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Folgen für den Organismus

Kann man eigentlich zu viel Wasser trinken?

zu viel Wasser trinken
Für reichlich Flüssigkeit in Form von Wasser im Organismus zu sorgen, ist gut. Doch es gibt eine physiologische Grenze.Foto: Getty Images

Eine kontinuierliche Wasserversorgung gilt als Gesundheitsbooster und Schönheitselixier. Unter Belastung kann diese jedoch zur Gefahr werden. FITBOOK klärt auf.

Heute schon genug getrunken? Viele Menschen müssen sich täglich immer wieder daran erinnern, ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Denn Wasser ist essenziell für unseren Körper und Trinken kann man eigentlich nie genug – oder etwa doch? FITBOOK erklärt, ob – und wenn ja, für wen – zu viel Wasser trinken gefährlich werden kann.

Warum Wasser trinken so gesund und wichtig ist

Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V.“ (DGE) sollte ein erwachsener Mensch über den Tag verteilt rund 1,5 Liter trinken. Am besten erfolgt die Aufnahme zu den Mahlzeiten und auch zwischendurch. Weniger als 1,0 Liter sollten im Laufe des Tages nicht unterschritten werden, sonst droht ein Wassermangel. Denn Wasser erfüllt im Körper viele wichtige Funktionen. So trägt es zum Beispiel zur Temperaturregulierung bei, hilft, Nährstoffe aus der Nahrung zu transportieren und Abbauprodukte zu den Ausscheidungsorganen zu befördern. Außerdem ist es ein wichtiger Bestandteil von Zellen, hilft dem Stoffwechsel und sorgt dafür, dass das Blut fließen kann. Wasser kann außerdem auch positive Auswirkungen auf die Gewichtsabnahme haben. Regelmäßig ein Glas Wasser vor dem Essen zu trinken, kann auf Dauer sogar beim Abnehmen helfen. Denn die Flüssigkeit füllt den Magen, wodurch schneller ein Sättigungsgefühl eintritt.

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Kann man zu viel Wasser trinken?

Ernährungsexperte Dr. Dr. Michael Despeghel gibt Entwarnung: „Wenn man in Ruhe sitzt und der Körper die Flüssigkeit ausscheiden kann, kann nichts passieren.“ Ein Problem könne wenn, dann nur unter körperlicher Belastung entstehen: „Bei einem Läufer beispielsweise, der eine Wasserzufuhr von vier oder fünf Liter überschreitet, findet eine erhöhte Entmineralisierung statt.“ Dadurch könne es zu Einschränkungen kommen, Symptome wie Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Müdigkeit und Atembeschwerden können die Folge sein. Besonders gefährlich werde es bei einem Kaliummangel: „Dann landet man auf der Intensivstation“, so Despeghel. Die Nieren können die Flüssigkeit nicht mehr verarbeiten, der Salzhaushalt gerät durcheinander und der Körper wird buchstäblich überschwemmt. Im schlimmsten Fall kommt es zu einer Hyponatriämie, der sogenannten Wasservergiftung. Der Extrem-Läuferin Sandra Wukovich widerfuhr dieses Schicksal beim Marathon des Sables, einem der härtesten Extremläufe der Welt.

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Hyponatriämie – was passiert bei einer Wasservergiftung?

Was bei der sogenannten Wasservergiftung passiert, erklärt Diplom-Oecotrophologin Antje Gahl von der DGE folgendermaßen: „Bei einer Hyponatriämie ist die Konzentration von Salzionen im Blut niedriger. Dadurch wird Wasser in die Zellen (den intrazellulären Raum) geschleust und schwemmt diese auf.“ Es besteht Lebensgefahr.

So äußert sich Flüssigkeitsmangel

Da unser Körper täglich Flüssigkeit über Nieren, Darm, Haut und Lunge ausscheidet, ist es wichtig, diese Verluste wieder aufzufüllen, um den natürlichen Wasserhaushalt im Körper zu regulieren. Natürlich kann dieser Wasserverlust auch höher ausfallen, je nachdem, ob man durch körperliche Aktivitäten oder hohe Temperaturen intensiv schwitzt. Aber auch bei Krankheitssymptomen wie Fieber, Durchfall und Erbrechen verliert der Körper mehr Wasser als üblich. Dann warnt die DGE, dass 0,5 bis 1,0 Liter Wasser zusätzlich nötig sein können, um das Wasserdepot wieder aufzufüllen.

Kommt es zu einem Flüssigkeitsmangel, können die folgenden Symptome auftreten: trockene Haut, dunkler Urin, Verstopfung, Kopfschmerzen und Konzentration- und Kreislaufprobleme. Außerdem wird man laut der DGE „schnell müde und kann sich schlecht konzentrieren. Der Körper kann harnpflichtige Substanzen nicht mehr ausreichend ausscheiden und die Versorgung von Muskel- und Gehirnzellen mit Sauerstoff und Nährstoffen wird eingeschränkt.“

Doch nicht nur über Flüssigkeiten können wir Wasser aufnehmen, sondern auch über feste Nahrung. So besteht etwa eine Gurke aus fast 100 Prozent Wasser. Lange Zeit galt Kaffee als Flüssigkeitsräuber. Doch es gibt Entwarnung für alle Kaffee-Liebhaber. Bis zu vier Tassen am Tag sind vollkommen in Ordnung und entziehen einem an Koffein gewöhnten Körper kein Wasser. Im Gegenteil: Die Menge wird ganz normal zur täglich benötigten Flüssigkeitszufuhr addiert.