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Kognition leidet

Wie sich Übergewicht bei Kindern langfristig auf das Gehirn auswirkt

kinder übergewicht gehirn: Junge kneift sich in die Seite
Eine Studie liefert neue Erkenntnisse, warum Eltern auf eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung bei ihren Kindern achten solltenFoto: Getty Images

Übergewicht bei Kindern nimmt laut Statistik immer mehr zu. Neue Forschungsergebnisse einer Langzeit-Studie belegen nun: Fettleibigkeit und schlechte körperliche Fitness in der Jugend können langfristige Folgen für die Gesundheit haben – genauer: fürs Gehirn.

Laut dem Robert Koch-Institut ist etwa jedes sechste Kind in Deutschland übergewichtig oder adipös. Unter den 11- bis 13-Jährigen ist es sogar jedes Fünfte.1 Ein zu viel an Kilos in Kindheit und Jugend kann allerdings bis ins Erwachsenenalter negative Folgen für die Gesundheit haben. So zeigt eine Studie aus Australien nun, dass Übergewicht bei Kindern sich noch Jahre späte auf das Gehirn auswirkt. Mit anderen Worten: Das Risiko eines Rückgangs kognitiver Fähigkeiten im mittleren Alter und damit auch die Wahrscheinlichkeit, später an Demenz zu erkranken, steigt.

Zusammenhang zwischen Fitness, Fettleibigkeit und kognitiver Leistung

Bei der Studie handelt es sich um die erste bedeutende Untersuchung, die Zusammenhänge zwischen objektiv gemessener Fitness, Fettleibigkeit in der Kindheit und der kognitiven Leistungsfähigkeit im mittleren Alter herstellt. Dafür wurden mehr als 1200 Personen über 30 Jahre lang beobachtet.

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Folgen von Übergewicht für die Denkleistung

Kognitiver Verfall ist eine Angelegenheit, die Menschen eigentlich erst im Alter beschäftigt. Wer hat in der Jugend schon Angst davor, mit 60 an Demenz zu erkranken? Umso mehr sollten nun aber die Eltern aufhorchen: Leidet der Sprössling nämlich schon in seiner Jugend an Übergewicht, kann das nicht nur für verschiedene Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Gelenkprobleme oder Depressionen sorgen, sondern auch für Ernst zu nehmende langfristige Folgen. Forscher aus Melbourne in Australien veröffentlichten im „Journal of Science and Medicine in Sport“ nun die Ergebnisse einer Langzeit-Studie, der zufolge übergewichtige und fitnessschwache Kinder auch im späteren Leben schlechtere kognitive Leistungen in der Gesundheit erzielten.2

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Studie lief mehr als 30 Jahre

Die Langzeit-Studie startete bereits im Jahr 1985. Dabei wurden 1244 australische Kindern zwischen sieben und 15 Jahren durch Kraft- und Ausdauertests auf ihre Fitness hin untersucht. Auch das Verhältnis von Taille zu Hüfte wurde gemessen. Zwischen 2017 und 2019 wurden die Teilnehmer:innen (nun zwischen 39 und 50 Jahren) erneut beobachtet und einer Reihe von Computeraufgaben, die die Gehirnleistung forderten, unterzogen.

Diejenigen mit dem höchsten Niveau an muskulärer und kardiorespiratorischer Fitness und einem niedrigeren durchschnittlichen Verhältnis von Taille zu Hüfte in der Kindheit hatten auch eine bessere Verarbeitungsgeschwindigkeit und höhere Aufmerksamkeit. Die Kardiorespiratorische Fitness bezeichnet dabei die Fähigkeit des Körpers, Muskeln und Herz bei körperlicher Aktivität mit Sauerstoff zu versorgen. Die damals fitteren Probanden besaßen später im mittleren Alter außerdem auch eine bessere globale kognitive Funktion. Das bedeutet, auch ihre allgemeine Fähigkeit, alltägliche Aktivitäten und Aufgaben zu meistern, ist besser ausgeprägt.

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Frühes Übergewicht und spätere schlechtere kognitiver Gesundheit

Sportliche Kinder mit viel Muskelkraft, kardiorespiratorischer Fitness und Ausdauer haben im späteren Leben also eine bessere kognitive Gesundheit. Doch bedeutet das automatisch, dass die weniger sportlichen Teilnehmer:innen im Umkehrschluss eine schlechtere Kognition besitzen?


In diesem Fall ja: Denn jene Probanden mit schlechteren Fitness-Ergebnissen besaßen im Vergleich zu den Personen mit dem höchsten Fitnessniveau und dem niedrigsten Verhältnis von Taille zu Hüfte später auch eine schlechtere Psychomotorik und geringere globale Kognition. Eine Verschlechterung könne dabei bereits im mittleren Lebensalter beginnen, so Hauptautorin der Studie Michele Callisaya von der Monash University in Australien in einer Universitätsmitteilung.3 Eine geringere Leistung wurde aber nicht nur mit kognitiven Beeinträchtigungen im mittleren Alter, sondern auch Demenz im späteren Alter in Verbindung gebracht.

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Prävention von zu viel an Kilos bei Kindern

„Wichtig ist, dass die Studie auch zeigt, dass Schutzstrategien gegen einen zukünftigen kognitiven Verfall möglicherweise schon in der frühen Kindheit beginnen müssen, damit das Gehirn genügend Reserven gegen Erkrankungen wie Demenz im Alter entwickeln kann“, so Callisaya. Das bedeutet, dass man Übergewicht im Kindesalter noch ernster nehmen sollte, als es ohnehin schon ratsam wäre. Wer als Elternteil frühzeitig Strategien gegen Fettleibigkeit und geringe Fitness entwickelt, kann viel für die Zukunft seines Kindes tun und einen großen Teil zur Verbesserung der kognitiven Leistung im mittleren und späten Lebensalter beitragen. Frühzeitige Aktivität, sportliche Betätigung und gute Fitness sorgen für einen gesunden Stoffwechsel – und dieser kann wiederum das Risiko vor Demenz im höheren Alter reduzieren.

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Die Rolle von Demenz in der Zukunft

Die Zahl der Demenzfälle wird sich bis 2050 weltweit auf über 150 Millionen verdreifachen. Das prophezeit eine Studie aus dem Jahr 2019.4 Das hängt zwar in erster Linie mit der Alterung der Bevölkerung zusammen. Gleichzeitig ist es jedoch ein Problem, dem auch ungesunde Lebensstilfaktoren zugrunde liegen. Aufgrund des technischen Fortschritts wird sich nicht mehr ausreichend im Alltag bewegt und das Selbst-Denken wird einem zum Großteil abgenommen. Aber auch Rauchen, Fettleibigkeit und ein chronischer hoher Blutzuckerspiegel begünstigen Demenz, Alzheimer & Co. Sportliche Aktivität, der Verzehr von viel fettem Fisch, Obst und Gemüse sowie die Reduzierung von fett- und zuckerhaltigen Lebensmitteln als auch Alkohol können das Risiko reduzieren.

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