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Kaum Fettverbrennung

Fasten wirkt bei Adipositas laut Studie deutlich schwächer

48-Stunden-Fasten: wirkt es bei Adipositas anders?
48-Stunden-Fasten: wirkt es bei Adipositas anders? Foto: Getty Images
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26. August 2025, 19:02 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Fast zwei Drittel der Männer in Deutschland (67 Prozent) und mehr als jede zweite Frau (53 Prozent) gelten als übergewichtig – ein Viertel der Erwachsenen ist sogar adipös, also stark übergewichtig.1 Als vielversprechende Strategie, um den Körper auf Fettverbrennung umzustellen, gilt Fasten. Eine klinische Studie aus Kanada zeigt jedoch: Der Stoffwechsel und das Immunsystem von Menschen mit Adipositas reagiert anders auf Nahrungsverzicht als bei Normalgewichtigen.

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Was wurde untersucht – und warum?

Fasten – also der bewusste Verzicht auf Nahrung für eine bestimmte Zeit – wird seit Jahren als Methode diskutiert, um Stoffwechselprozesse zu regulieren, Entzündungen zu reduzieren und das Immunsystem zu beeinflussen. Besonders bei Menschen mit Übergewicht oder Adipositas könnte dies ein therapeutischer Ansatz sein. Doch bisher war unklar, ob Fasten bei Menschen mit starkem Übergewicht genauso wirkt wie bei normalgewichtigen Personen.

Genau hier setzt eine neue Studie der University of British Columbia (Kanada) an.2 Forscher der University of British Columbia wollten klären: Wie wirken Adipositas und Fasten zusammen – und unterscheiden sich ihre Effekte auf Stoffwechsel und Immunsystem von denen normalgewichtiger Personen?

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Studiendesign – wer wurde untersucht und wie?

Untersucht wurden 32 gesunde Erwachsene – 16 mit Normalgewicht und 16 mit Adipositas.

  • Die L-BMI-Gruppe (Lean BMI) bestand aus normalgewichtigen Teilnehmenden mit einem Body-Mass-Index (BMI) von 18,5–24,9.
  • Die O-BMI-Gruppe (Obese BMI) bestand aus Teilnehmenden mit einem BMI ab 30, also im Bereich der Adipositas.

Beide Gruppen waren gleich zusammengesetzt: je acht Männer und acht Frauen.

Alle verzichteten 48 Stunden komplett auf Nahrung. Zu Beginn, nach 24 Stunden und am Ende wurden jeweils verschiedene Parameter erfasst:

  • Gewicht, Blutdruck, Energieverbrauch
  • Blutwerte wie Glukose, Insulin, freie Fettsäuren und Ketonkörper
  • Immunzellen, insbesondere T-Zellen, wurden auf ihre Stoffwechselaktivität und Funktion untersucht

Warum der Fokus auf T-Zellen?

T-Zellen sind eine zentrale Gruppe von Immunzellen: Sie helfen, Krankheitserreger zu bekämpfen, können aber auch selbst Entzündungen antreiben. Besonders bei Adipositas ist das Gleichgewicht verschoben: Menschen mit starkem Übergewicht haben mehr entzündungsfördernde T-Zellen (z. B. Th17-Zellen) und weniger regulierende T-Zellen (Tregs), die normalerweise überschießende Reaktionen bremsen. Die Forscher wollten wissen: Kann Fasten dieses Ungleichgewicht korrigieren – oder bleibt das Immunsystem bei Adipositas unbeeindruckt?

Die zentralen Ergebnisse

Fasten produziert bei Adipösen nur halb so viele Ketonkörper

Beim Fasten stellt der Körper eigentlich auf Fettverbrennung um und produziert Ketonkörper wie β-Hydroxybutyrat (BHB), die sowohl Energie liefern als auch entzündungshemmende Signale aussenden.

  • Nach 48 Stunden lag der BHB-Wert in der L-BMI-Gruppe bei 3,7 mmol/L
  • In der O-BMI-Gruppe dagegen bei nur 1,9 mmol/L – sie hatten also nur halb so viele Ketonkörper produziert

Auch weitere Ketonkörper-Metaboliten wie BHB-Valin und BHB-Leucin stiegen unter dem Fasten bei Adipösen deutlich weniger an. Damit setzte die Fettverbrennung später ein.

Immunzellen in Adipositas-Fastengruppe reagieren schwächer

Normalerweise verändert BHB bestimmte Eiweiße in den Zellen (β-Hydroxybutyrylierung) und aktiviert so entzündungshemmende Gene. Bei den Adipösen war dieser Effekt deutlich geringer als bei den Normalgewichtigen – ihre Immunzellen reagierten also weniger stark auf das Fastensignal.

