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Laut Studie

Jetlag könnte auch die Darmflora aus dem Takt bringen

frau schlagen flugzeug
Wer Fernreisen unternimmt, hat laut einer Studie nicht nur mit Jetlag zu kämpfen. Auch der Darm könnte darunter leiden. Foto: Getty Images/OlgaPankova
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Isa Kabakci
Redakteur

28. Juli 2026, 10:05 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Reisende kennen es: Nach langen Flugstunden wartet der Jetlag. Was man für einen schönen Urlaub in Kauf nimmt, kann im Spitzensport zum Problem werden. Wenn Athleten zu internationalen Wettkämpfen reisen, kämpfen sie nicht nur mit Jetlag. Forscher vermuten nämlich, dass lange Flüge über mehrere Zeitzonen auch die Darmflora beeinflussen könnten. Eine aktuelle Übersichtsarbeit hat untersucht, wie sich Störungen der inneren Uhr und Veränderungen des Darmmikrobioms gegenseitig beeinflussen, und welche Folgen das möglicherweise für Schlaf, Regeneration und sportliche Leistungsfähigkeit hat. Auch die Richtung der Reisen könnte übrigens wichtig sein.

Fernreisen beeinflussen mehrere Faktoren

Die Studie legt nahe, dass Fernreisen den Körper gleich mehrfach belasten. Neben Schlafstörungen und einer vorübergehenden Fehlanpassung der inneren Uhr scheint sich auch die Zusammensetzung des Darmmikrobioms zu verändern. Nach Ansicht der Autoren könnten diese Veränderungen Stoffwechsel, Entzündungsprozesse und Regeneration beeinflussen – alles Faktoren, die für sportliche Leistungen wichtig sind.

Wie die Studie durchgeführt wurde

Bei der Studie handelt es sich um ein sogenanntes narratives Review. Die Forscher der Medizinischen Universität Breslau führten also keine eigene Studie durch, sondern werteten bereits veröffentlichte wissenschaftliche Arbeiten aus. Diese fasst damit Erkenntnisse aus sehr unterschiedlichen Studiendesigns zusammen, darunter randomisierte Studien, Beobachtungsstudien, Tierexperimente und Laboruntersuchungen.1

Für ihre Recherche nutzten sie verschiedene Datenbanken und berücksichtigten vor allem Veröffentlichungen aus den Jahren 2016 bis 2026. Ziel war es, den aktuellen Wissensstand zum Zusammenhang von Jetlag, Darmmikrobiom und sportlicher Leistungsfähigkeit zusammenzufassen.

Jetlag hat auch Auswirkungen auf den Darm

Mehrere ausgewertete Studien zeigen, dass schon einzelne Langstreckenreisen die Schlafqualität deutlich beeinträchtigen können. Bei Elite-Radfahrern wurden nach Fernflügen in den ersten 48 Stunden kürzere Schlafzeiten und eine schlechtere Schlafeffizienz beobachtet. Bei Fußballspielern hielten die Schlafprobleme nach einer Reise von Irland nach Taiwan sogar bis zu fünf Tage an. Zusätzlich finden sich Hinweise auf Stoffwechselveränderungen durch eine gestörte innere Uhr. In einer Studie sank der Spiegel des Sättigungshormons Leptin um rund 17 Prozent, während Insulin- und Blutzuckerwerte anstiegen. Gleichzeitig verschlechterte sich die Schlafqualität deutlich.

Auch das Darmmikrobiom reagierte in mehreren Untersuchungen auf Schlaf- und Rhythmusstörungen. So wurden geringere Mengen bestimmter als günstig geltender Bakteriengattungen wie Lactobacillus und Bifidobacterium festgestellt. In einer Studie mit internationalen Reisenden nahm bei 61 Prozent der Teilnehmer die Vielfalt der Darmflora nach der Reise ab. Gleichzeitig wurden häufiger potenziell problematische Bakterienstämme nachgewiesen.

Unterschied zwischen West- und Ostflügen

Bekanntlich ist der Jetlag nicht in allen Reiserichtungen gleich problematisch. Das bestätigte auch die aktuelle Übersichtsarbeit. Demnach fällt die Anpassung an neue Zeitzonen nach Westflügen leichter als nach Ostflügen. Der Grund liegt darin, dass die menschliche innere Uhr im Durchschnitt etwas länger als 24 Stunden läuft und daher eine Verlängerung des Tages besser verkraftet als eine Verkürzung. Entsprechend erfolgt die Anpassung nach Westwärtsreisen mit etwa 1,5 Stunden pro Tag, während nach Ostwärtsreisen nur rund eine Stunde pro Tag erreicht wird. Die ausgewerteten Studien zur Belastung durch einzelne Langstreckenflüge bei Sportlern hatten gezeigt, dass insbesondere Ostflüge mit einer schlechteren Schlafqualität, verkürzter Schlafdauer, stärkerer Müdigkeit und Leistungseinbußen verbunden sein können.

Analysen aus dem Profisport, darunter Untersuchungen aus der NBA, der Major League Baseball und dem Super Rugby, die die Auswirkungen vieler Reisen innerhalb einer Saison untersucht hatten, zeigen ein ähnliches Bild. Auch sie deuten darauf hin, dass die negativen Auswirkungen von Jetlag nach Ostwärtsreisen ausgeprägter sind als nach Westwärtsreisen.

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Was das konkret bedeutet

Die Autoren sehen Fernreisen als komplexe Belastung für den Körper, die nicht nur die innere Uhr, sondern möglicherweise auch das Darmmikrobiom beeinflusst. Besonders im Fokus stehen dabei kurzkettige Fettsäuren, Stoffwechselprodukte von Darmbakterien, die für Energieversorgung und Regeneration der Muskulatur wichtig sein könnten.

Gleichzeitig betonen die Forscher, dass viele der bisherigen Erkenntnisse aus Tierstudien oder Untersuchungen außerhalb des Leistungssports stammen. Daher sei weitere Forschung nötig, um die praktische Bedeutung für Sportler besser zu verstehen.

Auch interessant: Ist die Uhr der Feind unseres Schlafs?

Stärken und Schwächen der Studie

Eine Stärke der Arbeit ist, dass sie Erkenntnisse aus Chronobiologie, Mikrobiomforschung und Sportwissenschaft zusammenführt und damit einen umfassenden Überblick über ein noch wenig untersuchtes Thema liefert.

Da es sich um ein narratives Review handelt, erfolgte die Literaturauswertung nicht nach den strengen Kriterien einer systematischen Übersichtsarbeit. Zudem stammen viele der diskutierten Mechanismen aus Tierstudien, während die verfügbaren Humanstudien häufig klein waren und meist spezielle Gruppen wie männliche Ausdauersportler untersuchten. Unterschiede in Ernährung, Training und individueller Mikrobiomzusammensetzung erschweren die Interpretation zusätzlich. Daher fehlen bislang große Langzeitstudien am Menschen, die Mikrobiom, Stoffwechsel und Leistungsfähigkeit gemeinsam erfassen. Die Autoren geben zudem an, keine Interessenkonflikte zu haben.

Quellen

  1. Biliński, K.; Wiśniewski, K.; Rafner, L.; Witko, P.; Gaweł-Dąbrowska, D. (2026). Travel-Induced Circadian and Microbiota Disturbances: Implications for Athlete Health and Performance: A Narrative Review. Nutrients, 18, 1523. https://doi.org/10.3390/nu18101523 ↩︎

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