3. September 2026, 10:15 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Acht Stunden Schlaf pro Nacht gelten für viele Menschen als Ideal. Doch eine neue wissenschaftliche Übersichtsarbeit legt nahe, dass diese Zahl allein wenig darüber aussagt, ob ein Mensch tatsächlich „gut“ schläft. Ein internationales Forscherteam um den Schlafforscher S. R. Pandi-Perumal kommt zu dem Schluss, dass neben der Schlafdauer vor allem der Zeitpunkt, die Regelmäßigkeit und die Abstimmung mit der inneren Uhr stärker berücksichtigt werden sollten.
Wie die Wissenschaftler vorgingen
Die Arbeit erschien am 25. August 2026 im Fachjournal „Brain Medicine“.1 Bei der Veröffentlichung handelt es sich nicht um eine klassische Studie. Die acht Autoren führten eine narrative Literaturübersicht durch. Dafür brachten sie Erkenntnisse aus unterschiedlichen Forschungsgebieten zusammen – darunter anthropologische Untersuchungen vorindustriell lebender Gesellschaften, historische Quellen zur Entwicklung menschlicher Schlafgewohnheiten sowie Erkenntnisse aus Genetik und Evolutionsforschung.
Ein Schwerpunkt lag auf der Frage, wie Menschen in Gesellschaften schlafen, die wesentlich weniger von künstlichem Licht und modernen Arbeits- und Lebensrhythmen beeinflusst werden. Die Autoren betrachteten unter anderem Daten aus drei Jäger-und-Sammler-Gesellschaften auf zwei Kontinenten.
Wichtig für die Bewertung: Es handelt sich nicht um einen systematischen Review oder eine Meta-Analyse. Die Autoren weisen selbst darauf hin, dass sie Literatur gezielt danach ausgewählt haben, ob sie zu den untersuchten übergreifenden Fragestellungen passt. Die Arbeit kann deshalb keinen vollständigen Überblick über sämtliche Forschung zu Schlafdauer oder Schlafstörungen liefern.
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Müssen es wirklich 8 Stunden pro Nacht sein?
Ein zentrales Ergebnis widerspricht einer verbreiteten Vorstellung: Menschen in vorindustriell lebenden Jäger-und-Sammler-Gesellschaften schlafen offenbar nicht länger als Menschen in modernen Industriegesellschaften. Bei den betrachteten Populationen lag die durchschnittliche Schlafdauer bei etwa 6,4 bis 7,1 Stunden pro Nacht.
Die Industrialisierung könnte demnach weniger die reine Schlafdauer verändert haben als vielmehr den Zeitpunkt und die Regelmäßigkeit des Schlafs. Künstliches Licht, Schichtarbeit und moderne Tagesabläufe ermöglichen es, länger wach zu bleiben und zu Zeiten zu schlafen, die nicht immer optimal mit der körpereigenen inneren Uhr übereinstimmen.
Die Autoren beschäftigen sich außerdem mit genetischen Unterschieden. Bestimmte Genvarianten können dazu beitragen, dass einzelne Menschen von Natur aus mit weniger Schlaf auskommen als andere. Auch das spricht gegen die Vorstellung einer für alle Menschen gleichermaßen optimalen Schlafdauer.
Ein weiterer Punkt betrifft den segmentierten Schlaf. Historische und anthropologische Erkenntnisse deuten darauf hin, dass Menschen nicht immer ausschließlich in einem einzigen langen Block geschlafen haben. Ob beispielsweise insgesamt acht Stunden Schlaf, verteilt auf zwei Schlafphasen, gesundheitlich genauso günstig sind wie acht Stunden am Stück, lässt sich derzeit allerdings nicht beantworten.
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Wie die Ergebnisse zu bewerten sind
Die Ergebnisse bedeuten ausdrücklich nicht, dass acht Stunden Schlaf unnötig oder zu viel sind. Vielmehr stellen die Autoren infrage, ob eine einzelne Zahl als universeller Maßstab für gesunden Schlaf ausreicht. Für die Beurteilung der Schlafgesundheit sollten ihrer Ansicht nach deshalb weitere Faktoren berücksichtigt werden: Wie regelmäßig schläft jemand? Zu welcher Tageszeit? Passt der Schlafrhythmus zur inneren Uhr? Und bekommt die Person insgesamt ausreichend Schlaf für ihren individuellen Bedarf?
Gleichzeitig sind die Grenzen der Arbeit wichtig. Weil es sich um eine narrative Übersichtsarbeit handelt, kann sie beispielsweise nicht beweisen, dass ein bestimmter Schlafrhythmus gesünder ist als ein anderer. Auch die Frage, ob aufgeteilter Schlaf gesundheitlich genauso günstig ist wie durchgehender Schlaf, ist nach Angaben der Autoren bislang nicht ausreichend untersucht.
Die wichtigste Erkenntnis lautet daher weniger „Vergessen Sie die acht Stunden“, sondern: Gesunder Schlaf lässt sich nicht allein an der Zahl der geschlafenen Stunden festmachen. Schlafdauer bleibt wichtig – Zeitpunkt, Regelmäßigkeit, individuelle Unterschiede und die innere Uhr gehören jedoch ebenfalls zum Gesamtbild.