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Sauerhonig

Was hinter dem Getränk „Oxymel“ steckt

Sauerhonig gilt als Immunbooster und Hustenmittel. Welche Wirkstoffe stecken dahinter und was sagen Studien dazu?
Sauerhonig gilt als Immunbooster und Hustenmittel. Welche Wirkstoffe stecken dahinter und was sagen Studien dazu? Foto: Getty Images
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17. Februar 2026, 4:20 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Goldgelb schimmert die Flüssigkeit im Glas, durchzogen von Zitronenscheiben oder Rosmarinzweigen. Oxymel, der sogenannte Sauerhonig, erlebt ein Comeback – als Immunbooster, als Hausmittel gegen Husten, als tägliches Ritual in der Erkältungszeit. Die Mischung aus Honig und Essig wirkt ursprünglich und kraftvoll. Doch wie belastbar sind die gesundheitlichen Versprechen, die mit Oxymel verbunden werden?

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Zwischen Tradition und Trend

Oxymel ist keine neue Erfindung. Die Kombination aus Honig und Essig wurde bereits in der Antike beschrieben und über Jahrhunderte als Stärkungsmittel eingesetzt. Vor allem bei Atemwegsbeschwerden, Fieber oder allgemeiner Schwäche fand der Sauerhonig Anwendung.

Heute steht Oxymel wieder in vielen Küchen. In sozialen Netzwerken wird er als natürlicher Immunbooster beworben, als sanfte Alternative zu Medikamenten, als tägliche Kur zur Stärkung des Körpers. Seine Popularität speist sich weniger aus neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen als aus dem Wunsch nach Natürlichkeit.1

Was Oxymel ausmacht

Im Kern besteht Oxymel aus Honig und Essig, meist Apfelessig. Häufig werden Kräuter oder Gewürze hinzugefügt, die mehrere Wochen in der Mischung ziehen. Dabei entsteht ein süß-säuerlicher Kräuterauszug.2

Die gesundheitlichen Zuschreibungen leiten sich aus den Eigenschaften der einzelnen Zutaten ab. Oxymel soll das Immunsystem stärken, Entzündungen hemmen, Husten lindern und die Verdauung fördern. Entscheidend ist jedoch, ob diese Wirkungen wissenschaftlich belegt sind.

Die Studienlage zu Oxymel

Für Oxymel selbst existieren bislang keine Studien, die eine klar definierte gesundheitliche Wirkung nachweisen. Es gibt weder evidenzbasierte Leitlinien noch klinische Empfehlungen, die Oxymel als therapeutische Maßnahme zur Prävention oder Behandlung von Erkrankungen aufführen. Die Einordnung stützt sich daher auf Untersuchungen zu Honig und Essigsäure:

Honig wurde in klinischen Studien bei akutem Husten untersucht. Dabei zeigte sich, dass er – insbesondere bei Kindern über einem Jahr – nächtlichen Reizhusten lindern kann.3 Diese Wirkung wird auf seine zähflüssige Konsistenz zurückgeführt, die die Schleimhäute beruhigt. Eine allgemeine Immunstärkung durch Honig ist hingegen nicht eindeutig belegt.

Für Essigsäure gibt es Hinweise darauf, dass sie den Blutzuckeranstieg nach kohlenhydratreichen Mahlzeiten geringfügig beeinflussen kann.4 Die beobachteten Effekte sind eher gering. Daraus lässt sich nicht ableiten, dass Oxymel insgesamt eine spürbare oder weitreichende gesundheitliche Wirkung hat.

Für Kräuterauszüge in Essig-Honig-Mischungen wie Oxymel gibt es bislang keine Studien am Menschen, die ihre Wirkung eindeutig untersucht haben. Außerdem hängt die Menge der enthaltenen Pflanzenstoffe stark davon ab, wie viel Kraut verwendet wurde und wie lange es gezogen ist. Wie viele wirksame Inhaltsstoffe tatsächlich in einem Esslöffel Oxymel stecken, lässt sich daher nicht genau sagen.

Insgesamt ist die Studienlage damit dünn. Oxymel bewegt sich im Bereich traditioneller Anwendungen, nicht im Bereich evidenzbasierter Medizin.

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Honig: Wirkung und Zuckeranteil

Honig enthält neben Zucker auch Pflanzenstoffe, die antioxidativ wirken und in Laborversuchen als antibakteriell beschrieben werden. Diese Eigenschaften beruhen auf Stoffen wie Polyphenolen, Enzymen und anderen Komponenten, die gemeinsam Mikroorganismen hemmen können.

