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Selbsttests

Können Corona-Schnelltests für zu Hause Omikron erkennen?

Die jeder Corona-Schnelltest kann Omikron zuverlässig erkennen
Nicht jeder Corona-Schnelltest kann Omikron zuverlässig erkennenFoto: Getty Images

Die Omikron-Variante des Corona-Virus ist weltweit auf dem Vormarsch. Dabei verbreitet sich die Mutante mit extrem hohen Tempo. Dies könnte auch daran liegen, dass Schnelltests Omikron womöglich nicht zuverlässig genug erkennen. Doch stimmt das wirklich? Wir haben nachgeforscht.

Die Corona-Mutante namens Omikron wird zu einem immer größeren Problem bei der Pandemiebekämpfung. Dabei ist es nicht nur die rasende Geschwindigkeit, mit der sich das Virus ausbreitet. Denn es zeigen sich nun neue Herausforderungen. Wie der amerikanische Immunologe Dr. Anthony Fauci erst kürzlich in einem Interview erzählte, erfassen nämlich nicht alle Schnell- bzw. Selbsttests die Omikron-Variante des Corona-Viruses.1 Zudem könne das Virus weiter mutieren, wenn man sich mit mehreren Corona-Varianten gleichzeitig infiziert. Was ist dran an den Horror-Szenarien?

Warum ist es schwieriger, Omikron zu erfassen?

Offenbar stellen die vielen Mutationen des Omikron-Viruses ein Problem bei den Antigen-Schnelltests dar. Diese versuchen nämlich, bestimmte Proteine aus der Hülle des Corona-Virus nachzuweisen. Doch genau diese mutieren und könnten somit von einigen Schnelltests nicht zuverlässig genug erkannt werden, warnt die US-Arzneimittelbehörde FDA.2

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Verkomplizierend kommt hinzu, dass nur bestimmte Antigen-Schnelltests nicht effektiv sind: „Es hängt davon ab, welches Antigen der Test nachzuweisen versucht“, erklärte Pablo Penaloza-MacMaster, Assistenzprofessor für Mikrobiologie und Immunologie von der amerikanischem Northwestern University dem Wissenschaftsportal „SciTechDaily“.3 „Wenn es nach dem Nukleo-Protein sucht, ist es normalerweise besser, weil dieses virale Protein konservierter ist. Das bedeutet, dass es weniger mutiert als das Spike-Protein“, erläutert der Experte.

Somit seien nur einige Antigen-Schnelltests unwirksam beim Nachweis von Omikron, die meisten aber funktionierten. Diese Schlussfolgerung deckt sich auch mit den Erkenntnissen aus Deutschland.

Die meisten Schnelltests in Deutschland erkennen Omikron

Im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit wurden am Paul-Ehrlich-Institut (PEI-IVD) bis Mitte Dezember 2021 245 Antigen-Tests auf ihre Wirksamkeit gegenüber Omikron hin untersucht.4 Davon haben 199 Tests die Untersuchung bestanden, 46 Produkte fielen durch. Damit erreichten 80 Prozent der untersuchten Tests die geforderte Empfindlichkeit, um Omikron zu erkennen.

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Auch die Forscher vom Paul-Ehrlich-Institut betonen, dass insbesondere jene Tests wirksam seien, die das Nukleo-Protein (N-Protein) bei Omikron nachweisen. Denn die Mutationen der Omikron-Variante betreffen vor allem das Spike-Protein (S-Protein). Um eine endgültige Aussage bezüglich der Zuverlässigkeit der Schnelltests treffen zu können, brauche es aber Vergleichsstudien mit Proben von Omikron-infizierten Personen.

Im Zweifel lieber einen PCR-Test machen

Im Gegensatz zu einem Corona-Schnelltest weist ein PCR-Test keine Proteine an der Außenhülle der Viren nach, sondern deren Erbgut. Das macht sie zuverlässiger – nicht nur beim Nachweis der Omikron-Variante, sondern bei allen Varianten. Das ist auch ein Grund dafür, weshalb beispielsweise Fluglinien meistens den aussagekräftigeren PCR-Test-Nachweis verlangen. Leider sind PCR-Tests nicht nur wesentlich teurer, sondern müssen im Labor durchgeführt werden. So bekommt man ein Ergebnis meist innerhalb von 24 Stunden.

Die FDA rät Personen, die einen negativen Corona-Schnelltest hatten, aber dennoch Krankheitssymptome zeigen, sich zusätzlich einem PCR-Test zu unterziehen.

Kann man sich mit mehreren Corona-Varianten gleichzeitig anstecken?

Je mehr Corona-Mutanten wie Omikron entstehen, desto dringender ist die Frage: Kann man sich mit mehreren Varianten gleichzeitig anstecken? „Theoretisch ja, es wird dann als eine Superinfektion bezeichnet“, erklärt der Forscher Penaloza-MacMaster. Man sehe das beispielsweise bei Viren wie dem HIV. Hierbei können sich Menschen mit zwei Virusstämmen gleichzeitig anstecken. „In diesem Szenario kann eine virale Rekombination auftreten, die möglicherweise zu Hybridvarianten führt “ , sagt der Experte.

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Daher sei eine Booster-Impfung immer wichtiger, nicht nur um die Übertragung zu verhindern, sondern auch, um die weitere Entwicklung des Virus durch genetische Veränderung zu bremsen. Allerdings steht hier die Forschung erst am Anfang, da bislang nur von Einzelfällen der Doppelinfektion berichtet wird. Eine Studie, die mehr Erkenntnisse dazu bringt, steht noch aus.

Fazit

Laut aktuellen Forschungsergebnissen können auch Schnelltests Omikron zuverlässig erkennen, sofern sie das Nukleo-Protein (N-Protein) beim Virus nachweisen. Weniger zuverlässig sind hingegen jene Schnelltests, die das Spike-Protein (N-Protein) nachweisen. Denn genau an diesem Protein kommen die meisten Mutationen bei Omikron vor. Auf dem Beipackzettel des Schnelltests sollte vermerkt sein, welches Protein beim Corona-Virus nachgewiesen wird. Im Zweifel fragen Sie am besten in der Apotheke oder dem Hersteller des Schnelltests nach.

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