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Fitnessbooster?

Die Wirkung von L-Arginin im Körper

Viele Supplement-Hersteller verkaufen L-Arginin in Kapselfom. Das braucht der Körper aber eigentlich gar nicht, denn er kann die Aminsäure selbst herstellen.
Foto: dpa

L-Arginin findet man als Nahrungsergänzungsmittel im Angebot vieler Supplement-Hersteller. Denn die Aminosäure soll nicht nur ein Potenzmittel, sondern auch ein Booster für den Muskelpump sein. Ob diese und noch weitere Wirkungen so wirklich stimmen? FITBOOK hat bei einem Ernährungsmediziner nachgefragt.

Was ist L-Arginin?

L-Arginin ist eine semi-essentielle (bedingt lebensnotwendige) Aminosäure – ein Proteinbaustein, den unser Körper teils selbst herstellen kann. Aminosäuren sind die Vorstufe von Enzymen (Stoffwechselkatalysatoren) und Neurotransmittern (Botenstoffen). Sie regulieren beinahe alle Stoffwechselprozesse im menschlichen Organismus und stellen eine Vielzahl der Hormone her, die Nährstoffe und Sauerstoff durch den Körper transportieren. Aminosäuren können außerdem Gewebe, Organe, Muskeln, Haut und Haare bilden. Das alles macht sie für unsere Gesundheit unentbehrlich. L-Arginin im Speziellen werden daneben noch eine Reihe interessanter Wirkungen nachgesagt.

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Muskelpump und Potenzsteigerung durch L-Arginin

Zum einen soll L-Arginin für stärker sichtbare, aufgepumpte Muskeln sorgen. Woher das kommt? „Aus L-Arginin wird Stickstoffmonoxid (NO) gebildet. Das wiederum hat eine gefäßerweiternde Wirkung“, erklärt Prof. Dr. Hans Hauner, Direktor des Else Kröner-Fresenius-Zentrums für Ernährungsmedizin der TU München. In der Folge würden die erweiterten Arterien dafür, dass die Muskeln mehr Pump haben.

Auch ist L-Arginin vielen als natürliches Potenzmittel ein Begriff. Dies soll ebenfalls auf der durchblutungsfördernden Wirkung beruhen. Die Verbraucherzentrale allerdings warnt vor falschen Versprechungen durch Hersteller von L-Arginin-Präparaten. So habe die Einnahme auch höherer Dosen Arginin auf die Erektions­fähigkeit in Langzeit­studien keine Effekte gezeigt. Auch eine Steigerung der Durchblutung sei wissen­schaftlich nicht zu belegen. „Die in Nahrungs­ergänzungsmitteln enthaltene Menge der Aminosäure wird als völlig wirkungslos angesehen“, heißt es in der entsprechenden Pressemitteilung.

Eine Erektionsschwäche könne vor allem ein wichtiger Hinweis auf ernstzunehmende Krankheiten wie z.B. eine Verengung der Blutgefäße des Herzens sein. Daher rät die Verbraucherzentrale dazu, dies immer ärztlich abklären zu lassen.

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Wirkung von L-Arginin auf das Herz-Kreislauf-System

Eine tatsächlich nachweisbare Wirkung habe L-Arginin jedoch auf das Herz-Kreislauf-System bzw. den Blutdruck, erklärt Prof. Hauner, der auch Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung ist. „Hierzu gibt es einige Studien am Menschen, die nahe legen, dass L-Arginin eine leichte blutdrucksenkende Wirkung hat“, erläutert er. Diese sei allerdings nur erkennbar, wenn man wirklich an erhöhtem Blutdruck leide. L-Arginin könne bei chronischem Bluthochdruck jedoch in keinem Fall als Medikation eingesetzt werden. „Ein echter Blutdrucksenker ist es natürlich nicht. Zu hoher Blutdruck und eine etwaige Medikation sollten immer ausführlich mit einem fachkundigen Arzt abgeklärt werden.“ Der Experte erklärt weiter, dass bei Bluthochdruck vor allem auch Faktoren wie Ernährung, Sport, Gewicht und der allgemeine Lebenswandel eine große Rolle spielen. An diesem Punkt solle man immer vorrangig ansetzen, so der Mediziner.

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Kann L-Arginin den Blutzuckerspiegel senken?

Eine weitere interessante Annahme: L-Arginin soll den Blutzuckerspiegel auf natürliche Weise senken können. Dies ging insbesondere aus einer Studie des Herz- und Diabeteszentrums Mailand hervor. Auch hierzu hat FITBOOK bei Prof. Hans Hauner nachgefragt. Er kann dies allerdings nicht bestätigen: „Im Rahmen einer Diabetes würde ich nicht explizit zur Einnahme von L-Arginin raten, weder zur Vorbeugung noch zur Behandlung.“ Entsprechende Studien sind aus seiner Sicht nicht aussagekräftig genug. Es würde zwar oft damit argumentiert werden, Diabetiker hätten zu wenig L-Arginin im Körper – das sei jedoch so nicht korrekt. „Menschen mit Diabetes, die sich gesund und ausgewogen ernähren, haben in der Regel keine Mangelerscheinungen, auch nicht an L-Arginin“, erklärt der Experte.

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Tagesbedarf und Einnahme von L-Arginin

Der durchschnittliche Tagesbedarf an L-Arginin liegt zwischen zwei und fünf Gramm. Die körpereigene Produktion reicht nicht aus, um diesen vollständig zu decken. Man kann jedoch mit der täglichen Ernährung zusätzlich L-Arginin zu sich zu nehmen. Lebensmittel, die sich dafür besonders eignen, sind etwa Kerne und Samen, Nüsse, Fleisch, ungeschälter Reis sowie Lachs und Thunfisch oder auch Erbsen, Sojabohnen und Kuhmilch. Angst vor einem L-Arginin Mangel muss man laut Prof. Hauner übrigens nicht haben: „Wer sich ausgewogen und nicht einseitig ernährt, wird mit seiner täglichen Nahrung im Normalfall genug L-Arginin aufnehmen.“ Die zusätzliche Einnahme durch spezielle Nahrungsergänzungsmittel sei demnach auch nicht notwendig.