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Justin Bieber leidet daran

Ramsay-Hunt-Syndrom – Ursachen, Symptome und Behandlung

Ramsay-Hunt-Syndrom
Justin Bieber sprach bei Social Media jetzt offen über sein LeidenFoto: Getty Images

Justin Bieber schockiert seine Fans aktuell mit einer gelähmten Gesichtshälfte. Der Grund: das Ramsay-Hunt-Syndrom. Doch was steckt hinter der Krankheit? FITBOOK gibt einen Überblick über Symptome, Ursachen und Behandlung.

Der kanadische Popstar Justin Bieber (28) teilte auf „Instagram“ mit einem emotionalen Video. Darin präsentierte sich der ,,Love Yourself”-Interpret schwer angeschlagen und erklärte, warum er einige Konzerte seiner ,,Justice World Tour“ absagen musste. Nachdem zunächst seine Lyme-Borreliose-Erkrankung als Grund vermutet wurde, steht nun fest: Bei dem 28-Jährigen wurde das sogenannte Ramsay-Hunt-Syndrom (RHS) diagnostiziert – eine Virus-Erkrankung, die die Nerven im Ohr und Gesicht angreift. FITBOOK erklärt, was hinter der Krankheit steckt und wie sie behandelt werden kann.

Was steckt hinter Justin Biebers Ramsay-Hunt-Syndrom?

Das sogenannte Ramsay-Hunt-Syndrom geht auf den amerikanischen Neurologen James Ramsay Hunt (1874–1937) zurück. Er beschrieb 1907 ein Syndrom der Gesichtslähmung (Fazialisparese), deren Auslöser eine Funktionsstörung des siebten Hirnnervs (Nervus facialis) ist und insbesondere die mimische Gesichtsmuskulatur betrifft.

Die Krankheit ist eine Virus- bzw. eine Art Herpesinfektion und wird durch das Varizella-Zoster-Virus ausgelöst. Sprich, jenem Erreger, der auch die Windpocken und Gürtelrose verursacht. Das Ramsay-Hunt-Syndrom ist kurz gesagt also eine Gürtelrose im Ohr.

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Welche Ursachen stecken hinter der Erkrankung?

Varizella-Zoster-Virus wird dabei oft schon in der Kindheit übertragen. Einmal erkrankt bleiben die Viren allerdings in den Wurzeln bestimmter Nervenzellen über Jahre oder Jahrzehnte im Körper zurück. Ist das Immunsystem durch Stress oder Infekte dann mal geschwächt, kann dieses Virus wieder reaktiviert werden und ausbrechen.

In der Zweitinfektion tritt es dann als Gürtelrose, auch Herpes zoster genannt, in Erscheinung und kann verschiedene Nerven angreifen. Ist dabei der Gesichtsnerv in der Nähe eines der Ohren betroffen (wie es bei Justin Bieber der Fall ist), spricht man vom Ramsay-Hunt-Syndrom bzw. Herpes zoster oticus.

Das „Instagram“-Video, in dem Justin Bieber von seinem Leiden erzählt, finden Sie hier:

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Bei dieser Art der Gürtelrose handelt es sich um eine Lähmung des siebten Hirnnervs (Nervus facialis), was mitunter zu Lähmungserscheinungen im Gesicht oder gar Hörverlust führen kann. Der Grund: Dieser Nerv übermittelt sämtliche Impulse zwischen dem Gehirn und den Muskeln von Stirn, Wangen, Hals und Mund. Er steuert dabei aber nicht nur alle wichtigen Gesichtsmuskeln, sondern auch den Speichel- und Tränenfluss sowie die Drüsen der Nasenschleimhaut und den Geschmackssinn auf den vorderen beiden Dritteln der Zunge.

Eine Gürtelrose kann aber auch andere Nerven „befallen” und sich je nachdem an verschiedenen Körperstellen äußern. Überdurchschnittlich häufig (in 50–56 Prozent der Fälle) handelt es sich um einen Befall des Zwischenrippennerv (im Bereich des Brustkorbes). Aber auch Rücken, Arme oder Beine können betroffen sein. Nicht mal ein Prozent der Zoster-Fälle betreffen den siebten Hirnnerv und führen zur Ohr-Gürtelrose.2

Beach Camp Frame 1

Was sind die Symptome einer Gürtelrose bzw. beim RHS?

