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L-Theanin

Diese Aminosäure ist ein echter Gehirn-Booster

Eine Frau trinkt nach dem Sport
Wem Koffein oder Booster vor dem Sport zu hart sind, kann L-Theanin ausprobieren
Foto: Getty Images

Koffein als natürlicher Wachmacher verhalf dem Kaffee zum Aufstieg als beliebtestes Getränk der Deutschen. Nun wird die Aminosäure L-Theanin als weiteres Wundermittel angepriesen. Es soll die Konzentration fördern, dabei beruhigen und entspannen und gleichzeitig nicht müde machen. Und am besten wirkt es zusammen mit Koffein. Aber ist das kein Widerspruch? Und wo ist es enthalten? FITBOOK erklärt, was es damit auf sich hat.

In einer Leistungsgesellschaft, in der nur noch das Maximum zählt, steigt der Wunsch nach leistungsfördernden Mitteln. Die heutige Informationsflut, die fortschreitende Digitalisierung und die sich immer schneller wandelnden Realitäten bringen den Menschen an die Grenzen seiner geistigen Fähigkeiten. Wie verführerisch erscheint da das Versprechen, mit einer ungefährlichen Substanz dem Gehirn auf die Sprünge helfen zu können und das persönliche Leistungsniveau zu pushen.

L-Theanin ist solch ein Versprechen: bessere Konzentrationsfähigkeit, innere Ruhe, mehr Ausgeglichenheit – und dabei keine Müdigkeit. Und das Beste: Es ist auch noch natürlich. Denn die Aminosäure L-Theanin kommt vor allem in grünem und schwarzem Tee vor.

Die Blätter eines grünen Tees

Grüner Tee enthält besonders viel von L-Theanin, das stressmildernd und gleichzeitig konzentrationsfördernd wirkt
Foto: Getty Images

Eine Win-Win-Situation für Teetrinker

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass L-Theanin im Tee gewissermaßen den Gegenspieler zum Koffein darstellt. Denn Koffein macht nicht nur wach, sondern hat auch unangenehme Nebenwirkungen. Vor allem in höheren Dosen kann es zu Herzrasen, innerer Unruhe, Schlaflosigkeit und erhöhtem Blutdruck führen. Hier kommt das L-Theanin ins Spiel, indem es die negativen Effekte des Koffeins neutralisieren können soll. Was eintritt, ist die oft beschriebene Wirkung des grünen Tees: Er macht sanft wach – nicht so aufputschend wie Kaffee, dafür lang anhaltend – und entspannt dabei. Eine Win-Win-Situation für den Teetrinker.

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In einer Studie der Universität von Shizuoka in Japan konnte bereits 1999 gezeigt werden, dass L-Theanin die sogenannten α-Wellen im Hirn stimuliert. Das sorgt für Entspannung, ohne jedoch Schläfrigkeit auszulösen. Die Wissenschaftler konstatierten, dass L-Theanin und somit auch der Genuss grünen Tees eine stressmindernde Wirkung haben. Zudem berichteten sie von früheren Tierstudien an Ratten, die gezeigt hätten, dass L-Theanin sich auch positiv auf die Lernleistung und das Erinnerungsvermögen der Tiere auswirkte.

In einer weiteren Studie aus Japan aus dem Jahr 2006 konnte die entspannende Wirkung von L-Theanin auf Menschen bestätigt werden.

Die Industrie versucht, die Wirkung von L-Theanin zu potenzieren und in Nahrungsergänzungsmitteln zu verkaufen. Denn was gut im Tee funktioniert, müsste sich doch mit einem künstlich hochdosierten Getränk oder Snack verstärken lassen – so zumindest die Theorie.

In Deutschland sind Getränke mit zugesetztem L-Theanin nicht erlaubt

Allerdings ist in Deutschland der Einsatz von künstlich zugesetztem L-Theanin in Getränken nicht erlaubt. Der Grund dafür ist eine vorsichtige Einschätzung des Bundesamts für Risikobewertung (BfR) aus dem Jahr 2003. Darin heißt es: „Aufgrund der Tatsache, dass über erwünschte und unerwünschte Wirkungen von isoliertem L-Theanin im menschlichen Organismus noch zu wenig bekannt ist, lehnt das BfR den Zusatz von isoliertem L-Theanin in Getränken ab.“

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Obwohl L-Theanin in natürlich vorkommenden Mengen wie beispielsweise im Tee als unbedenklich gilt, so sieht das BfR insbesondere das Risiko negativer Effekte auf das Reaktionsvermögen und die Aufmerksamkeit bei sehr hohen künstlich zugeführten Dosen als nicht ausreichend geklärt. Auch Wechsel- und Verstärkungseffekte in Verbindung mit Alkohol und Medikamenten seien laut BfR nicht erforscht. Diese Risikofaktoren führten letztendlich dazu, dass Getränke mit künstlich zugesetztem L-Theanin auf dem deutschen Markt nicht verkauft werden dürfen.

Als Pulver ist L-Theanin freiverkäuflich

Erstaunlich ist jedoch die Tatsache, dass isoliertes L-Theanin als Pulver freiverkäuflich ist und sich somit jeder selbst Getränke sowie andere Lebensmittel damit anreichern kann. Oft wird es auch in Kapselform vertrieben. Wenig Bedenken hat die amerikanische Zulassungsbehörde für Arznei- und Lebensmittel (FDA) und verlieh L-Theanin bereits im Jahr 2007 das Prädikat „gesundheitlich unbedenklich“.

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So geht die FDA laut ihrer Studienauswertung davon aus, dass 250 Milligramm L-Theanin pro Portion in Getränken und Nahrungsmitteln bedenkenlos eingenommen werden können. Das entspräche ungefähr dem, was ein normaler Tee-Trinker pro Tag zu sich nehme. Laut der FDA komme ein starker Tee-Trinker auf bis zu 825 mg L-Theanin pro Tag. Somit wird auch dieser Wert als unbedenklich eingestuft.

Lieber Tee statt L-Theanin-Pulver

Wer sich also entspannen möchte, gleichzeitig aber auch geistig fit sein will, muss nicht zu teuren und künstlich hergestellten Nahrungsergänzungsmitteln greifen. Unsere Empfehlung: einfach mal öfter schwarzen und grünen Tee trinken.