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Studie zeigt

Wer bestimmte Antibiotika einnimmt, sollte wohl besser Zucker reduzieren

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Zucker könnte die Veränderungen der Darmflora während einer Behandlung mit Antibiotika verstärken, wie eine Studie nahelegt Foto: Getty Images/ARTUR PLAWGO / SCIENCE PHOTO LIBRARY
Isa Kabakci
Redakteur

8. Oktober 2026, 17:42 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Antibiotika wirken gegen schädliche Bakterien, können aber auch die nützlichen Bakterien im Darm verändern. Wie stark das passiert, könnte auch davon abhängen, was Patienten während der Behandlung essen. Wissenschaftler haben deshalb untersucht, welche Rolle die Ernährung, insbesondere Zucker, dabei spielt.

Was Zucker mit der Darmflora macht

Die Studie deutet darauf hin, dass viel Zucker die Auswirkungen von Breitbandantibiotika auf die Darmbakterien verstärken könnte. Breitbandantibiotika sind Medikamente, die gegen viele verschiedene Bakterienarten gleichzeitig wirken. Patienten, die während der Behandlung mehr Zucker, Süßigkeiten und zuckerhaltige Getränke (einschließlich medizinischer Trinknahrung) zu sich nahmen, hatten eine deutlich geringere Vielfalt an Bakterienarten im Darm. Gleichzeitig vermehrten sich bestimmte Bakterien aus der Gruppe der Enterokokken – speziell der potenzielle Krankheitserreger Enterococcus faecium – stärker.

So wurde die Studie durchgeführt

Forscher des Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York haben gemeinsam mit Kollegen weiterer US‑Forschungseinrichtungen Patienten mit Blutkrebs untersucht, die Stammzellen von einem Spender erhielten. Bei einer solchen Behandlung bekommen Patienten häufig starke Breitbandantibiotika, die gegen viele verschiedene Bakterien wirken und Infektionen behandeln oder verhindern sollen. Diese können die Zusammensetzung der Darmbakterien deutlich verändern.1

Die Wissenschaftler wollten wissen, ob die Ernährung dabei eine Rolle spielt. Sie dokumentierten bei 173 Patienten insgesamt 9419 Mahlzeiten. Die Patienten gaben jeweils an, wie viel sie davon tatsächlich gegessen hatten.

Von 158 Patienten untersuchten die Forscher außerdem insgesamt 1009 Stuhlproben. So konnten sie feststellen, welche Bakterien im Darm vorkamen und wie sich deren Zusammensetzung im Laufe der Behandlung veränderte. Anschließend verglichen sie diese Ergebnisse mit der Ernährung und der Einnahme von Antibiotika.

Den Zusammenhang zwischen Zucker und Antibiotika untersuchten die Forscher zusätzlich in Versuchen mit Mäusen.

Zucker verstärkte die Veränderungen unter Antibiotika

Interessant war vor allem der Vergleich mit Zeiten, in denen die Patienten keine Breitbandantibiotika bekommen hatten. Dann fanden die Forscher keinen Zusammenhang zwischen einem höheren Zuckerkonsum und der Zahl unterschiedlicher Bakterienarten im Darm. Der beobachtete Zusammenhang trat also nur während der Antibiotikabehandlung auf.

Die Berechnungen der Wissenschaftler zeigten auch, wie groß der Unterschied sein könnte: Während einer Behandlung mit Breitbandantibiotika waren zusätzliche 100 Gramm Zucker (bezogen auf das bereinigte Trockengewicht der Nahrung) mit rund 21 Prozent weniger Vielfalt unter den Darmbakterien verbunden.

Die Versuche mit Mäusen stützten die Beobachtungen. Bekamen die Tiere gleichzeitig ein Antibiotikum und Zucker (Saccharose), vermehrten sich Enterokokken deutlich stärker und hielten sich länger als bei einer Behandlung nur mit dem Antibiotikum. Zucker allein ohne Antibiotika hatte diesen Effekt nicht, da er den Enterokokken erst als Nährstoff dient, wenn die gesunden Konkurrenten durch das Antibiotikum beseitigt wurden.

Die Forscher betrachteten außerdem die Sterblichkeit der Patienten. Bei Patienten, die vergleichsweise viel Zucker zu sich nahmen, war jeder zusätzliche Tag einer Behandlung mit Breitbandantibiotika mit einem um etwa zwölf Prozent höheren Sterberisiko verbunden. Bei Patienten mit geringerem Zuckerkonsum war dieser Zusammenhang nicht statistisch signifikant.

