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Jüngere besonders gefährdet

Sterberisiko bleibt für Genesene nach schwerer Covid-Erkrankung ein Jahr lang erhöht

Sterberisiko nach Covid-Erkrankung: Patient wird auf Intensivstation beatmet
Wer aufgrund von Covid-19 im Krankenhaus versorgt werden muss, hat auch nach der Entlassung einen langen, steinigen Weg vor sichFoto: Getty Images

Mit dem Überstehen einer akuten Covid-Erkrankung ist es in vielen Fällen nicht getan. Genesene haben häufig einen langen und harten Weg vor sich. Jetzt fand eine Studie heraus, dass auch ihr Sterberisiko ein Jahr lang erhöht bleibt. Dabei spielt der Schwere des Krankheitsverlaufs eine Rolle, aber auch das Alter – und zwar auf überraschende Weise.

Anhaltende Erschöpfung, Atembeschwerden – die Symptome von Long Covid sind bekannt. Dabei sind längst noch nicht alle Langzeitfolgen bzw. Spätfolgen des Coronavirus hinreichend erforscht. Das liegt zum einen daran, dass sie sehr vielfältig zu sein scheinen. Zum anderen befinden wir uns noch mitten in der Pandemie und vieles noch offen. Die Forschung steht jedenfalls nicht still. Eine US-Studie hat nun Erschreckendes zutage gebracht. Offenbar bleibt das Sterberisiko nach einer schweren Covid-Erkrankung noch ein Jahr lang erhöht. Dabei scheinen Jüngere gefährdeter zu sein als Ältere.

Auswertung von Krankenakten

Für die Studie werteten Dr. Arch Manous und sein Team elektronische Krankenakten von Patienten aus, die während der ersten Corona-Welle 2020 an der University of Florida Health behandelt worden waren. Darunter 178 Personen, die mit einem schweren Covid-Verlauf stationär betreut worden waren. Weitere 246 Menschen erlebten eine milde Covid-Erkrankung und erhielten eine ambulante Behandlung. Zusätzlich zogen die Wissenschaftler Daten der Sozialversicherungen heran. Ihr Ziel: Todesfälle ausfindig machen.1

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Schwere der Covid-Erkrankung beeinflusst Sterberisiko bis 12 Monate später

Bei der Analyse zeigte sich, dass 93 Personen von den 178 schwer an Covid Erkrankten innerhalb der nächsten 365 Tage nach ihrer Entlassung verstorben waren. Das sind 52,2 Prozent. Bei den 246 Patienten mit leichtem Verlauf gab es 39 Todesfälle (15,9 Prozent). Sie hatten damit kein erhöhtes Sterberisiko. Denn die Wissenschaftler untersuchten auch eine Vergleichsgruppe. Sie bestand aus 13.214 Personen mit nachweislich negativen PCR-Tests. In dieser Gruppe betrug die Sterberate 19,3 Prozent.

Jüngere Menschen gefährdeter als ältere

Auch nach Bereinigung der Analyse um Faktoren wie Geschlecht, Alter und Vorerkrankungen bestätigte sich das Ergebnis. Die errechnete Sterberate (Hazard ratio) betrug bei den Menschen mit schwerer Covid-Erkrankung 2,5. Das bedeutet, dass sie 2,5 Mal wahrscheinlicher innerhalb des untersuchten Jahres gestorben waren, als Personen, die Corona nicht bekommen hatten. Interessant ist auch der Blick aufs Alter. Denn Jüngere wiesen ein höheres Sterberisiko auf als Ältere. Während die Sterberate bei Senioren (über 65 Jahre) bei 2,17 lag, lag sie bei unter 65-Jährigen bei 3,33.

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Todesursachen

Überraschend war auch der Blick auf die Ursachen für die Todesfälle. So waren nur 20,5 Prozent auf Atemwegs- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückzuführen. Also mögliche spätere Komplikationen einer überstandenen Covid-Erkrankung. Ein Patient starb an einer Thrombose.

Studie bestätigt weitreichende Folgen von Covid-19

Die Studie aus Florida untermauert erneut die Gefahr des Coronavirus. Die Ergebnisse zeigen, wie ernst neben der akuten Krankheit auch die Nachwirkungen sein können. Auch gibt sie Warnsignale für jüngere Menschen, die zwar seltener schwere Verläufe haben, im Fall einer schweren Erkrankung anschließend aber offenbar sogar gefährdeter sind als Senioren.

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Einordnung der Untersuchung

Allerdings weist die Studie auch Einschränkungen auf. So bezog sie sich auf regionale Krankheitsdaten in Florida und lässt sich eventuell nicht auf die gesamte USA, geschweige denn die Welt, übertragen. Zudem gibt es keine Garantie, dass die Daten zur gesundheitlichen Historie der Untersuchten vollständig waren. Somit kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, dass alle Todesfälle und damit das erhöhte Sterberisiko wirklich rein auf die Covid-Erkrankung zurückzuführen sind. Sie gibt allerdings Hinweise darauf, dass womöglich auch schon bestehende Vorerkrankungen oder Risikofaktoren durch das Coronavirus verschlimmert werden könnten.

Quelle

  1. Mainous III AG, Rook BJ, Wu V et al. (2021). COVID-19 Post-acute Sequelae Among Adults: 12 Month Mortality Risk. Frontiers in Medicine.