Zum Inhalt springen
logo Das Magazin für Fitness, Gesundheit und Ernährung
Mineralstoff-Special Nahrungsergänzungsmittel Vitamin D Vitamine Alle Themen
Studienlage

Kann man auch zu viel Vitamin D zu sich nehmen?

Kann man auch zu viel Vitamin D aufnehmen?
Vitamin D ist wichtig für den Körper, doch was sollte man bei der Supplementierung beachten? Foto: Getty Images
Artikel teilen
Melanie Hoffmann
Fitness- und Schlafexpertin

14. April 2026, 9:34 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Vitamin D ist wichtig für die Knochengesundheit. Während man das Hormon im Sommer über die Haut aufnehmen kann, ist es in den dunklen Monaten des Jahres sinnvoll, über eine Supplementierung nachzudenken. Was man dabei aber wissen sollte: Man kann Vitamin D auch überdosieren – mit negativen Folgen. Doch wie viel Vitamin D ist zu viel Vitamin D? Und wie wahrscheinlich ist eine Überdosierung überhaupt? FITBOOK klärt auf.

2022 sorgte der Fall eines Mannes aus England für Aufsehen, der 375-mal mehr Vitamin D als empfohlen eingenommen und dadurch einen siebenfach erhöhten Vitaminspiegel im Blut hatte. Durch die Überdosis (Hypervitaminose D) entwickelte er schwerwiegende gesundheitliche Beschwerden, darunter Tuberkulose, einen Tumor im Innenohr und einen akuten Nierenschaden. Das ist natürlich ein Extremfall. Dennoch ist es wichtig, über Dosierungsempfehlungen von Präparaten – darunter Vitamin D – informiert zu sein.

Zu viel Vitamin D durch zu viel Sonne?

Sonnenanbeter müssen sich keine Sorgen machen – zumindest nicht, was die Vitaminaufnahme angeht. Anders sieht es natürlich bei dem Risiko für die Entstehung von Hautkrebs aus. Die Sonne ist eine gute Quelle für Vitamin D. Genauer führt die Sonneneinstrahlung auf der Haut zur körpereigenen Bildung des Vitamins, das man deshalb auch als „Sonnenhormon“ bezeichnet. Die Entwicklung von Hypervitaminose D durch Sonneneinstrahlung ist dagegen höchst unwahrscheinlich. Der Körper reguliert nämlich die aufgenommene bzw. produzierte Vitaminmenge, sodass es nicht zu einem ungesund erhöhten Vitaminspiegel kommt.1

Vitamin-Überdosis durch Ernährung?

Der Anteil an Vitamin D, den wir unserem Körper über die Ernährung zuführen, ist verschwindend gering. Das liegt daran, dass es kaum Lebensmittel gibt, die ausreichende Mengen des Nährstoffs enthalten. Die wenigen, die das Vitamin liefern, sind tierischer Herkunft.

Zu diesen Lebensmitteln zählen:

  • Fettfische (z. B. Lachs, Hering, Makrele)
  • in deutlich geringerem Maße Leber
  • Margarine (mit dem Vitamin angereichert)
  • Eigelb
  • einige Speisepilze

„Über die Ernährung mit den üblichen Lebensmitteln führen wir in Deutschland nur 2 bis 4 Mikrogramm Vitamin D pro Tag zu“, schreibt die DGE auf ihrer Webseite.2 Damit ist eine Überdosierung durch die Ernährung auszuschließen.

Aufpassen beim Supplementieren?

Fälle von Hypervitaminose D – wie der eingangs beschriebene Fall oder der einer 56-jährigen Frau in Italien – sind auf Nahrungsergänzungsmittel zurückzuführen.3 Nachdem diese reduziert oder abgesetzt worden waren, verbesserte sich auch der Gesundheitszustand der Betroffenen wieder.

Doch wieso kommt es überhaupt dazu, dass Menschen zu hohe Dosierungen einnehmen? Das kann natürlich höchst individuelle Gründe haben, Experten sehen allerdings einen besorgniserregenden Trend. Ausgelöst durch (gut gemeinte) Kampagnen, die für die Supplementierung des Vitamins werben, sei ein regelrechter Hype entstanden, der gelegentlich bereits zum anderen Extrem geführt habe.4 Denn ist ein Vitamin-D-Mangel für den Körper schädlich, scheint es eine Überdosierung auch zu sein.

Eine im „The Journal of the American Medical Association (JAMA)“ veröffentlichte Studie zeigte, dass zwischen 1999 und 2014 die Anzahl von Menschen, die riskante Mengen von Vitamin D zu sich genommen hatten, um 2,8 Prozent angestiegen war. Als riskante Menge identifizierten die Forscher eine Dosis von mehr als 4000 internationalen Einheiten (IE) pro Tag. Bei 4000 IE, was umgerechnet 100 Mikrogramm sind, liege die Obergrenze der unbedenklichen Vitamin-D-Menge.5

Wie viel Vitamin D ist zu viel?