Das bedeutet jedoch nicht, dass der Zucker für das höhere Sterberisiko verantwortlich war. Die Studie kann lediglich Zusammenhänge (Korrelationen) zeigen, aber nicht beweisen, was Ursache und was Wirkung ist. Auch andere Faktoren wie die Schwere der Grunderkrankung könnten die Ergebnisse beeinflusst haben.

Die Studie zeigt daher nicht, dass Patienten sofort eigenmächtig während einer Antibiotikabehandlung auf Zucker verzichten sollten. Ob eine zuckerarme Ernährung tatsächlich klinische Vorteile bringt, müssen weitere Studien klären.

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Stärken und Schwächen der Studie

Eine Stärke der Studie ist, dass die Forscher sehr genau erfassten, was die Patienten im Krankenhaus wirklich aßen. Zudem untersuchten sie während der Behandlung mehrfach Stuhlproben. Zusätzliche Berechnungen kamen zu ähnlichen Ergebnissen. Versuche mit Mäusen stützten den beobachteten Zusammenhang zwischen Zucker und Antibiotika.

Allerdings kann die Studie nicht beweisen, dass Zucker zusammen mit Antibiotika die Veränderungen der Darmbakterien verursacht hat. Die Patienten bekamen Breitbandantibiotika aus medizinischen Gründen, etwa bei Fieber oder Verdacht auf eine Infektion. Daher könnte auch ihr Gesundheitszustand die Ergebnisse beeinflusst haben. Zudem erhielten fast alle Patienten bereits vorbeugend andere Antibiotika.

Auch die Ernährung ließ sich nicht vollständig erfassen. Lebensmittel, die außerhalb des Krankenhauses gegessen wurden, fehlten teilweise. Beschwerden wie Übelkeit oder Appetitlosigkeit könnten ebenfalls beeinflusst haben, was und wie viel die Patienten aßen.

Da ausschließlich Patienten mit einer Stammzelltransplantation an einem einzigen Krankenhaus untersucht wurden, ist außerdem unklar, ob sich die Ergebnisse auf andere Patienten übertragen lassen. Die Studie wurde unter anderem von US-amerikanischen Forschungsinstituten, Stiftungen und Krebsforschungsprogrammen finanziert. Mehrere Autoren gaben zudem finanzielle Verbindungen zu Unternehmen aus den Bereichen Mikrobiom und Biotechnologie an.

Auch interessant: In welchen Produkten sich Zucker versteckt – und wann er gefährlich wird

Das zeigen ähnliche Studien zum Thema

Dass die Vielfalt der Darmbakterien bei Stammzelltransplantationen wichtig ist, zeigte bereits eine große Studie im Fachjournal „New England Journal of Medicine“.2 Forscher werteten fast 8800 Stuhlproben von rund 1360 Patienten aus Kliniken in den USA, Deutschland und Japan aus. Patienten mit einer vielfältigeren Darmflora hatten ein geringeres Sterberisiko. Auch diese Studie konnte allerdings nur Zusammenhänge zeigen.

Eine frühere Arbeit derselben Forschergruppe, an der auch die Unikliniken Regensburg und Frankfurt beteiligt waren, rückte ebenfalls einen Zucker in den Fokus: Milchzucker.3 Enterokokken nutzen ihn als Nahrung, um sich zu vermehren. Bei Mäusen bremste eine laktosefreie Ernährung das Wachstum der Bakterien. Patienten, die Milchzucker genetisch bedingt schlecht verdauen, wurden die Enterokokken nach einer Antibiotikabehandlung schlechter wieder los.

Quellen

  1. Dai, A., Ballweg, A., Jogia, W. et al. (2026). Sugar-rich foods exacerbate antibiotic-induced microbiome disruption. Nature ↩︎
  2. Peled, J. U., Gomes, A. L. C., et al. (2020). Microbiota as Predictor of Mortality in Allogeneic Hematopoietic-Cell Transplantation. The New England journal of medicine, 382(9), 822–834. ↩︎
  3. Stein-Thoeringer, C. K., Nichols, K. B., Lazrak, A., et al. (2019). Lactose drives Enterococcus expansion to promote graft-versus-host disease. Science (New York, N.Y.), 366(6469), 1143–1149. ↩︎

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