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Neue Studie des BfR

So schädlich ist Aluminium wirklich für den Körper

Männliche Achselhöhle wird mit Deo eingesprüht
Durch den Gebrauch von schweißhemmenden Deosprays kann vermehrt Aluminium in den Körper gelangen – ob das krebserregend ist, ist noch nicht vollständig geklärt
Foto: Getty Images

Viele Deutsche nehmen zu viel Aluminium auf, vor allem durch Kosmetika wie Deo und Zahnpasta. Auch in vielen Lebensmitteln stecken hohe Anteile des Leichtmetalls. Davor warnt eine aktuelle Studie des Bundesinstituts für Risikobewertung. FITBOOK fasst zusammen, was die Experten herausgefunden haben und wie man sich vor zu viel Aluminium schützen kann!

Aluminium in Deo, Creme und Zahnpasta – diese Nachricht lockt kaum noch jemanden hinter dem Ofen hervor. Worin das gesundheitsschädliche Leichtmetall in hoher Konzentration jedoch noch lauert, ahnt kaum jemand: in vielen Lebensmitteln, besonders in Tee, Kaffee, Schokolade. Aber auch in Gemüse, Getreide und Hülsenfrüchten oder Apfelsaft, der in unbeschichteten Alutanks gelagert wurde. Was es richtig in sich hat: Laugenbrezeln! Die werden nach dem Bad in der Lauge oftmals auf aluminiumbeschichtete Backbleche gelegt. Beim Backen wandert das Leichtmetall dann vom Blech ins Gebäck.

Die Hälfte wird über das Essen aufgenommen

Das alles zählt ein Forscherteam des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) in einer kürzlich im Fachmagazin „Archives of Toxicology“ veröffentlichten Studie auf. Darin bewerten die Wissenschaftler die Gesamtbelastung der deutschen Bevölkerung mit Aluminium. 

Vorsicht geboten ist zudem bei der Verwendung unbeschichteter Aluminiumschalen oder -Backbleche. Durch diese sogenannten Lebensmittel-Kontaktmaterialien kann das Leichtmetall auf Lebensmittel übertragen werden, wie das Beispiel mit den Brezeln zeigt. Schließlich schätzten die Wissenschaftler auch die Aufnahmemenge ab durch Kosmetika wie Lippenstifte, Zahnpasta, schweißhemmenden Deos, Sonnenschutzmitteln und aus Impfstoffen.

Was ist das Problem mit Aluminium?

In der Regel wird das meiste aufgenommene Aluminium vom Körper wieder ausgeschieden. Bei Menschen mit Nierenbeeinträchtigung oder wenn die empfohlene Dosis an Aluminium überschritten wird, lagert sich das Leichtmetall jedoch schnell an. Und ist es erstmal im Körper gespeichert, dauert es sehr lange, bis es wieder ausgeschieden wird – und kann in der Zwischenzeit Schäden im Körper anrichten.

Alu schädigt Nerven, Knochen, Gehirn und Zellen

Die Experten des BfR warnen, dass eine zu hohe Aufnahme an Aluminium über einen längeren Zeitraum Entwicklungsstörungen des Gehirns und der Motorik auslösen kann. Aluminum-Verbindungen schädigen zudem Leber, Niere und Knochen. Darüber hinaus kann eine zu hohe Aufnahme an Aluminium entzündliche Effekte oder oxidativen Stress in den Zellen auslösen, was diese nachhaltig schädigt. Schließlich ist der Stoffwechsel der Zellen gestört, diese können sich daher nicht mehr ausreichend mit Energie versorgen. Das führt laut der Experten zum Absterben der Zellen.

Risikofaktor für Brustkrebs?

Da geben die Wissenschaftler gewissermaßen Entwarnung: „Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen der Aufnahme von Aluminium aus Antitranspirantien (schweißhemmende Deos, Anm. d. Red.) und der Entstehung von Brustkrebs konnte wissenschaftlich bisher nicht belegt werden“, heißt es auf der Webseite des BfR. Selbst in Tierversuchen an Mäusen sei bei hohen Dosen keine Tumorbildung beobachtet worden.

Allerdings wiesen Brustgewebe und –sekret von Brustkrebs-Patientinnen in verschiedenen Studien mehr Aluminium auf als im Gewebe gesunder Frauen. Es bleibt jedoch unklar, ob der erhöhte Aluminiumgehalt Ursache oder Folge der Erkrankung ist. Letztlich ist die Datenlage zu dem Thema immer noch erstaunlich widersprüchlich. Laut BfR stellt der Gebrauch aluminiumhaltiger Deos nach aktuellem Erkenntnisstand wahrscheinlich keinen Risikofaktor für die Ausbildung von Brustkrebs dar.

Auch sei – nach derzeitigem Kenntnisstand – kein Zusammenhang zu erkennen zwischen Alzheimer und der Aufnahme von Aluminium.

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Wer ist besonders gefährdet, zu viel Aluminium aufzunehmen?

Alles in allem kann laut dem BfR die empfohlene Aufnahmemenge an Aluminium in allen Bevölkerungsgruppen überschritten werden. Als besondere Risikogruppen nennen die Forscher:

  • Säuglinge und Kleinkinder, die mit sojabasierter, laktosefreier oder hypoallergener Nahrung gefüttert werden. Das BfR rät, Säuglinge bis zum sechsten Monat ausschließlich zu stillen und anschließend normale Kost zuzufüttern
  • Kinder zwischen drei und zehn Jahren, die sich sehr häufig durch Mahlzeiten aus Aluschalen oder in Alufolie verpackte Lebensmittel ernähren
  • Jugendliche und Erwachsene, die häufig Antitranspirantien und aluminiumhaltige, weißende Zahncreme benutzen und häufig Nahrung aus Aluschalen zu sich nehmen
  • Junge, schwangere Frauen könnten durch häufige Verwendung von aluminumhaltiger Kosmetika das ungeborene Kind schädigen, denn über die Haut aufgenommenes Aluminium kann die Plazenta durchdringen

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Wie kann man das Aluminium-Risiko senken?

Bei Lebensmitteln empfehlen die Wissenschaftler des BfR, auf Abwechslung und Vielfalt zu achten. So ließen sich einseitige Belastungen durch gesundheitsschädliche Stoffe vorbeugen, mit denen vereinzelt in Lebensmitteln gerechnet werden müsse.

Auch bei Kosmetika wird ein abwechslungsreicher Gebrauch verschiedener Produkte empfohlen. Weiterhin kann das Aluminium-Risiko gesenkt werden, wenn keine aluminiumsalzhaltigen Deos benutzt werden. Tipp: Wer auf die schweißhemmende Wirkung bei Deos nicht verzichten möchte, kann laut BfR auch auf aluminiumfreie Transpirantien zurückgreifen.

Neben Anti-Schweiß-Deos kann der Gebrauch weißender Zahnpasta erheblich zur Gesamtmenge an aufgenommenem Aluminium beitragen. Deshalb sollte darauf verzichtet oder der Gebrauch erheblich reduziert werden. Vorsicht auch bei Cremes mit Alu, die auf geschädigte Haut aufgetragen werden sollen, beispielsweise nach der Rasur oder bei einem Sonnenbrand.

Leicht vermeidbar ist der Gebrauch von Alu-Schalen, beispielsweise zum Grillen, und Alufolie. Säure und Salze der darin eingewickelten Lebensmittel lösen das enthaltene Aluminium sehr leicht. Dazu zählen zum Beispiel aufgeschnittene Äpfel, Tomaten, Rhabarber, Salzheringe, mariniertes Fleisch oder Käse.