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Das sagen Experten

Ist die Erbsenmilch „vly“ aus DHDL besser als andere Milchalternativen?

„Vlyheit für alle Kühe!“: Mit diesem Slogan werben die Gründer Nicolas Hartmann, Niklas Kattner und Moritz Braunwarth für ihre pflanzliche Milchalternative „vly“. Das Produkt aus Erbsenprotein soll vor allem in Sachen Nährwerte und Nachhaltigkeit anderen Milchalternativen den Rang ablaufen. In der „Höhle der Löwen“ bei VOX versuchen sie den Investoren einen Deal in Höhe von 500.000 Euro für 8 Prozent ihrer Unternehmensanteile schmackhaft zu machen. Aber was sagen Ernährungsexperten zum Erbsendrink?

Wie kam es zu der Idee für „vly“?

Nicolas Hartmann aus Berlin wollte ursprünglich Profi-Basketballer werden. Eine Entzündung im Ellenbogen ließ den Traum des damals 16-Jährigen allerdings platzen. Nach diesem harten Rückschlag fing er an, sich intensiv mit Ernährung und ihrem Einfluss auf die körperlichen Prozesse zu beschäftigen und lebt nun seit sechs Jahren komplett vegan. Aus diesem Lifestyle heraus entstand seine Idee, eine vegane, nachhaltige Milchalternative mit den bestmöglichen Nährwerten zu entwickeln.

Gemeinsam mit dem gelernten Koch Moritz Braunwarth und dem studierten Juristen und BWLer Niklas Kattner gründete er daraufhin das Start-up „vlyFoods“. An der Technischen Universität Berlin tüftelten die drei Gründer zwei Jahre lang an der optimalen Rezeptur für ihr Produkt. Fast eine Million Euro haben sie dabei bereits in die Entwicklung investiert. Heraus kam „vly“, ein Milchersatz aus Erbsenprotein, Rapsöl, natürlichen Extrakten und Wasser – das Ganze frei von Soja, Gluten, Nüssen oder anderen Allergenen.

Was unterscheidet „vly“ von anderen Milchalternativen? 

Ob Soja-, Mandel-, Hafer-, Reis-, Cashew- oder Kokosmilch – pflanzliche Milchalternativen sind schon längst keine Neuheit mehr auf dem Lebensmittelmarkt. Vor allem aufgrund des wachsenden Interesses der Bevölkerung an veganer Ernährung erfreuen sie sich großer Beliebtheit. Inwiefern ist die Erbsenmilch von „vly“ also eine Innovation? „Die bestehenden Milchalternativen haben ein großes Problem – sie haben alle nicht den gleichen Nährwert- und Proteingehalt wie Kuhmilch“, erklären die Gründer. Vor allem Soja- und Hafermilch würden oft mehr Zucker und Kohlenhydrate enthalten. Die Erbsenmilch „vly“ soll nun eine nährstoffreichere und dabei zuckerärmere Alternative darstellen.

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Hierfür preisen die Gründer vor allem die Basis für das Getränk an: Erbsenprotein aus der gelben Spalterbse. Diesem werden viele positive gesundheitliche Wirkungen nachgesagt. So soll es blutzuckerregulierend wirken, besonders gut für den Muskelaufbau sein, das Sättigungsgefühl länger anhalten lassen und viele Aminosäuren enthalten.

Ein weiterer Vorteil, den die Gründer von „vly“ hervorheben, sei die nachhaltige Herstellung. Kuhmilch sowie auch die Sojabohne, aus der viele vegane Ersatzproduke hergestellt werden, waren an diesem Punkt schon öfter in die Kritik geraten. Die gelbe Spalterbse hingegen habe einen deutlich niedrigeren Wasserverbrauch im Anbau. Laut eigener Aussage der Gründer werde bei der Produktion von „vly“ dreizehnmal weniger Wasser und fünfmal weniger Anbaufläche als bei Kuhmilch benötigt. Damit habe ihr Produkt eine deutlich bessere Umweltbilanz. Auch die Verpackung bestehe zu 82 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen, bei der Bestellung über den Online-Shop werde klimaneutral versandt.

