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Low Carb und Low Calories

Bei Diabetes auf Medikamente verzichten? Ernährungsumstellung kann laut Studie helfen

Ernährung und Diabetes: Tabletten und eine Spritze auf einem Tisch
Die richtige Ernährung kann Diabetes in vielen Fällen offenbar so weit abschwächen, dass Betroffene Medikamente absetzen könnenFoto: Getty Images

Für Diabetiker gehören Medikamente häufig zu ihrem Alltag. Doch das muss offenbar nicht zwingend so sein. Laut einer Studie hilft besonders eine spezifische Ernährungsumstellung dabei, Diabetes in den Griff zu bekommen. In vielen Fällen sogar so weit, dass Medikamente überflüssig werden.

Täglich Tabletten schlucken oder sich eine Spritze setzen – das ist für viele an Diabetes Erkrankte zwar Routine, aber auch belastend. Nicht zuletzt kann es zu Nebenwirkungen kommen, die die Lebensqualität von Diabetikern beeinträchtigt. Dass man über die Ernährung Einfluss auf Diabetes bzw. den Blutzuckerspiegel nehmen kann, ist bekannt. Jetzt belegte eine Studie, welche Ernährungsweise sich dafür besonders eignet – und zwar so gut, dass ein beachtlicher Teil der Untersuchten sogar die Medikamente absetzen konnte. Das Geheimnis liegt offenbar in der Kombination von Low Carb, Low Calories und High Protein.

Studie umfasst Ernährungsumstellung über zwölf Wochen

Um den Einfluss der Ernährung auf Diabetes Typ 2 und die Notwendigkeit von Medikamenten zu untersuchen, arbeiteten die Wissenschaftler der Universität von British Columbia (Kanada) mit zwölf Apotheken zusammen. Diese wiesen die Teilnehmer aus ihrer jeweiligen Gemeinde mit einem Zufallsverfahren entweder der Studiengruppe oder der Kontrollgruppe zu. Insgesamt nahmen 188 Probanden an der zwölfwöchigen Studie teil.1

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Wie wirkt sich eine Ernährung mit wenig Kohlenhydraten und wenig Kalorien auf Diabetes aus?

Unter Anleitung und Aufsicht des Apotheken-Personals folgten die 98 Probanden der ersten Gruppe einem vorgefertigten Ernährungsplan. Dieser enthielt eine Reihe von kohlenhydratarmen, kalorienreduzierten und proteinreichen Mahlzeiten und Snacks, die mit ausgewählten Fleisch- und Gemüsesorten kombiniert wurden. Insgesamt nahmen die teilnehmenden Diabetiker pro Tag 50 Gramm Kohlenhydrate, 35 bis 45 Gramm Fett, 110 bis 120 Gramm Eiweiß und 850 bis 1100 Kilokalorien zu sich.

Einmal wöchentlich trafen sich die Probanden mit den Pharmazeuten und einem Coach, um den Fortschritt der Untersuchung festzuhalten und bei Bedarf die Dosierung der Diabetes-Medikamente anzupassen. Die 90 Personen aus der Kontrollgruppe änderten dagegen nichts an ihrem Essverhalten.

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Ein Drittel der Probanden konnte Medikamente absetzen

Am Ende der zwölf Wochen Ernährungsumstellung hatten 35,7 Prozent (ein Drittel) der Teilnehmer ihre blutzuckersenkenden Medikamente vollständig abgesetzt. Außerdem hatte sich bei 17,3 Prozent der Diabetiker der HbA1c-Wert auf unter 6,5 Prozent gesenkt. Damit lag er unter dem Richtwert, der für die Diagnose von Diabetes angewendet wird.

Darüber hinaus hatte die Umstellung der Ernährung auf Low Carb und Low Calories weitere positive, gesundheitliche Auswirkungen. So waren auch die Werte weiterer Blutmarker am Ende der zwölfwöchigen Studie niedriger als zuvor. Dies betraf Nüchternglukose, Triglyzeride und Gamma-GT (GGT). Während Nüchternglukose ein Indikator für Diabetes ist, steigt bei erhöhten Triglyceridwerte das Risiko für Schäden an den Blutgefäßen (Arteriosklerose). GGT-Werte geben hingegen Auskunft über mögliche Lebererkrankungen.

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Medizinische Aufsicht ist wichtig

Mit Ernährung lässt sich Diabetes abschwächen oder sogar umkehren – zu diesem Ergebnis kommt die kanadische Studie. Zugleich möchten die Autoren aber auch die Bedeutung der medizinischen Aufsicht, die in diesem Fall durch Apotheker erfolgte, betonen.2 Mit einer Ernährungsumstellung Einfluss auf Diabetes zu nehmen, bedeutet, dass sich am Bedarf der Medikation schnell etwas ändern kann. Eine zu hohe Dosierung kann dabei genauso Nebenwirkungen haben wie eine zu niedrige. Hier gilt es, unter medizinischer Anleitung schnell und fachlich akkurat zu reagieren.

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