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von FITBOOK

Beim Experten nachgefragt

Ist es gesünder, nackt zu schlafen?

Nackt schlafende Frau
Ist Nacktschlafen, wie viele behaupten, wirklich gesünder?Foto: Getty Images

Nacktschlafen ist gesund – hört und liest man zumindest immer wieder. Die Argumente dafür erscheinen oftmals etwas aus der Luft gegriffen. FITBOOK wollte es genauer wissen und hat bei Experten nachgefragt.

Ist es wirklich gesund, nackt zu schlafen? Die US-Hormonärztin Dr. Jennifer Landa ist davon überzeugt. In ihrem Ratgeber „The Sex Drive Solution for Women“ behauptet sie, es soll hygienischer sein, ohne Pyjama zu schlafen, weil man weniger schwitzt. Außerdem stärke der Kontakt von Laken auf nackter Haut das Selbstbewusstsein.

Dr. med. Michael Feld sieht es etwas anders. Über seinen Arbeitsalltag als Schlafmediziner hinaus hat er sich sehr eingehend mit dem Thema beschäftigt und beispielsweise gemeinsam mit einem Professor für Neurologie und Neurogenetik den „Beurer Schlafatlas 2017“ geleitet, eine umfangreiche Studie zum Schlafverhalten der Deutschen. „Dabei kam unter anderem heraus, dass Hamburg die meisten Nacktschläfer hat“, erzählt er im Gespräch mit FITBOOK. Ob die Menschen dort gesünder sind? „Eher nicht.“

Nackt oder angezogen schlafen? Vor allem Geschmackssache

In erster Linie sei es natürlich Geschmackssache, ob man gerne im Nachthemd oder ganz ohne Kleidung schläft. Dass man deshalb glücklicher, entspannter oder gar selbstbewusster ist, lasse sich sicherlich nur von Person zu Person individuell behaupten, erklärt Dr. Feld. Tatsächlich besser – aus gesundheitlicher Sicht – ist es dem Schlafmediziner zufolge, etwas anzuhaben. „Sonst besteht die Gefahr auf Unterkühlung“, sagt er zu FITBOOK.

Im Schlaf sinkt die Körperkerntemperatur

Nachts sinkt die Temperatur im Körperkern, also im Bereich von Hirn, Herz, Lunge und Nieren, um bis zu eineinhalb Grad. Das ist laut dem Schlafmediziner selbst in heißen Sommernächten der Fall, dann aber nicht so schlimm, weil die Temperaturen um einen herum relativ hoch sind und der Körper entsprechend weniger Wärme verliert. Trotzdem würde Feld dazu raten, zumindest etwas Leichtes zu tragen.

Denn gerade bei niedrigen Temperaturen schwitzt man bekanntlich – und Schwitzen ist ein Mechanismus des Körpers, um abzukühlen. „Wenn es dann zu einem Durchzug kommt, etwa durch ein geöffnetes Fenster oder einen eingeschalteten Ventilator, ist das Unterkühlungsrisiko wieder gegeben“, warnt Feld. Boxer-Shorts und T-Shirt oder Negligé – damit macht man nach Einschätzung des Schlafforschers alles richtig.

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Intimbereich mag’s luftig

Zu viel sollte man aber auch nicht anziehen. „Wenn man unter einem warmen Schlafanzug schwitzt, wirkt das wie eine feuchte Kammer“, sagt der Frankfurter Gynäkologe Dr. med. Andreas Gardé zu FITBOOK. „Und darin fühlen sich Bakterien und andere Mikroorganismen pudelwohl.“

Heißt: Die Gefahr auf Infektionen im Intimbereich wächst. Urologen warnen übrigens auch aus dem Grund davor, sich untenrum zu warm einzupacken, weil die Spermaqualität darunter leiden könnte. Im Intimbereich soll man(n) es tendenziell luftig angehen lassen.

Wann Sie nackt schlafen sollten…

Wenn nachts jemand neben Ihnen liegt, darf dann aber auch das letzte (Nacht-)Hemd aus bleiben. Nackte Haut an nackter Haut fördert nämlich die Produktion des „Kuschelhormons“ Oxytocin.

Interessant: Wissenschaftler gehen davon aus, dass oxytocinreiche Partnerschaften liebevoller und treuer sind. Aber auch die individuelle Gesundheit und das Immunsystem sollen davon profitieren. „Durch Oxytocin reduziert sich der Ausstoß des Stresshormons Kortisol. Somit kann es dabei helfen, den Blutdruck zu senken und Depressionen vorzubeugen“, sagt uns Dr. Gardé.

Wichtiger Hinweis für Nacktschläfer

Im Zusammenhang mit Gesundheit ist natürlich auch Hygiene wichtig. Nachts schwitzt man – das ist ganz normal und macht es absolut notwendig, die Bezüge im Winter mindestens alle zwei Wochen zu wechseln. Im Sommer sollte es jede Woche passieren.
Diese Abstände gelten für Nacktschläfer nicht. Bei ihnen liegt keine extra Lage Textil zwischen Schweiß (sowie Hautschüppchen) und der Bettwäsche. Heißt: So, wie man einen Pyjama höchstens vier Tage lang tragen sollte, verhält es sich bei der Nackt-Fraktion mit Laken und Co.

Auch Kollege Feld „erlaubt“ Nacktschlafen, wenn jemand neben Ihnen liegt – „ein kleines Öfchen, an dem Sie sich wärmen können.“ Dieser Ofen/Bettnachbar spendet ohne Aufwand bis zu 36 Grad Celsius Wärme. Und spätestens, wenn man sich richtig näherkommt, ist die Gefahr auf Unterkühlung natürlich kein Thema mehr.

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Fazit

Es kann gewisse Vorteile haben, nackt zu schlafen – sofern man einen warmen Körper neben sich liegen hat. Wer aber auch alleine lieber ohne Nachthemd oder Pyjama ins Bett geht, sollte Vorkehrungen treffen, nicht auszukühlen. Es muss (und sollte auch) nicht der gute alte Schlafanzug mit zu dickem Stoff sein.

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