Schmeckt „vly“ eigentlich nach Erbsen?

Im Aussehen und der Konsistenz ähnelt die Erbsenmilch von „vly“ normaler Kuhmilch. Denn sie ist keineswegs gelb oder grün, sondern etwas cremig und weiß. Geschmacklich ist sie allerdings nicht mit herkömmlicher Milch vergleichbar. Aber keine Sorge, nach Erbsen schmeckt sie deshalb nicht. Wie die meisten Pflanzendrinks aus Hülsenfrüchten erinnert der Geschmack eher an einen Sojadrink: neutral oder leicht getreidig bzw. nussig.

Der Erbsendrink im Nährwert-Check

Aber wie genau sehen nun die Nährwerte von „vly“ aus? Nachfolgend eine Übersicht der Sorte „Ungesüsst“.

Nährwerte „vly“ Ungesüsst pro 100ml

Energie 163 kJ
39 kcal
Fett
– einfach ungesättigte Fettsäuren
– mehrfach ungesättigte Fettsäuren
– gesättigte Fettsäuren
1,8g
1,1g
0,5g
0,1g
Kohlenhydrate
davon Zucker
0,5g
0,0g
Protein 5,2g
Salz 0,24g
Calcium 163 mg (20%**)
Magnesium 82 mg (22%**)
Kalium 272 mg (14%**)
Jod 30 µg (20%**)
Selen 14 µg (25%**)
Vitamin B2 0,35 mg (25%**)
Vitamin D2 5 µg (100%**)
Vitamin B12 2,5 µg (100%**)
** der Nährstoffbezugswerte

Zum Vergleich, Sojamilch enthält auf 100 ml etwa 40 bis 60 Kcal und nur 2 bis 3 Gramm Eiweiß sowie 6 Gramm Kohlenhydrate. Kuh-Vollmilch hat etwa 65 Kcal auf 100 ml bei ebenfalls etwa 3 Gramm Eiweiß und knapp 5 Gramm Kohlenhydraten.

Besonders gravierend ist der Unterschied im Proteingehalt zur beliebten Hafer- sowie auch zur Mandelmilch. Beide Sorten enthalten auf 100 ml nur etwa 0,9 Gramm Eiweiß. Hafermilch hat außerdem knapp 8 Gramm Kohlenhydrate, Mandelmilch etwa 4 Gramm.

Welche Sorten gibt es und wo kann man sie kaufen?

Die pflanzliche Milchalternative von vlyFoods gibt es derzeit in den Varianten Original, Barista sowie Ungesüsst. Alle Sorten bestehen hauptsächlich aus den Bestandteilen Wasser, Erbsenprotein und Rapsöl. Die „vly“ Original und „vly“ Barista sind leicht gesüsst und enthalten zusätzlich Rohrzucker. Den höchsten Proteingehalt hat die Sorte Ungesüsst mit ca. 6,2 Prozent Erbsenprotein. Die Barista-Version eignet sich am besten für Kaffeespezialitäten, da man sie aufschäumen kann.

„vly“ gibt es bereits im Einzelhandel in einigen Rewe-, Edeka- und Rossmann-Märkten zu kaufen. Außerdem kann man die Erbsenmilch für 2,50 Euro pro Liter im Onlineshop von „vly“ bestellen, allerdings erst ab einer Mindestbestellmenge von 6 Stück.

Ernährungsexperten fällen ein kritisches Urteil zu „vly“

Aber ist „vly“ nun wirklich das neue Must-Have unter den Milchalternativen? Eher kritisch äußert sich dazu Ernährungswissenschaftler Uwe Knop „Ich bin kein Freund von Nährwerten einzelner Produkte, da dies irrelevant für die Ernährung insgesamt ist“, so der Experte. Wer sich vielfältig und abwechslungsreich ernähre und dabei auf seinen Körper höre, müsse am Ende des Tages nicht zwingend auf die vermeintlich besseren Nährwerte von Erbsenmilch zurückgreifen. „Hier wird versucht, ein USP zu generieren, der de facto keine Rolle spielt“, lautet sein kritisches Urteil.

