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Lebensmittelunverträglichkeit

Woran erkennt man eine Histaminintoleranz?

Viele alltägliche Lebensmittel enthalten den Botenstoff Histamin – doch nicht jeder verträgt ihn gut.
Viele alltägliche Lebensmittel enthalten den Botenstoff Histamin – doch nicht jeder verträgt ihn gut. Foto: Getty Images

Besonders Fisch, Hartkäse, aber auch Wein und Salami enthalten den Botenstoff Histamin. Dieser kann bei manchen Menschen zu Beschwerden wie Hautausschlag oder Atemwegsproblemen führen. Was Sie über die Histaminunverträglichkeit wissen sollten und warum sie schwer zu definieren ist.

Was ist eine Histaminintoleranz?

„Histamin ist ein Botenstoff im Körper, der unter anderem in den sogenannten Mastzellen vorkommt. Diese spielen eine wichtige Rolle im Hinblick auf allergische und auch pseudo-allergische körperliche Reaktionen“, erklärt Prof. Dr. med. Thomas Fuchs, früherer leitender Arztes des Fachbereiches für Allergologie der Universitätsmedizin Göttingen sowie Vizepräsident des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen. Bei der Histaminintoleranz handelt es sich laut dem Experten um eine bislang schwer zu definierende Unverträglichkeit, bei der über die Nahrung aufgenommenes Histamin zu bestimmten Beschwerden führen kann.

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Welche Lebensmittel enthalten viel Histamin?

Histamin findet sich in einer Vielzahl von Lebensmitteln, die man alltäglich zu sich nimmt. Unterscheiden muss man aber zwischen solchen, die tatsächlich Histamin enthalten, und jenen, die den Botenstoff im Körper freisetzen (Histaminliberatoren). Außerdem gibt es Lebensmittel, die das Enzym Diaminoxidase hemmen, welches für den Abbau von Histamin zuständig ist. Teilweise überschneiden sie sich auch untereinander. Allesamt können diese Nahrungsmittel jedenfalls bei einer Histaminunverträglichkeit zu Beschwerden führen. Eine umfassende Liste finden Sie hier. Die wichtigsten Nahrungsmittel haben wir aber nachfolgend für Sie zusammengestellt:

Histaminhaltige Nahrungsmittel

  • Eingelegte/konservierte Lebensmittel
  • Käse: vor allem Hartkäse (je länger gereift, umso mehr Histamin)
  • Räucherfleisch, Schinken, Salami
  • Fisch, v.a. Fischkonserven
  • Bohnen und Hülsenfrüchte
  • Sojaprodukte
  • Fertiggerichte
  • Einige Obstsorten (z.B. Bananen, Birnen, Auberginen, Orangen, Kiwis)
  • Alkoholische Getränke
  • Schwarzer Tee
  • Schokolade, Kakao
  • Balsamico, Rotweinessig, Weißweinessig
  • Hefe

Nahrungsmittel, die Histamin freisetzen

  • Hülsenfrüchte
  • Erdbeeren
  • Tomaten
  • Nüsse
  • Ananas
  • Kakao und Schokolade

Diaminoxidase blockierende Nahrungsmittel

  • Alkohol
  • Kakao
  • schwarzer Tee, grüner Tee, Mate-Tee
  • Energy Drinks

Laut Prof. Fuchs sei es außerdem wichtig zu wissen, dass der Histamingehalt stark schwanken kann. „Histamin kommt in Nahrungsmitteln in unterschiedlichen Konzentrationen vor“, erklärt er. Einfach gesagt könne also die eine Birne wegen eines hohen Gehalts an Histamin schwer verträglich sein, wohingegen eine andere keine Beschwerden verursacht. Das macht es Betroffenen im Umkehrschluss also sehr schwer, herauszufinden, was sie bedenkenlos essen können.

Symptome einer Histaminunverträglichkeit

Die Symptome einer Histaminunverträglichkeit sind vielfältig. So können die Beschwerden verschiedene Organsysteme betreffen, etwa den Magen-Darm-Trakt, die Haut, aber auch die Atemwege. „Relativ häufig ist eine Rötung der Haut vor allem im Gesicht, es kann aber auch zu einer laufenden Nase, Husten oder Magen-Darm-Problemen wie Durchfall kommen“, erläutert er. Alles in allem habe die Histaminintoleranz ein sehr ungenaues Beschwerdebild, weshalb sie mitunter gar nicht als Krankheit anerkannt oder diagnostiziert werde.

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Bislang existiert kein zuverlässiger Test auf Histaminintoleranz

Das liegt vor allem daran, dass es bislang keinen zuverlässigen Test auf eine Histaminunverträglichkeit gibt. „Teilweise hat man darauf gesetzt, das Enzym Diaminoxidase, welches für den Histaminabbau im Körper zuständig ist, zu untersuchen oder den Histamingehalt im Urin zu bestimmen“, so der Allergologe. Diese Tests hätten sich aber aus wissenschaftlicher Sicht als unbrauchbar erwiesen. „Diese Verfahren funktionieren zum Nachweis einer Histaminunverträglichkeit definitiv nicht. Hierzu gibt es vielfältige Untersuchungen, die das bestätigen“, macht Prof. Fuchs das Dilemma deutlich.

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Kann man eine Histaminunverträglichkeit behandeln?

Dass unangenehme Beschwerden bei manchen Menschen tatsächlich mit der Aufnahme von Histamin zusammenhängen können, streitet der Mediziner nicht ab. Eine einschlägige Behandlungsmethode, beispielsweise in medikamentöser Form, gebe es laut Prof. Fuchs aber nicht. „Die oft empfohlene Einnahme von Diaminoxidase in Tablettenform zur Linderung der Symptome hat jedenfalls keine nennenswerte Wirkung “, erklärt der Allergologe. Es sei seiner Meinung nach sogar eher wahrscheinlich, dass das Enzym durch die Magensäure zerstört werde. „Das einzige, was man tun kann, ist, seine Ernährung gezielt umzustellen“, erklärt er. Er rät dazu, genau zu beobachten, nach welchen Lebensmitteln die Beschwerden am ehesten auftreten und im Zweifelsfall auf diese zu verzichten.

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