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Weltweit im Jahr 2020

740.000 neue Krebsfälle laut Studie auf Alkoholkonsum zurückzuführen

Ein Mann öffnet zwei Bierflaschen
Klar, Alkohol ist nicht gesund – aber besteht gleich Krebsgefahr? Ja, sagt eine aktuelle Studie. Und dafür reichen offenbar schon moderate Mengen, wie z. B. ein, zwei Feierabendbierchen.Foto: Getty Images

Alkohol hat einer aktuellen Untersuchung zufolge 2020 mehr als 740.000 Krebsfälle weltweit verursacht. Sogar moderater Konsum, also ein Glas am Tag, könne die tückische Krankheit auslösen.

Dass Bier, Wein, Schnaps und Co. nicht nur berauschen, sondern potenziell krebserregend sind, ist einem Großteil der Bevölkerung weiterhin nicht bewusst. Auch aus diesem Grund haben führende Onkolog*innen sich zusammengetan, um mit den Ergebnissen ihrer erschreckenden Studie auf ein globales Problem aufmerksam zu machen: Rund 740.000 im Jahr 2020 diagnostizierte Krebsfälle sind allein auf den Konsum von Alkohol zurückzuführen. Männer sind davon stärker betroffen als Frauen.

Krebs durch Alkohol – ein Männer-Phänomen?

Bei den Ergebnissen sticht vor allem der Geschlechterunterschied bezüglich Alkohol und Krebs hervor, heißt es in der im Fachmagazin für Onkologie „The Lancet“ veröffentlichen Studie.1 So waren 568.700 der Fälle Männer – und damit ganze 77 Prozent der Krebsneuerkrankungen. Frauen erkrankten in 172.600 Fällen aufgrund von Alkoholkonsum an Krebs. Die zusammengerechnet rund 740.000 Fälle machen vier Prozent der 2020 gemeldeten Krebserkrankungen weltweit aus.

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Welche Krebsarten werden mit Alkohol in Verbindung gebracht?

Zu den häufigsten alkoholbedingten Krebsfällen zählen Leberkrebs, Speiseröhrenkrebs und Brustkrebs. Aber auch Mund, Rachen, Darm und Kehlkopf können betroffen sein. Diese Bereiche sind laut den Wissenschaftler*innen besonders anfällig, da Alkohol durch eine erhöhte Produktion schädlicher Chemikalien im Körper DNA-Schäden verursacht sowie die Hormonproduktion negativ beeinflusst.

Plus: Alkohol verschlimmert die krebserregende Wirkung anderer Substanzen wie beispielsweise Tabak. „Wir müssen bei politischen Entscheidungsträgern und der breiten Öffentlichkeit dringend das Bewusstsein für den Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und Krebsrisiko schärfen“, fordert Mitautorin Harriet Rumgay in der Pressemitteilung.2 So hält sie Warnhinweise auf Flaschen, Steuer- und Preiserhöhung sowie eine breitere Aufklärung für dringend nötige Strategien.

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Weltweite Daten über Alkoholkonsum ausgewertet

Für ihre Studie ermittelten die Forschenden den Alkoholkonsum pro Person und Land für das Jahr 2010 (ausgehend davon, dass es ungefähr zehn Jahre dauert, bis sich Krebs entwickelt und ausbricht) auf der Grundlage von Daten zur Alkoholproduktion, Steuer- und Verkaufsdaten sowie Umfragen. Anhand dieser Zahlen schätzten sie, wie viel Alkohol jeder Mensch pro Tag trank:

  • mäßiges Trinken wurde als Aufnahme von bis zu 20 Gramm pro Tag eingestuft, was ein bis zwei alkoholischen Getränken entspricht
  • riskantes Trinken mit 20 bis 60 Gramm pro Tag, etwa zwei bis sechs Drinks
  • starkes Trinken mit mehr als 60 Gramm pro Tag, entspricht mehr als sechs alkoholischen Getränken

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Selbst mäßiger Genuss von Alkohol ist für ein Teil der Krebsfälle verantwortlich

Anhand aller Parameter zeichnete sich ein recht klares Bild ab. Riskantes Trinken und starkes Trinken führten mit 39 Prozent (291.800 Fälle) bzw. 47 Prozent (346.400 Fälle) zum größten Anteil der Krebsfälle. Aber auch Menschen, die sich nur ein Glas Wein zum Abendessen gönnen, sind nicht davor gefeit. So macht schätzungsweise moderater Konsum 14 Prozent (103.100 Fälle) der alkoholbedingten Krebserkrankungen aus.

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21.500 Fälle allein in Deutschland

Der Ländervergleich bezüglich Krebsfälle und Alkohol fiel recht unterschiedlich aus. Deutschland liegt mit 21.500 Fällen (4 Prozent) im Mittelfeld. Weltweit am höchsten ist die Rate in der Mongolei, gefolgt von Mittel- und Osteuropa. In Kuwait, wo Alkohol aus religiösen Gründen ohnehin verboten ist, liegt die alkoholbedingte Krebsrate bei schätzungsweise null Prozent. „Trends deuten darauf hin, dass der Alkoholkonsum pro Person in vielen europäischen Ländern zwar zurückgeht, der Alkoholkonsum jedoch in asiatischen Ländern wie China und Indien sowie in Afrika südlich der Sahara zunimmt“, so Harriet Rumgay im Forschungsbericht. Darüber hinaus gebe es Hinweise darauf, dass die Corona-Pandemie in einigen Ländern zu erhöhtem Alkoholkonsum geführt hat. Und weiter: „Unsere Studie unterstreicht ebenso, dass selbst relativ geringer Alkoholkonsum Krebs auslösen kann, legt aber auch nahe, dass kleine Veränderungen die zukünftigen Krebsraten positiv beeinflussen könnten.“

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Einschränkungen der Studie

Harriet Rumgay und ihr Team räumen bei ihrer Studie mehrere Einschränkungen ein. So wurde vor allem mit geschätzten Werten gearbeitet. Außerdem seien aufgrund der Corona-Pandemie zahlreiche Krebsfälle 2020 womöglich gar nicht diagnostiziert worden. Darüber hinaus berücksichtigte die Hauptanalyse weder den früheren Alkoholkonsum noch einen Zusammenhang zwischen Tabakkonsum oder Fettleibigkeit mit Alkohol. Ebenso könnten einige Aufzeichnungen ungenau sein, insbesondere aus Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen.

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