Bild.de Hier geht es zurück zu Bild.de
Gesundheitspartner
von FITBOOK

Forschung aus Australien

Tötet ein Krätzemittel das Coronavirus innerhalb von 48 Stunden?

Frau kratzt sich am Hals
Ein Mittel, das eigentlich bei parasitären Hautkrankheit verabreicht wird, könnte auch gegen Infektionen mit dem Coronavirus wirksam sein Foto: Getty Images

Ivermectin wird gegen verschiedene parasitäre Erkrankungen eingesetzt, beispielsweise bei Infektionen mit Fadenwürmern und Krätzmilben. Der Stoff zeigt außerdem Wirkung bei verschiedenen Viren, wie Forscher bereits in der Vergangenheit herausgefunden haben – und offenbar auch beim Coronavirus. Wissenschaftler aus Melbourne haben mit dem Krätzemittel und Sars-CoV-2-Zellkulturen experimentiert und dabei optimistisch stimmende Erkenntnisse gewonnen.

Auf der Suche nach einem Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus tut die Forschung gut darin, Mittel auszuprobieren, die in der medizinischen Praxis bereits Anwendung finden. Denn: Gänzlich neue Arzneien müssen, bevor sie zugelassen werden können, zunächst zahlreiche Tests durchlaufen – und das kostet Zeit. Am Massachusetts Institute of Technology (MIT) setzt man daher etwa Hoffnung auf die Einsatzfähigkeit von gerinnungshemmenden Medikamenten zur begleitenden Behandlung einer Covid-19-Lungenentzündung.

Forscher der Monash University im australischen Melbourne haben es nun mit Ivermectin versucht. Es handelt sich dabei um ein gängiges Arzneimittel zur Behandlung von bspw. Infektionen mit der Krätzmilbe, auf das jedoch auch verschiedene Viren (z.B. HIV, das Dengue- und Zika-Virus) reagieren sollen. Und offenbar erfüllt das Krätzemittel auch beim neuartigen Coronavirus den gewünschten Zweck. Das ist in der Studiendokumentation in der wissenschaftlichen Online-Datenbank „Science Direct“ nachzulesen.

Auch interessant: Was unterscheidet die Corona-Pandemie von der Grippewelle 2017/18?

Krätzemittel tötet Erbgut von Coronavirus

„Wir haben herausgefunden, dass eine einzige Dosis genügt, um die gesamte virale RNA innerhalb von 48 Stunden zu beseitigen.“ Und bereits früher, nach nur 24 Stunden, soll sich die RNA des Virus signifikant reduziert haben. Das erklärt Studienleiterin Dr. Kylie Wagstaff in einer Pressemitteilung der Uni. RNA steht dabei für das aus Ribonukleinsäure bestehende Erbmaterial von Sars-CoV-2 (und anderen sogenannten RNA-Viren).

Forscherin untersucht das Coronavirus unterm Mikroskop
Nach 48 Stunden soll Ivermectin Coronavirus-Zellen in vitro gänzlich zerstört haben. Das Krätzemittel könnte sich daher womöglich zur Covid-19-Behandlung eignen.Foto: Getty Images

Getestetes Medikament hat viele Vorteile

Ivermectin ist ein von der FDA (Lebens- und Arzneimittelbehörde der USA) zugelassenes und als sicher eingestuftes Medikament, wie Wagstaff erklärt. Und auch in Deutschland wird es häufig zur einmaligen Vergabe bei Krätze verschrieben – auch älteren Patienten, was seine gute Verträglichkeit unterstreicht. Dies bestätigt im Gespräch mit FITBOOK der Münchener Hautarzt Dr. med. Timm Golüke.

Auch interessant: „CovApp“ – Charité ermöglicht Corona-Vorabtest für Verdachtsfälle

Weiterführende Untersuchungen nötig

Es wäre wünschenswert, dass sich das bewährte, umfangreich verfügbare Mittel zur Behandlung von Covid-19-Erkrankungen eignet. Bisher jedoch beschränken sich die optimistisch stimmenden Untersuchungsergebnisse auf Versuche im Reagenzglas. Im nächsten Schritt gelte es daher laut Studienleiterin Wagstaff zu klären, ob die für Menschen verträgliche Dosis des Krätzemittels die gleiche Wirkung auf das Coronavirus hat, wie das Vorbild mit Zellkulturen hoffen lässt.

Themen