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Schottische Studie

Erhöhtes Demenzrisiko bei ehemaligen Fußballprofis

Demenz Fußballer
Ex-Profi-Fußballer haben ein erhöhtes Risiko, an Demenz zu erkrankenFoto: Getty Images

Fußball ist der beliebteste Sport der Deutschen. Wann immer ein Bundesliga- oder Länderspiel ansteht, sitzen Fans gebannt vor den Fernsehern. Außerdem lieben es viele, in ihrer Freizeit selbst „das Leder“ zu kicken. Wer den Sport professionell betreibt, setzt sich jedoch gesundheitlichen Risiken aus – und zwar über Bänderrisse und Co. hinaus. Wie schottische Forscher herausfanden, haben ehemalige Profi-Kicker ein erhöhtes Demenzrisiko. Welche Rolle spielt die Spielposition?

Im Vergleich zur Normalbevölkerung ist das Risiko, an Demenz zu sterben, für Männer, die früher professionell Fußball gespielt haben, offenbar durchschnittlich 3,5 Mal höher als für die Normalbevölkerung. Das hatten Prof. Willie Stewart, der die FIELD (Football’s Influence on Lifelong Health and Dementia Risk) Studie leitet, und sein Team bereits in früheren Untersuchungen herausgefunden. Nun wollten die Forschenden genauer wissen: Spielen die Spielposition, Ära sowie Länge der aktiven Karriere eine zusätzliche Rolle für das erhöhte Demenzrisiko ehemaliger Profi-Fußballer?

Krankheitsakten von 7600 ehemaligen Profi-Fußballern analysiert

Die Forschenden der University of Glasgow verglichen die Krankheitsakten von 7676 ehemaligen Profi-Fußballspielern, die zwischen dem 1. Januar 1900 und dem 1. Januar 1977 geboren wurden, mit Daten von 23.028 normalen Männern. Dabei fanden sie heraus, dass das Risiko, neurodegenerative Krankheiten wie Demenz zu entwickeln, bei den Fußballern deutlich höher war als bei den Männern aus der Kontrollgruppe. 386 (5 Prozent) der 7676 Ex-Profi-Fußballspieler hatten die Diagnose einer neurodegenerative Krankheit erhalten, während dies nur bei 366 (1,6 Prozent) der 23.028 Nicht-Fußballer der Fall war. Außerdem stellte sich heraus, dass das Risiko, zu erkranken, mit der Länge der Fußballkarriere anstieg. Wer als Profi in der Vergangenheit länger als 15 Jahre gespielt hatte, wies das höchste Demenzrisiko auf. In welcher Ära (in welchem Jahrzehnt) die Spieler aktiv waren, war offenbar egal.

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Demenz bei Profi-Fußballern – ehemalige Verteidiger besonders gefährdet

Was laut der Studie dagegen sehr wohl eine Rolle zu spielen scheint, ist die Position, auf der ein Fußballer gespielt hat. So sind ehemalige Feldspieler viermal gefährdeter als die Normalbevölkerung, an Demenz zu erkranken. Dagegen seien Torhüter nur doppelt so stark gefährdet. Das größte Risiko bei den Profi-Fußballern, später an Demenz zu erkranken, hätten ehemalige Verteidiger: Es liegt ungefähr fünfmal höher als das der Normalbevölkerung.

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Ex-Profi-Fußballer und Demenz – Forscher: »Sind Kopfbälle wirklich unabdingbar?

Sind Kopfbälle der Grund für das erhöhte Risiko für Demenz bei ehemaligen Profi-Fußballern? Die Forscher vermuten es, Belege hierfür gibt es aber noch nicht. „Mit der aktuellen Datenlage haben wir einen Punkt erreicht, an dem man Fußball mit einer gesundheitlichen Warnung versehen sollte. Wir sollten aufklären, dass wiederholtes Köpfen zu einem erhöhten Demenzrisiko führen kann“, betont Prof. Stewart in einer Pressemitteilung. „Der Fußball sollte sich die schwierige Frage stellen, ob Kopfball wirklich unabdingbar ist für das Spiel. Ist es wirklich notwendig, sich dem potenziellen Risiko einer degenerativen Hirnerkrankung auszusetzen?“

Quellen