Die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung liegen bei einer Vitamin-D-Zufuhr von 20 Mikrogramm bzw. 800 IE pro Tag. Diese tägliche Dosierung sieht auch das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) als sinnvoll und ausreichend für gesunde Erwachsene an, um einen normalen Vitamin-D-Status zu erreichen. Als oberen Grenzwert bzw. tolerierbare Tageshöchstmenge benennt das BfR 100 Mikrogramm (4000 IE). Sowohl die DGE als auch das BfR verweisen auf Erkenntnisse aus der Forschung, die darauf hindeuten, dass ab einer täglichen Zufuhr von 100 Mikrogramm über einen längeren Zeitraum negative gesundheitliche Folgen möglich sein könnten.6

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) definierte 2023 eine tägliche Menge von 100 Mikrogramm Vitamin D (4000 IE) als „Tolerable Upper Intake Level (UL)“ für Erwachsene, inklusive Schwangere und Stillende. Diese Dosierung umfasst alle Vitamin-D-Quellen – also Ernährung und Nahrungsergänzungsmittel. Tägliche Einnahmen, die über 100 Mikrogramm hinausgehen, empfiehlt die europäische Behörde nicht. Als riskant stuft die EFSA eine tägliche Dosierung von 10.000 IE (250 Mikrogramm) und mehr ein.7

Hochdosierte Präparate nicht für tägliche Einnahme gedacht

Was manche nun vielleicht verwirrt, ist die Tatsache, dass es auch hochdosierte Vitamin-D-Präparate (etwa 5000, 10.000 oder sogar 20.000 IE) gibt. Diese sind aber nicht für die tägliche Supplementierung gedacht. Sie können – auf ärztliche Anweisung hin – bei diagnostiziertem Vitamin-D-Mangel sinnvoll sein. Oft werden sie dann auch nur kurzfristig angewendet, um die leeren Vitamin-D-Speicher aufzufüllen. Anschließend empfiehlt es sich, auf geringer dosierte Präparate zu wechseln. Eine solche Therapie sollte aber nicht eigenständig, sondern unter medizinischer Begleitung stattfinden.

Körper scheidet überschüssiges Vitamin D nicht aus

Vitamin D ist nicht wasserlöslich. Wenn man zu viel zu sich nimmt, kann der Überschuss nicht über den Urin ausgeschieden werden. Das überschüssige Vitamin lagert sich stattdessen im Blut oder im Gewebe ab.

Mehr zum Thema

Anzeichen eines zu hohen Vitamin-D-Spiegels

Dass ein Mangel zu körperlichen Beschwerden führen kann, ist hinlänglich bekannt. Hat man zu wenig Vitamin D im Körper, kann es zu Symptomen wie Müdigkeit, Infektionsanfälligkeit, schlechter Wundheilung oder chronischen Schmerzen kommen.

Doch was passiert, wenn man zu viel im Körper hat? Auch eine Überversorgung kann schwerwiegende Folgen haben, wie das Robert Koch-Institut (RKI) warnt.8 Eine übermäßige Einnahme von Vitamin D führe zu einem erhöhten Kalziumspiegel (Hyperkalzämie), der mit akuten Beschwerden einhergehen könne. Dazu zählen:

  • Übelkeit
  • Appetitlosigkeit
  • Bauchkrämpfe
  • Erbrechen
  • Nierenschädigung
  • Herzrhythmusstörungen
  • Bewusstlosigkeit

Im schlimmsten Fall kann eine Hypervitaminose D auch zum Tod führen. Das Tückische: Da Vitamin D im Körper gespeichert wird, ist neben einer akuten auch eine schleichende Überdosierung möglich.

Wie kann man eine Überversorgung vermeiden?

Auch wenn mit den potenziellen Folgen einer Überdosierung nicht zu spaßen ist, braucht man keine Angst davor zu haben, Vitamin D zu supplementieren. In vielen Fällen scheint es sogar angebracht zu sein, eine Versorgung auf diese Weise sicherzustellen. Denn wie ebenfalls das RKI in einem Bericht verkündete, sind etwa ein Drittel der in Deutschland lebenden Erwachsenen unterversorgt (Stand 2016), ein Mangelzustand, der nicht gesund ist.9

Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann seinen Vitamin-D-Wert mithilfe einer Blutuntersuchung beim Arzt bestimmen lassen – allerdings auf eigene Kosten. Ansonsten lautet die allgemeine Empfehlung, bei Nahrungsergänzungsmitteln genau auf die Dosierung zu achten. Bei einer Tagesdosis von bis zu 20 bis maximal 100 Mikrogramm Vitamin D haben Sie laut aktuellem Kenntnisstand keine Überdosierung zu befürchten. Höher dosierte Supplements sollten dagegen nur in ärztlicher Absprache eingenommen werden.

Quellen

  1. Zeratsky K. What is vitamin D toxicity? Should I be worried about taking supplements? Mayo Clinic (aufgerufen am 13.4.2026) ↩︎
  2. Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. Vitamin D (aufgerufen am 13.4.2026) ↩︎
  3. De Vincentis, S., Russo, A., Milazzo, M. et al. (2021). How Much Vitamin D is Too Much? A Case Report and Review of the Literature. Endocr Metab Immune Disord Drug Targets. ↩︎
  4. Harvard Health Publishing. Taking too much vitamin D can cloud its benefits and create health risks. (aufgerufen am 13.4.2026) ↩︎
  5. Rooney, M.R., Harnack, L., Michos, E.D. et al. (2017). Trends in Use of High-Dose Vitamin D Supplements Exceeding 1000 or 4000 International Units Daily, 1999-2014. JAMA. ↩︎
  6. BfR. Hochdosierte Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin D können langfristig die Gesundheit beeinträchtigen (aufgerufen am 13.4.2026) ↩︎
  7. EFSA. Scientific opinion on the tolerable upper intake level for vitamin D, including the derivation of a conversion factor for calcidiol monohydrate (aufgerufen am 13.4.2026) ↩︎
  8. Robert Koch Institut. Ist zu viel Vitamin D schädlich? (aufgerufen am 13.4.2026) ↩︎
  9. Rabenberg, M., Mensink, G.B.M., Robert Koch Institut. (2016). Vitamin-D-Status in Deutschland. Journal of Health Monitoring. ↩︎

Sie haben erfolgreich Ihre Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen. Damit entfallen alle Einwilligungen, die Sie zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den Privacy-Manager erteilt haben. Sie können sich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit Tracking und Cookies entscheiden.

Bitte beachten Sie, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich an datenschutz@axelspringer.de.