In der Frühphase ist eine Gürtelrose nur schwer zu bestimmen: Neben Müdigkeit und Gliederschmerzen, treten meist leichtes Fieber und allgemeines Unwohlsein auf. Erst nach zwei bis drei Tagen kommen Juckreiz, ein kribbelndes Hautgefühl sowie Rötungen und Schwellungen dazu. Spätestens bei den typisch auftretenden Bläschen lässt sich dann aber klar identifizieren, dass es sich um Herpes zoster handelt.

Ist speziell das Ohr betroffen, können die dem Nerv zugeordneten Muskeln und Drüsen nicht mehr vernünftig funktionieren, was sich neben einem schmerzhaften streifenförmigen Hautausschlag mit Hautbläschen entlang des Nervs später auch in einer vorübergehenden oder permanenten Lähmung einer Seite des Gesichts äußern kann.

Weitere Symptome:

  • Starke Ohrenschmerzen
  • Störungen des Gleichgewichtssinnes
  • Mit Flüssigkeit gefüllte Bläschen im Gehörgang oder an der Ohrmuschel
  • Geschmacksverlust
  • Über Tage bis Wochen anhaltender Schwindel (das irrtümliche Gefühl, sich zu bewegen oder zu drehen)
  • Hörverlust, der andauern kann oder teilweise bis vollständig wieder abklingt
  • Tinnitus
  • In seltenen Fällen Kopfschmerzen, Verwirrtheit oder Nackensteifigkeit
  • weniger Tränenflüssigkeit und Speichel wird gebildet
  • Auge kann nicht richtig geschlossen werden

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Ist das Ramsay-Hunt-Syndrom ansteckend?

Ja und Nein: Das Ramsay-Hunt-Syndrom selbst ist nicht ansteckend. Allerdings sollten sich jene, die das Syndrom haben, von Menschen fernhalten, die noch nie Windpocken hatten. Da Erkrankte das Zoster-Virus in sich tragen, können sie durch die Reaktivierung nämlich eine Erstinfektion mit Windpocken auslösen. Und damit später (theoretisch) auch eine Gürtelrose.

Die Ansteckungsfähigkeit mit dem Virus beginnt dabei ein bis zwei Tage vor Auftreten des Hautausschlags und endet mit der vollständigen Verkrustung – in der Regel fünf bis Tage nach Beginn des Ausschlags.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Betroffenen wird bei einer RHS-Erkrankung eine Kombinationstherapie mit virushemmenden Medikamenten und Kortisonpräparaten empfohlen. Wer Symptome an sich bemerkt, die auf eine Gürtelrose im Ohr (oder auch an anderer Stelle) hindeuten, sollte allerdings schnell handeln und behandelt werden, damit eine schnelle Genesung möglich ist und keine kleine Lähmung oder Hörstörung als Folgeschäden zurückbleiben.

Für Kinder empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) außerdem eine Impfung gegen Windpocken. Der Aufbau des Impfschutzes erfolgt dabei in zwei Schritten: Die erste Impfung sollte im Alter von 11 bis 14 Monaten, die zweite im Alter von 15 bis 23 Monaten erfolgen. Da die Ursache von Herpes zoster in erster Linie ein geschwächtes Immunsystem ist, steigt mit dem Alter auch das Risiko, daran zu erkranken. Die Stiko empfiehlt deshalb insbesondere Menschen ab 60 Jahren eine Impfung gegen Gürtelrose.3

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Windpocken gehabt – bin ich gefährdet?

An Gürtelrose im Allgemeinen und dem Ramsay-Hunt-Syndrom im Speziellen können theoretisch all jene erkranken, die in ihrem Leben bereits Windpocken gehabt haben. Panik braucht man an dieser Stelle aber auch nicht zu haben. Denn wie alle Herpesviren ist auch das Varizella-Zoster-Virus bereits sehr gut an den Menschen angepasst. Laut dem Robert Koch-Institut weisen inzwischen bereits 95 Prozent der deutschen Bevölkerung Antikörper nach.4 Wer zudem auf seine Gesundheit und sein Immunsystem fördert, hat im Grunde nichts zu befürchten. Für Personen ab 50 Jahre lohnt es sich dennoch, verstärkt auf sich zu achten, da 50 Prozent der erkrankten Menschen älter als 50 Jahre sind.5

Quellen


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