Die am besten belegte Wirkung von Honig in klinischen Studien betrifft die Linderung von Husten. Eine große Auswertung von 14 Studien mit mehr als 1 700 Teilnehmenden zeigte, dass Honig die Häufigkeit und Schwere von Husten im Rahmen von Atemwegsinfekten vermindern kann. Dabei führte der Honiggebrauch zu einer spürbaren Reduktion der Beschwerden und einer geringeren Beeinträchtigung des Schlafs durch nächtlichen Husten.5

Diese Effekte werden häufig darauf zurückgeführt, dass sich der Honig aufgrund seiner Konsistenz beruhigend auf die Schleimhäute legt und so den Hustenreiz dämpft. Gleichzeitig ist aber kein wissenschaftlicher Beleg dafür vorhanden, dass Honig das Immunsystem generell stärkt oder Atemwegsinfekte ursächlich heilt.

Ebenfalls problematisch ist der Zuckeranteil im Honig

Honig besteht überwiegend aus Zucker. Nach Angaben des Bundeszentrums für Ernährung enthält Honig rund 80 Prozent Zucker, vor allem Fruktose und Glukose. Ein Esslöffel liefert je nach Sorte etwa 15 bis 20 Gramm Zucker. Wird Oxymel regelmäßig eingenommen, kommt dadurch eine spürbare Menge an Zucker zusammen.

Sowohl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfehlen, die Aufnahme freier Zucker möglichst gering zu halten.6 Die in Honig enthaltenen Vitamine und Mineralstoffe sind zwar vorhanden, tragen in üblichen Verzehrmengen jedoch nur in sehr kleinen Mengen zur Nährstoffversorgung bei.7

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Ist Oxymel ein Heilmittel?

Als Heilmittel gelten in der Medizin in der Regel Produkte, deren Wirkung in Studien am Menschen überprüft wurde. Dabei muss sich zeigen, dass sie bei einer bestimmten Erkrankung zuverlässig helfen.

Für Oxymel gibt es solche Untersuchungen bislang nicht. Außerdem unterscheidet sich die Zusammensetzung je nach Rezept, da Honig, Essig und Kräuter unterschiedlich kombiniert werden.

Oxymel wird deshalb eher als traditionelles Hausmittel eingeordnet. Bei leichten Beschwerden kann es als angenehm oder wohltuend empfunden werden – vor allem wegen des Honigs bei Reizhusten. Eine eindeutig nachgewiesene medizinische Wirkung ist derzeit jedoch nicht belegt.

Mögliche Risiken

Für Säuglinge im ersten Lebensjahr ist Oxymel ungeeignet, da Honig Sporen enthalten kann, die für diese Altersgruppe gefährlich sind. Die Kombination aus Zucker und Säure kann bei häufiger Einnahme zudem den Zahnschmelz belasten. Menschen mit empfindlichem Magen reagieren mitunter auf Essigsäure. Bei ernsthaften Erkrankungen ersetzt Oxymel keine ärztliche Behandlung.8

Quellen

  1. Zentrum der Gesundheit. Oxymel - Wirkung und Anwendung. (aufgerufen am 16.02.2026) ↩︎
  2. Imkereien at Hoch Steiermark. Oxymel – Was ist das traditionelle Honig-Essig-Elixier? (aufgerufen am 16.02.2026) ↩︎
  3. Oduwole, O., Udoh, EE. et al. (2018). Honey for acute cough in children. Cochrane Database Syst Rev. ↩︎
  4. Santos, HO., de, Moraes, WMAM. et al. (2019). Vinegar (acetic acid) intake on glucose metabolism: A narrative review. Clin Nutr ESPEN. ↩︎
  5. Abuelgasim, H., Albury, C, Lee, J. (2021). Effectiveness of honey for symptomatic relief in upper respiratory tract infections: a systematic review and meta-analysis. BMJ Evid Based Med. ↩︎
  6. Bundeszentrum für Ernährung. Honig – mehr als nur süß. (aufgerufen am 16.02.2026) ↩︎
  7. WHO. Sugars intake for adults and children. (aufgerufen am 16.02.2026) ↩︎
  8. Imkadoa. So gelingt dir perfektes Oxymel: Honig-Essig-Elixier für deine Imkerei. (aufgerufen am 16.02.2026) ↩︎

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