herzstolpern
Oft werden Arrhythmien als unregelmäßiger Verlauf wahrgenommen. Dies kann sich durch zusätzliche Schläge (Extrasystolen) oder kurze Aussetzer äußern.
Typische Anzeichen:
- Das Gefühl, dass das Herz „stolpert“
- kurze, monotone Pausen im Herzschlag
- oder ein unregelmäßiger Puls (typisch für Vorhofflimmern)
Die gefährlichsten Warnsignale: Wann sofortiges Handeln nötig ist
Besonders ernst zu nehmen sind Symptome, die über ein kurzes Stolpern hinausgehen. Wie der Experte Dr. med. Christopher Schneeweis auch bereits bestätigte: „Besonders alarmierend ist eine Synkope – ein plötzlicher Bewusstseinsverlust, der auf eine ernste Störung hindeuten kann“. Solche Ohnmachtsanfälle müssen umgehend kardiologisch abgeklärt werden.5
Mögliche äußere Ursachen
Herzrhythmusstörungen können viele Auslöser haben. Dazu zählen:
- Nikotin
- Nervosität, Aufregung und Angst
- Drogen
- Medikamente
- Vergiftungen
- hoher Blutverlust
- Reizung des Karotissinus (Rezeptor an der Hauptschlagader am Hals bspw. durch eine plötzliche Drehbewegung des Kopfes)
Koffein hat laut aktueller Studienlage nur Arrhythmiepotential, wenn jemand sehr Koffeinsensitiv ist. Sonst eher nicht.
Organische Ursachen
Neben äußeren Einflüssen sind häufig organische Veränderungen oder bestehende Erkrankungen für die Entstehung von Arrhythmien verantwortlich. Häufig sind es chronische Leiden – sogenannte Volkskrankheiten –, die das elektrische System des Herzens schleichend schädigen. Besonders Bluthochdruck und Diabetes mellitus verändern langfristig die Herzstruktur und erhöhen das Risiko für Vorhofflimmern massiv.6 Durch den dauerhaft erhöhten Druck oder Stoffwechselveränderungen kommt es zu Umbauprozessen im Herzmuskelgewebe, welche die normale Reizleitung stören.
Weitere organische Ursachen
- Koronare Herzkrankheit (KHK): Verengte Herzkranzgefäße führen zu Durchblutungsstörungen des Herzmuskels.
- Herzklappenfehler: Diese sorgen für eine mechanische Überbelastung der Herzhöhlen.
- Herzmuskelentzündung (Myokarditis): Oft die Folge eines verschleppten Infekts.
- Schilddrüsenerkrankungen: Insbesondere eine Überfunktion wirkt wie ein „Beschleuniger“ für den Herzrhythmus.
- Elektrolytmangel: Ein Ungleichgewicht von Kalium oder Magnesium kann die elektrische Stabilität der Herzreizung direkt beeinflussen.7
Wie man merkt, dass man Vorhofflimmern hat
Kardiologe Dr. Schneeweis: „Herzrhythmusstörungen können prinzipiell auch geheilt werden“
Diagnose
Ob eine Arrhythmie harmlos ist oder eine ernsthafte Gefahr darstellt, lässt sich nur durch eine strukturierte medizinische Untersuchung klären. Der erste Schritt ist das Patientengespräch (Anamnese), in dem der Arzt Vorerkrankungen und Begleiterscheinungen erfragt, gefolgt von einer körperlichen Untersuchung mit Blutdruckmessung und dem Abhören der Herztöne.
Den entscheidenden Aufschluss gibt jedoch die Elektrokardiografie (EKG). Je nach Häufigkeit der Beschwerden kommen verschiedene Verfahren zum Einsatz:
- Ruhe-EKG: Eine Momentaufnahme des Herzrhythmus
- Langzeit-EKG (24 bis 72 Stunden) um Rhythmusstörungen zu erfassen, die nur sporadisch auftreten
- Belastungs-EKG zur Prüfung, ob die Arrhythmien unter körperlicher Anstrengung provoziert werden
- Echokardiografie (Herzultraschall), um strukturelle Herzschäden oder Klappenfehler als Ursache auszuschließen
Therapie
Die Therapiestrategie richtet sich strikt nach der zugrunde liegenden Ursache und dem Risiko für den Patienten. Häufig kommen Medikamente (Antiarrhythmika) zum Einsatz, die den Puls stabilisieren oder senken. Reicht dies nicht aus, bietet die moderne Kardiologie interventionelle Lösungen: Während bei einem zu langsamen Takt ein Herzschrittmacher hilft, schützt bei lebensbedrohlichen Kammerarrhythmien ein implantierbarer Defibrillator (ICD) vor dem plötzlichen Herztod.8
Teilweise kann aber auch eine Ablationsbehandlungen (Verödung) durchgeführt werden. Dies v.a. bei der häufigsten Herzrhythmusstörung, dem sogenannten Vorhofflimmern – aber auch teilweise bei ventrikulären Herzrhythmusstörungen.