2. Oktober 2026, 10:16 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Sylvester Stallone gilt bis heute als Inbegriff körperlicher Härte. Doch die Transformationen für seine berühmtesten Rollen hatten offenbar ihren Preis. In einem Interview mit der „New York Times“ berichtet der heute 80-Jährige erstmals ausführlich von Panikattacken, einer Essstörung, Steroidkonsum und den langfristigen Folgen für seine Gesundheit. Heute sagt Stallone: „Ich habe meinen Körper misshandelt.“
Jetzt dem FITBOOK-Kanal bei Whatsapp folgen!
Stallones erste Panikattacke kam mit 36 Jahren
Nicht nur die zahlreichen Verletzungen am Filmset oder die körperlichen Strapazen seiner Actionrollen machten Sylvester Stallone zu schaffen. Der Hollywoodstar kämpfte auch über Jahrzehnte mit Angstzuständen. Im Interview mit der „New York Times“ berichtet Stallone, dass ihn die erste schwere Attacke im Alter von 36 Jahren traf. Beim Schauen des Rohmaterials eines Drehtags sei es passiert. Plötzlich waren schlimme Gedanken da: „Ich sterbe, das war’s, ich trete ab.“ Weiter berichtet er: „Und bumm – ging ich zu Boden. Ich ging in die Knie, kroch, rollte mich zusammen, und da lag ich nun in diesem dunklen Kinosaal.“
Ähnliche Episoden habe er später immer wieder erlebt. Bis heute seien große Menschenmengen für ihn besonders belastend. Wenn sich Räume zunehmend füllen, spüre er manchmal, wie die Angst in ihm aufsteige und er die Situation verlassen müsse. Selbst heute, mit 80 Jahren, kommt es gelegentlich vor, dass er sich wegen der plötzlichen Panik zurückziehen muss.
Steroidkonsum
Stallone berichtet, dass er zu „Rocky“-Zeiten teils monatelang seinen niedrigen Körperfettanteil beibehielt. „Niemand macht das ohne Zusätze und Medikamente“, sagt er retrospektiv. Als die Journalistin der „New York Times“ Stallone direkt auf einen möglichen Steroidkonsum ansprach, sagte dieser: „Oh Gott, das muss man einfach tun. Aber man geht dabei mit Vorsicht vor – sechs Wochen Einnahme, sechs Wochen Pause.“
Erst als Stallone in „Cop Land“ den – wie er es bezeichnet – „schwächsten Typen im Raum spielen musste – teilweise taub, übergewichtig“, habe er sich „gewissermaßen befreit“ gefühlt. Denn der jahrzehntelange extreme Körperkult forderte seinen Preis. Er habe sich deshalb später zahlreichen Operationen unterziehen müssen. „Ich habe Raubbau an meinem Körper betrieben“, berichtet er.
„Blut, Schweiß und Tränen!“ So hart trainiert Sylvester Stallone noch mit 80
Sylvester Stallone über seine extreme „Rocky III“-Diät: „Mein Gedächtnis war weg!“
Für „Rocky 3“ entwickelte Stallone eine Essstörung
In den 1980er-Jahren hatte Stallones Jagd nach der perfekten Fitness zunehmend ungesunde Ausmaße angenommen. Für jeden neuen „Rocky“-Film habe er noch definierter aussehen wollen. Er strebte nach einem athletischen, drahtigen und zugleich aggressiv wirkenden Körper. „Dann wurde es zu einer Obsession“, sagt Stallone rückblickend. Besonders während der Dreharbeiten zum dritten Teil von „Rocky“ habe ihn dieser Ehrgeiz an einen kritischen Punkt gebracht. Er sei damals bulimisch geworden und regelrecht davon besessen gewesen, seinen extremen Fitnesszustand aufrechtzuerhalten. Dafür reduzierte der Schauspieler seinen Körperfettanteil damals auf lediglich 2,6 Prozent. Er habe zeitweise kaum noch Nahrung bei sich behalten können bzw. wollen, weil er zwanghaft darauf bedacht gewesen sei, möglichst definiert auszusehen. Es war „buchstäblich so eine Art zwanghafter Körperkult“, erzählt Stallone.
Bulimie?
Stallone sagt über sich, dass er bulimisch geworden sei. Das bedeutet, dass der Schauspieler nach eigenen Angaben zeitweise an einer schwerwiegenden Essstörung litt. Bei Bulimie erleben Betroffene wiederholt Essanfälle und versuchen anschließend häufig, die aufgenommenen Kalorien etwa durch selbst herbeigeführtes Erbrechen wieder loszuwerden. Bulimie sollte professionell behandelt werden.
Zwanghaft stark sein müssen
Dass Stallone seinen Körper immer wieder bis ans Äußerste quälte, beschränkt sich keineswegs nur auf extreme Diäten und Leistungssteigerer. Auch am Filmset verzichtete er jahrzehntelang auf Stuntdoubles und nahm schwerste Verletzungen in Kauf. Auf die Frage, ob sein ständiger Drang zur Selbstverletzung masochistisch gewesen sei, antwortet Stallone unumwunden: „Sehr masochistisch.“ Darin sieht er den verzweifelten Zwang, seine Unbeugsamkeit zu beweisen, allen voran gegenüber seinem gewalttätigen Vater. „Das geht alles auf meinen Vater zurück […]: Nein, du wirst mich nicht brechen“, erzählt er.
Auch interessant: Transformation! The Rock hat 23 Kilogramm abgenommen
Inzwischen hat Stallone offenbar seinen Frieden gefunden. Obwohl der jahrzehntelange körperliche Raubbau enorme Spuren hinterließ und der 80-Jährige nach neun Rückenoperationen, zwei Schulteroperationen sowie drei Nackenfusionen täglich auf Medikamente angewiesen ist, blickt er heute versöhnlich auf das Leben. Stallone betont optimistisch: „Man ist nie zu alt, um verliebt zu sein, nie zu alt, um mit den großen Erinnerungen zu tanzen.“