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Datenspende-App

Analyse zeigt Effekt einer Covid-Erkrankung auf Ruhepuls, Aktivität und Schlaf

covid-erkrankung aktivität: Frau nutzt eine Fitness-App
Mehr als 12.000 Menschen haben in der Corona-Datenspende-App bereits ihre Daten zur Verfügung gestelltFoto: Getty Images

Fast zwei Jahre Pandemie liegen nun schon hinter uns. Während die Wissenschaft emsig zum Coronavirus forscht, Impfstoffe entwickelt und Maßnahmen empfiehlt, ist dennoch vieles weiter ungewiss. Zum Beispiel, was eine Erkrankung langfristig mit dem Körper macht. Eine Analyse der Corona-Datenspende-App des Robert-Koch-Instituts (RKI) liefert dazu spannende Hinweise.

Wer noch nicht von der App gehört hat: Nutzer können diese mit ihren Fitness- und Health-Trackern verbinden und so freiwillig ihre Vital- und Aktivitätsdaten „spenden“. Die App fragt zudem Angaben zur Gesundheit und im Falle einer Infektion, zum Krankheitsverlauf ab. Eine Auswertung dieser Daten ergab nun, dass eine Covid-Erkrankung sich auf die spätere Aktivität einer betroffenen Person auswirkt. Zudem zeigt sie Effekte auf den Ruhepuls und den Schlaf.

FITBOOK sprach mit Paul Burggraf, dem Gründer des Startups „Thryve“, das die Corona-Datenspende-App des RKI entwickelte. Er erklärt, inwiefern die Erhebung der Vital- und Aktivitätsdaten wichtig für das bessere Verständnis der Corona-Auswirkungen sind und welche Schlüsse sich aus ihnen ziehen lassen.

Was können Vital- und Aktivitätsdaten über die Gesundheit aussagen?

Indem man die Corona-Datenspende-App mit seinem individuellen Fitness- oder Health-Tracker verbindet, erhält die App regelmäßig wertvolle Daten. Diese „sind für verschiedene Indikationen interessant, da sie über Verhalten, Fitness, Aktivitätsniveau und Schlafverhalten einer Person aufklären“, erläutert Paul Burggraf im Gespräch mit FITBOOK die Bedeutung der erfassten bzw. gespendeten Daten, auch unabhängig von Corona. „Dabei sind häufig nicht die absoluten Werte interessant, sondern wie sich die Werte über Tage, Monate oder gar Jahre entwickeln. Fitnessarmbänder und Smartwatches sind dafür prädestiniert, da sie Daten jeden Tag passiv aufzeichnen. Die Daten ermöglichen damit neue Perspektiven auf die Gesundheit einer Person, die es in der klassischen Gesundheitsversorgung nicht gibt.“

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Daten zeigen die Effekte einer Covid-Erkrankung

Um die Folgen von Covid-19 besser zu verstehen, erfasst die Corona-Datenspende-App zusätzlich weitere wichtige Informationen – wie zum Beispiel Zeitpunkt und Ergebnis von PCR-Tests. Eine Auswertung aller Angaben hat nun gezeigt, dass sich Vitaldaten und Verhalten bzw. Aktivität durch eine Covid-Erkrankung verändern und diese Veränderungen auch nach der Genesung eine Weile andauern.1 Dafür ermittelten die verantwortlichen Experten die mittlere Änderung von Ruhepuls, Schrittzahl und Schlafdauer nach einem positiven PCR-Test im Vergleich zum Zeitraum vor der Ansteckung.

Ruhepuls

Datenspende-App: Ruhepuls
Veränderung des RuhepulsFoto: corona-datenspende.de

Personen, die eine Corona-Infektion erlitten hatten, hatten bereits kurz vor ihrem Testergebnis einen im Mittel um drei Schläge pro Minute erhöhten Ruhepuls. Danach normalisierte er sich kurz – eine Entwicklung, die auch in anderen Corona-Studien bereits entdeckt wurde.2 Dann stieg der Wert erneut und fiel schließlich über die Dauer von bis zu drei Monaten wieder auf das Normalniveau – laut den Experten ein bemerkenswert langer Zeitraum. Der Ruhepuls kann einiges über den Gesundheitszustand einer Person aussagen. Ein auf Dauer erhöhter Ruhepuls ist sehr anstrengend fürs Herz. Liegt er bspw. dauerhaft bei mehr als 70 Schlägen pro Minute, droht eine Mangeldurchblutung des Herzmuskels, was Herzinsuffizienz und Herzinfarkt begünstigt.