„Viel wichtiger, um nicht zu sagen, alles entscheidend ist: Schmeckt mir Erbsenmilch? Vertrage ich Erbsenmilch ? Trinke ich sie gerne und mit Genuss?“, sagt der Experte weiter. Wer all diese Fragen mit „Ja“ beantwortet kann, könne Erbsenmilch natürlich gerne trinken. Letztlich müsse man sich einfach fragen, ob man dafür mehr Geld ausgeben möchte. Abschließend warnt er davor, auf falsche Gesundheitsversprechen hereinzufallen. „Dahinter stecken oftmals einfach Marketingzwecke“, so Knop. Er rät dazu bei Interesse einfach zu probieren und danach selbst zu entscheiden. Wem Erbsenmilch nicht schmecke, der verpasse laut dem Ernährungsexperten aber auch nichts.

Starke Anreicherung mit B-Vitaminen und Vitamin D problematisch

Dem schließt sich auch Sabine Hülsmann, Fachberaterin für Lebensmittel und Ernährung der Vebraucherzentrale Bayern, an. Es handle sich ihrer Meinung nach grundsätzlich um einen mit anderen Produkten vergleichbaren Pflanzendrink. Im puncto Nachhaltigkeit kritisiert sie die fehlende Transparenz des Herstellers. „Die Rohstoffe Erbsenprotein und auch Rapsöl können aus Deutschland bezogen werden, so dass keine weiten Transportwege anfallen. Das ist sehr positiv. Allerdings findet man auf der Homepage des Herstellers keinen Hinweis über die Herkunft der Rohstoffe, so dass man nur hoffen kann, dass diese auch tatsächlich regional sind“, so Hülsmann.

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Problematisch sieht sie auch die starke Anreicherung des Erbsendrinks mit B-Vitaminen und Vitamin D. „Die Begründung des Hersteller ist, dass sich Personen bei ihrer Ernährungsumstellung auf vegane Kost keine Sorgen bezüglich ihrer Nährstoffversorgung machen müssen. Aber diese Produkte werden ja nicht ausschließlich von Veganern gekauft“, gibt sie zu bedenken. Würde man also zum Beispiel etwa 400 ml des „vly“-Drinks trinken, so decke man dadurch bereits seinen Bedarf an den genannten Vitaminen. „Aber man nimmt in der täglichen Ernährung ja auch noch andere Lebensmittel zu sich. Diese extra hohe Anreicherung sehen wir also eher problematisch“, urteilt die Expertin. Ihr abschließendes Fazit zur Erbsenmilch: „Das Produkt von „vly“ ist Produkten anderer Hersteller nicht überlegen.“

Zu hohe Unternehmensbewertung von „vly“ schreckt Löwen ab

500.000 Euro für 8 Prozent ihrer Unternehmensanteile – das versuchten die drei „vly“-Gründer den Investoren in der „Die Höhle der Löwen“ schmackhaft zu machen. Sowohl der Unternehmer Nils Glagau, als auch Teleshopping-Expertin Judith Williams zeigten zwar Interesse an „vly“, stiegen aber aufgrund der ihrer Meinung nach zu niedrigen Unternehmensanteile und zu hohen Bewertung letztlich aus. Das einzige Gegenangebot erfolgte von Investor Georg Kofler, für 35 Prozent Beteiligung am Unternehmen war er bereit die 500.ooo Euro Kapital bereitzustellen. Nach kurzer Beratung boten die Gründer im Gegenzug an, ihr Angebot von 8 auf 10 Prozent zu erhöhen. „Da kommen wir leider nicht zusammen“, erklärte Kofler. Damit mussten die Gründer von „vly“ ohne einen Löwen-Deal nach Hause fahren.