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Rätselhafte Krankheit

Fibromyalgie – mögliche Symptome, Ursachen und Behandlung

Schmerzen und Erschöpfung gehören zu den Symptomen von Fibromyalgie
Schmerzen und Erschöpfung gehören zu den möglichen Symptomen von FibromyalgieFoto: Getty Images

Fibromyalgie ist eine tückische Krankheit. Die Symptome sind unspezifisch und eine Diagnose daher schwierig. Auch hinsichtlich der Behandlungsmöglichkeiten gibt es keine klare Empfehlung.

Starke Schmerzen, Schlafstörungen, körperliche und geistige Erschöpfung. Die Symptome des Fibromyalgie-Syndroms (FMS) sind vielfältig. Die Krankheit zu erkennen, ist alles andere als einfach. Außerdem stellt die Frage nach der Ursache Experten vor ein großes Rätsel. Immerhin konnte eine Studie im letzten Jahr wichtige Hinweise liefern – die womöglich sogar zu neuen Behandlungsansätzen führen.

Die Symptome von Fibromyalgie

Wörtlich übersetzt bedeutet Fibromyalgie „Faser-Muskel-Schmerz“. Die Patienten leiden zum Beispiel an:

  • lang andauernden, teils starken Schmerzen
  • Gefühlsstörungen an Händen und Füßen
  • einer allgemein erhöhten Schmerzempfindlichkeit
  • Ein- und Durchschlafstörungen
  • Erschöpfung
  • Kopfschmerzen
  • Magen- und Darmbeschwerden
  • Herzrasen
  • Menstruataionsbeschwerden
  • psychische Probleme

„So erfüllen etwa 60 bis 80 Prozent von ihnen die Kriterien einer depressiven oder Angststörung“, sagt Prof. Winfried Häuser von der Klinik für Innere Medizin 1 am Klinikum Saarbrücken.

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Wie wird die Diagnose Fibromyalgie gestellt?

Es gibt keinen spezifischen Bluttest und keine Röntgenuntersuchungen für die Diagnose FMS, erklärt Prof. Winfried Häuser. Um Fibromyalgie festzustellen, müssen sich Mediziner die Vorgeschichte des Patienten gründlich ansehen und eine komplette körperliche Untersuchung sowie mehrere Labortests machen. Auf diese Weise können sie andere Ursachen für die Beschwerden ausschließen. Ein wichtiger Hinweis für eine mögliche FMS sind zudem schmerzhafte Druckstellen an den Ansätzen von Sehnen. 

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Die möglichen Ursachen

Die Ursachen für die Erkrankung können vielfältig sein. Bisher gehen Experten davon aus, dass eine genetische Veranlagung sowie verschiedene biologische und psychische Faktoren für das Fibromyalgie-Syndrom verantwortlich sind. Eine Rolle könnten auch Entzündungen im Gehirn spielen.1 Im Grunde sind die Ursachen aber noch weitestgehend unbekannt.

Auffällig ist, dass viele Betroffene ähnliche Persönlichkeitsmerkmale haben: „Die meisten Fibromyalgie-Patienten sind sehr sensibel, leistungsbereit und ehrgeizig“, erklärt Dr. Thomas Weiss aus Mannheim, Facharzt für Allgemeinmedizin, Psychiatrie sowie Psychotherapie und psychosomatische Medizin. „Häufig kommt im Laufe des Lebens eine Überforderung dazu, die Personen geraten an ihre Grenzen – und dann geschieht etwas, das für sie schwer verständlich ist.“

Plötzlich schlafen die Betroffenen nicht mehr gut, sie reagieren empfindlicher auf Reize und haben vegetative Beschwerden, beispielsweise Nervosität. „Wir gehen davon aus, dass die Körper der Patienten die Reizschwelle herunterfahren, was in stressigen Situationen evolutionsbedingt ein sinnvolles Verhalten ist“, sagt Weiss. Nachts nicht mehr zu schlafen, war früher zum Beispiel mal notwendig – als Schutz vor Gefahren.

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Studie zeigt Zusammenhang zum Immunsystem auf

Eine Studie des King’s College in London kam zu dem Schluss, dass Antikörper schuld daran sind, dass Betroffene Symptome der Fibromyalgie entwickeln. Mit anderen Worten: Bei FMS handelt es sich demnach um eine Krankheit des Immunsystems.

Um dies zu beweisen, spritzten die Forscher Mäusen Antikörper von FMS-Patienten. Die Kontrollgruppe bestand aus Tieren, die die Antikörper gesunder Menschen erhielten. Die Mäuse aus der Studiengruppe entwickelten schnell FMS-Symptome – darunter eine erhöhte Sensibilität für Druck und Kälte. Außerdem ließ ihre Beweglichkeit und ihre Griffstärke nach. Da die Kontrollgruppe diese Symptome nicht entwickelte, schlussfolgerten die Wissenschaftler, dass die Antikörper der FMS-Patienten die Ursache waren oder zumindest einen wichtigen Teil dazu beigetragen haben.

Außerdem zeigte sich, dass sich die Mäuse einige Wochen später, nachdem die Antikörper aus ihrem Körper verschwunden waren, wieder erholten. Eine Erkenntnis, die Hoffnung auf Therapiemöglichkeiten macht. Die Vermutung: Eine Behandlung, die das Level der Antikörper bei von Fibromyalgie-Betroffenen senkt, wirksam sein könnte.2

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Wie wird Fibromyalgie behandelt?

Aktuell wird Fibromyalgie häufig mit sehr niedrig dosierten Antidepressiva behandelt. „Das soll nicht bedeuten, dass es sich bei Fibromyalgie um eine verkappte Depression handelt, aber die Mittel haben eine leicht schmerzstillende Wirkung“, sagt Dr. Thomas Weiss. Und so schwer es Patienten bei starken Schmerzen und permanenter Erschöpfung oft fällt: Bewegung kann helfen, die Symptome zu lindern.

Wichtig ist es nach Ansicht von Häuser aber, es bei der Bewegung nicht zu übertreiben. „Training mit mittlerer und hoher Belastung führt bei vielen Patienten zur Schmerzzunahme“, sagt er. Ausnahmen gebe es nur bei Personen, die bereits vor Beginn der Erkrankung sehr gut im Ausdauertraining waren.

Während es bei den gegenwärtigen Therapieansätzen vor allem darum geht, die Symptome – wie z. B. Schmerzen – zu lindern, könnte die oben genannte Antikörper-Studie zukünftig womöglich zu Methoden führen, die verursachenden Faktoren bei der Wurzel packen. „Die Implikationen der Studie sind enorm“ erklärt Studienleiter Dr. David Andersson vom King’s College. „Indem wir aufzeigen, dass es sich bei Fibromyalgie um eine Autoimmunerkrankung handelt, sollte sich unsere Sicht auf die Krankheit verändern. Außerdem hoffen wir, dass es den Weg für effektivere Therapien für die Millionen von betroffenen Menschen ebnet.“3

Quellen

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