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Mebendazol an Mäusen getestet

Bekanntes Wurmmittel soll Bauchspeicheldrüsenkrebs verlangsamen und stoppen können

Frau mit Handschuhen, Maske und in Laborkittel hält eine Maus in den Händen
Forscher haben an Labormäusen ein Wurmmittel gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs getestetFoto: Getty Images

Mebendazol ist eigentlich ein Mittel gegen Darmparasiten. Forscher haben jetzt getestet, ob das Wurmmittel auch bei Bauchspeicheldrüsenkrebs hilft. Erste Untersuchungen an Mäusen geben tatsächlich Grund zur Hoffnung.

Im Kampf gegen Krebs hat die Medizin enorme Fortschritte gemacht. Dennoch ist Krebs noch immer die zweithäufigste Todesursache nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen.1 Eine besonders aggressive Krebsart ist Bauchspeicheldrüsenkrebs. Die Behandlung ist nach wie vor schwierig. Nun haben US-Forscher womöglich einen vielversprechenden neuen Ansatz gefunden, die Erkrankung in Schach zu halten, wenn nicht gar zu stoppen. Und zwar mit Hilfe eines Wurmmittels, das die Forscher an Mäusen getestet haben.

Wurmmittel verlangsamt Bauchspeicheldrüsenkrebs bei Mäusen

Das Forscherteam um Gregory Riggins von der Johns Hopkins Universität in Baltimore zeigt in einer Studie, dass das Antiparasitikum Mebendazol die Entstehung von Bauchspeicheldrüsenkrebs verhindern kann.2 Zudem soll der Wirkstoff das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen und auch verhindern, dass sich Metastasen bilden. Allerdings wurde das Wurmmittel bislang nur unter Laborbedingungen an Mäusen getestet. Doch immerhin: Mebendazol stoppt bei den Tieren Wachstum und Ausbreitung von Bauchspeicheldrüsenkrebs auch im späten Stadium der Erkrankung.

Was haben die Forscher genau untersucht?

Riggins und sein Forscherteam veränderten Mäuse gentechnisch, so dass diese Bauchspeicheldrüsenkrebs entwickelten. Den erkrankten Tieren verabreichten die Wissenschaftler daraufhin Mebendazol. Anschließend beobachteten sie sowohl Entzündungen wie Veränderungen des betroffenen Gewebes. Zudem hielten die Forscher das Stadium der Erkrankung fest. Sie untersuchten auch den Grad jedes Tumors und wie weit dieser Metastasen bildete.

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Was ist Mebendazol?

Sie heißen Madenwürmer, Spulwürmer, Haken- und Peitschenwürmer. Gegen einen Befall durch diese Darmparasiten hilft in der Regel der Wirkstoff Mebendazol. Ein bekanntes Medikament mit dem Wirkstoff heißt „Vermox“. Das Wurmmittel stoppt bei den Darmparasiten deren Nahrungsaufnahme. Diese „verhungern“ schließlich und werden mit dem Stuhl ausgeschieden. Die Forscher vermuten nun, dass Mebendazol auch die Krebszellen beim Bauchspeicheldrüsenkrebs aushungert. Die Zellstruktur bricht zusammen und auch Entzündungsherde werden verringert.

Warum ist Bauchspeicheldrüsenkrebs so gefährlich?

Zwar tritt diese Krebsart mit rund drei Prozent unter den Krebserkrankungen in Deutschland relativ selten auf. Bauchspeicheldrüsenkrebs gilt jedoch als besonders bösartig. An Pankreaskarzinom, wie Bauchspeicheldrüsenkrebs in Fachkreisen genannt wird, erkranken hierzulande etwa 19.000 Menschen pro Jahr. In der Regel steigt das Risiko einer Erkrankung mit zunehmendem Alter.3 Wie die Forscher der US-Studie zudem schreiben, ist Bauchspeicheldrüsenkrebs in den USA derzeit die dritthäufigste Krebstodesursache und könnte bis 2030 an zweiter Stelle stehen.

Das Perfide: Oftmals verspürt man im Frühstadium keine Symptome. Erkrankte erhalten die Diagnose deshalb meist im fortgeschrittenen Stadium. Hauptautor der Studie Gregory Riggins schreibt, die mittlere Lebenserwartung nach der Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs liege bei 14 Wochen.

Eine erfolgreiche Behandlung ist im fortgeschrittenen Stadium bislang schwierig, kann die Lebenserwartung jedoch mitunter verlängern. Je nach Gesundheitszustand und Ausbreitung der Erkrankung kann die Bauchspeicheldrüse operativ entfernt werden. Es können auch Strahlen- und Chemotherapie eingeleitet werden.4

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Wie Mebendazol beim Menschen eingesetzt werden könnte

Riggins empfiehlt, Mebendazol als Therapie einzusetzen, wenn noch keine Metastasen beim Bauchspeicheldrüsenkrebs aufgetreten sind. Gerade im Frühstadium zeige sich laut der Studie eine eindämmende Wirkung gegen die Krankheit. Auch bei Betroffenen im höheren Stadium könne der Wirkstoff zum Einsatz kommen – im Rahmen der Nachbehandlung nach Operationen oder in Kombination mit Chemotherapie und Bestrahlung. Denn nach einer Erstbehandlung ist Mebendazol offenbar hilfreich, ein Wiederauftreten des Tumors zu verhindern. Womöglich käme der Wirkstoff sogar als Alternative zu bestimmten Operationen in Frage.

Riggins und sein Team fordern nun weitere Untersuchungen, um die Wirksamkeit von Mebendazol bei Bauchspeicheldrüsenkrebs beim Menschen zu untermauern.

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