T-Zellen bei Adipösen bleiben auf Zuckerverbrennung fixiert

Bei allen Teilnehmenden sank die mitochondriale Aktivität der T-Zellen, weil der Körper im Energiesparmodus arbeitet. Aber: Nur die Normalgewichtigen konnten den Anteil an Fettverbrennung in ihren T-Zellen steigern. Bei Adipösen sank dieser Anteil sogar leicht. Ihre Immunzellen blieben stärker auf Zuckerverbrennung fixiert. Gerade im Kontext von Adipositas zeigt sich, dass das Fasten deutlich schwächere Effekte auf die Immunzellen hat als bei Normalgewichtigen.

Entzündungsfördernde T-Zellen blieben aktiv

  • Die O-BMI-Gruppe zeigte mehr Th17-Zellen, die das entzündungsfördernde Zytokin Interleukin-17 (IL-17) produzieren.
  • Dieser erhöhte Wert blieb auch nach 48 Stunden Fasten bestehen.
  • Der CD4-Rezeptor, der für T-Zell-Aktivierung wichtig ist, sank nur bei Normalgewichtigen – bei Adipösen blieb er stabil.

Entzündungsmarker im Blut unterscheiden sich deutlich

  • Entzündungsfördernde Marker wie MCP-1 und IL-6 waren in der Adipositas-Gruppe durchgehend höher.
  • Entzündungshemmende Signale wie GDF-15 und FGF-21 stiegen nur bei Normalgewichtigen.

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Warum wirkt Fasten bei Adipositas schwächer?

Die Studie zeigt: Fasten wirkt bei Menschen mit Adipositas deutlich schwächer – sowohl im Stoffwechsel als auch im Immunsystem.

Bei Normalgewichtigen führte Fasten zu einer starken Ketonkörper-Produktion, einer Umstellung der T-Zellen auf Fettverbrennung und zu gedämpften Entzündungsreaktionen.
Bei Adipösen dagegen blieben die Ketonkörper niedrig, die T-Zellen reagierten unflexibel, und entzündungsfördernde Signale hielten an.

Ein möglicher Grund dafür: Menschen mit Adipositas haben häufig erhöhte Insulinwerte, die Fettabbau und Ketonkörperbildung hemmen. Zudem sind ihre T-Zellen insgesamt weniger anpassungsfähig.

Praktische Konsequenzen

Damit wird deutlich: Fasten ist kein universelles Konzept. Bei Adipositas könnten zusätzliche Maßnahmen notwendig sein, um die positiven Effekte zu erzielen, zum Beispiel:

  • Ketonsupplemente (z. B. BHB-Präparate), um den geringen Anstieg auszugleichen
  • Verbesserung der Insulinsensitivität durch Bewegung oder Medikamente
  • Individuell angepasste Fastenpläne, die stärker auf die Stoffwechsellage eingehen
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Einschränkungen der Studie

Die Untersuchung hat einige Grenzen: Analysiert wurden nur T-Zellen aus dem Blut, nicht aus Geweben wie Fett oder Leber, wo viele Immunprozesse ablaufen. Außerdem wurden alle T-Zellen gemeinsam betrachtet, sodass mögliche Unterschiede zwischen Untergruppen nicht sichtbar wurden. Die Adipositas-Gruppe war im Durchschnitt elf Jahre älter als die Normalgewichtigen, was einen Einfluss gehabt haben könnte. Zudem war die Fastendauer auf 48 Stunden beschränkt, und die Teilnehmerzahl mit 32 Personen relativ klein – auch wenn das Studiendesign methodisch solide war.

Fazit

Fasten aktiviert bei Normalgewichtigen zahlreiche schutzfördernde Mechanismen – höhere Ketonkörper, flexible T-Zellen, weniger Entzündung. Bei Adipositas bleiben diese Reaktionen dagegen deutlich abgeschwächt.

Das zeigt: Fasten ist kein Allheilmittel für alle. Menschen mit Adipositas benötigen möglicherweise ergänzende Strategien, um ähnliche gesundheitliche Vorteile zu erzielen wie Normalgewichtige.

Quellen

  1. Deutsche Adipositas Gesellschaft. Prävalenz der Adipositas im Erwachsenenalter. (aufgerufen am 26.08.2025) ↩︎
  2. Neudorf, H,. Sandilands, RE., Ursel, S. et al. (2025). Altered immunometabolic response to fasting in humans living with obesity. iScience. ↩︎

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