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Voraussetzungen

Schwerbehindertenausweis – wer hat Anspruch, welche Vorteile bringt er?

Wer einen Schwerbehindertenausweis hat, bekommt Nachteilsausgleiche
Wer einen Schwerbehindertenausweis hat, bekommt NachteilsausgleicheFoto: dpa/Andrea Warnecke

Wer Anspruch auf einen Schwerbehindertenausweis hat, muss nicht automatisch im Rollstuhl sitzen oder etwa geistig beeinträchtigt sein. Auch eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung oder Akne kann als Behinderung eingestuft werden. Wichtig: Betroffenen stehen Nachteilsausgleiche zu.

In Deutschland leben laut Statistischem Bundesamt 7,9 Millionen schwerbehinderte Menschen. Also fast jeder Zehnte der Gesamtbevölkerung. In Wirklichkeit dürften es noch deutlich mehr sein, da viele Menschen schwerbehindert sind, ohne es zu wissen. Warum? Weil vielen nicht bekannt ist, dass auch chronische Krankheiten wie Tinnitus oder Rheuma unter bestimmten Voraussetzungen eine Schwerbehinderung darstellen und sie somit Anrecht auf einen Schwerbehindertenausweis hätten. Damit entgehen den Betroffenen Vergünstigungen und Nachteilsausgleiche.

Ab wann gelte ich als schwerbehindert?

Dies ist im Sozialrecht definiert. Eine Behinderung liegt vor, wenn jemand eine oder mehrere Beeinträchtigungen hat, die länger als sechs Monate anhalten. Die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben muss beeinträchtigt sein. Die Schwere wird durch den Grad der Behinderung (GdB) beziehungsweise den Grad der Schädigungsfolgen (GdS) ausgedrückt. Jemand gilt als schwerbehindert, wenn der Grad der Behinderung 50 oder mehr beträgt.

Eine schwere Verlaufsform von Migräne kann einen GdB von 50 bis 60 begründen. Auch Menschen mit stark ausgeprägter Akne haben mitunter einen GdB von 50. Im Prinzip kann jede Krankheit, ob nun körperlicher oder psychischer Art, einen GdB begründen.

Der Antrag auf einen Schwerbehindertenausweis

Wer eine Schwerbehinderung feststellen lassen will, muss einen Antrag beim Versorgungsamt seiner Gemeinde stellen. Dafür reicht ein formloses Schreiben.

Daraufhin bekommt der Antragsteller ein Formular zugeschickt, das ausgefüllt werden muss. „Wichtig ist hierbei, dass der Antragsteller seine persönliche Betroffenheit deutlich macht“, erklärt die Düsseldorfer Fachanwältin für Arbeits- und Sozialrecht, Regine Windirsch. Er muss genau beschreiben, inwiefern die Krankheit den eigenen Alltag beeinträchtigt.

Um die Bearbeitungszeiten zu verkürzen, sollten alle ärztlichen Unterlagen, die sich auf die Gesundheitsstörung beziehen, dem Antrag beigefügt werden. Das Amt prüft den Antrag und stellt fest, ob eine Behinderung vorliegt und welchen Grad sie hat. Liegt der GdB beziehungsweise GdS bei mindestens 50, wird ein Schwerbehindertenausweis ausgestellt. Mit diesem Ausweis können Nachteilsausgleiche und Vergünstigungen in Anspruch genommen werden.

Welche Vorteile bietet ein Schwerbehindertenausweis?

Menschen mit Behinderung können einen Steuerfreibetrag geltend machen. Zudem können Menschen mit Schwerbehinderung mit 62 Jahren in Rente gehen – vorausgesetzt, sie haben mindestens 35 Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt.

Arbeitnehmer sind übrigens nicht verpflichtet, dem Arbeitgeber von ihrer Schwerbehinderung zu erzählen. Viele verschweigen es, weil sie befürchten, beruflich benachteiligt zu werden. „Dabei ist in der Regel das Gegenteil der Fall“, betont Windirsch. Der Arbeitgeber muss per Gesetz Schwerbehinderte fördern. Ihnen stehen etwa fünf Tage bezahlter zusätzlicher Urlaub im Jahr sowie das Recht zu, Überstunden zu verweigern. Zudem können Schwerbehinderte nicht so ohne weiteres gekündigt werden.

Auch außerhalb des Berufslebens gibt es einige Vergünstigungen. So können etwa mobilitätsbehinderte Menschen billiger oder mitunter auch kostenlos mit Bus und Bahn fahren. Bei Kultur- und Freizeitveranstaltungen gibt es oft Preisnachlässe, wenn man einen Schwerbehindertenausweis vorlegt.