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Aktivität

Datenspende-App: Schritte pro Tag
Veränderung der AktivitätFoto: corona-datenspende.de

Auch die Aktivität wird durch eine Covid-Erkrankung beeinflusst. Das Aktivitätsniveau wurde anhand der Schritte pro Tag, die Personen machten, gemessen. Im Vorfeld eines positiven PCR-Tests begann die Schrittanzahl bereits deutlich zu sinken und verringerte sich um bis zu 3500 Schritte täglich. Dies bedeutet, dass sich Covid-Erkrankte nur noch halb so viel bewegten wie vor ihrer Infektion. Mehr noch: Diese Reduktion der Aktivität hielt im Durchschnitt auch noch bis zu einem Monat nach der Genesung an.

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Schlaf

Datenspende-App: Schlafdauer
Veränderungen der SchlafdauerFoto: corona-datenspende.de

Schließlich wirkt sich eine Covid-Erkrankung auch noch auf den Schlaf von Betroffenen aus, genauer: auf die Schlafdauer. Um den Zeitpunkt der Diagnose herum schliefen Patientinnen und Patienten laut den Machern der Corona-Datenspende-App durchschnittlich eine Stunde mehr. Auch dieser Wert normalisierte sich erst etwa einen Monat nach überstandener Krankheit.

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Was lässt sich daraus über die Langzeitfolgen von Corona schlussfolgern?

Die Analyse zeigt eindeutig, dass sich eine Covid-Erkrankung auf Aktivität, Ruhepuls und Schlaf auswirkt. Doch lassen sich daraus auch Schlussfolgerungen zu den Langzeitfolgen bzw. Long Covid ziehen? Diesbezüglich sei noch Vorsicht geboten, interessant seien aber die Erkenntnisse zum Ruhepuls, betont Burggraf: „Die Immunreaktion des Körpers auf das Virus führt zu einem deutlich messbaren Anstieg während der Infektion. Dieser Anstieg hält bei einigen erkrankten Personen noch einige Monate an und kehrt nur langsam auf das Ruhepulsniveau vor der Erkrankung zurück. Dieses Phänomen ist ein Indiz dafür, dass der Organismus einige Zeit braucht, um sich wieder von der Erkrankung zu erholen.“ Ob die Beobachtungen zum Ruhepuls, aber auch zu Aktivität und Schlaf, längerfristig gesundheitliche Auswirkungen für die Betroffenen haben, kann auf Basis der App-Daten aktuell noch nicht gesagt werden.

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Verhaltensänderungen durch Covid-Erkrankung

Auch die Veränderung im Aktivitätsniveau aufgrund einer Covid-Erkrankung ist bemerkenswert. Doch für die Abnahme der Schrittanzahl im Vergleich zur Zeit vor der Infektion könnten laut Burggraf andere Einflussfaktoren aktuell nicht ausgeschlossen werden. „Für diese könnten sowohl physische Langzeitfolgen verantwortlich sein, aber auch Änderungen im Verhalten, z. B. durch eine andere Risikowahrnehmung. Außerdem beeinflussen auch Faktoren wie Jahreszeitenwechsel, freiwillige oder staatlich verordnete Maßnahmen in der aktuellen Pandemie-Phase die Daten. Sprich: Wer in Quarantäne sitzt oder harte Lockdown-Regeln befolgen muss, macht weniger Schritte. Daran muss nicht unmittelbar die Erkrankung Schuld sein. „Wir arbeiten gerade noch daran, genau solche Punkte besser zu verstehen, weswegen wir die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Datenspende-App bitten, zusätzlich zu den Vitaldaten auch Fragen zu ihrem Alltagsverhalten zu beantworten.“

Quellen

  1. Corona-Datenspende. (2021). Veränderungen der Vitaldaten nach einer COVID-19 Erkrankung. Robert-Koch-Institut
  2. Radin JM, Quer G, Ramos E et al. (2021). Assessment of Prolonged Physiological and Behavioral Changes Associated With COVID-19 Infection. JAMA Network Open

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