28. Juni 2026, 8:11 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
An heißen Sommertagen greifen viele Menschen zu Elektrolytgetränken. In sozialen Medien gelten sie als echter Geheimtipp, um Flüssigkeitsverluste auszugleichen. Doch braucht der Körper bei Hitze tatsächlich zusätzliche Elektrolyte – oder reicht „normales“ Wasser aus? FITBOOK hat bei einem Experten nachgefragt, wann eine zusätzliche Zufuhr sinnvoll sein kann und worauf es bei hohen Temperaturen wirklich ankommt. Auch FITBOOK-Chefredakteur Nuno Alves hat dazu eine Meinung.
Was Elektrolyte im Körper leisten
Elektrolyte sind Mineralstoffe, die in Körperflüssigkeiten gelöst vorkommen und für zahlreiche Körperfunktionen unverzichtbar sind. Zu den wichtigsten zählen Natrium, Kalium, Magnesium, Calcium, Chlorid, Phosphat und Bikarbonat. Sie sorgen unter anderem dafür, dass Nervenimpulse weitergeleitet werden, Muskeln arbeiten können und der Wasser- sowie Säure-Basen-Haushalt im Gleichgewicht bleiben.
Kardiologe erklärt, wann Elektrolyte bei Hitze wirklich sinnvoll sind
Bei starkem Flüssigkeitsverlust – etwa durch längere Ausdauerbelastungen, körperliche Arbeit bei großer Hitze oder Erkrankungen mit Durchfall und Erbrechen – verliert der Körper neben Wasser auch größere Mengen an Elektrolyten. In solchen Situationen kann es sinnvoll sein, diese gezielt zu ersetzen.
Kardiologe Dr. Christopher Schneeweiss erklärt: „Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an Elektrolyt-Produkten. Ich glaube jedoch nicht, dass sie jeder benötigt – auch dann nicht, wenn jemand zweimal pro Woche Krafttraining macht und dabei nicht nennenswert schwitzt.“
Anders sieht es aus bei längerer, intensiver Belastung, vor allem im Ausdauer- oder leistungsorientierten Bereich und bei hohen Temperaturen: „Wer viel schwitzt, verliert nicht nur Flüssigkeit, sondern auch Elektrolyte wie Natrium, Magnesium und Kalium. Reines Wasser gleicht diesen Verlust kaum aus. Unter solchen Bedingungen kann es sinnvoll sein, Elektrolyte gezielt zuzuführen, um die Leistungsfähigkeit zu erhalten“, erklärt Schneeweiss.
Natriummangel kann im Extremfall gefährlich werden
Bei sehr langen und intensiven Belastungen kann es in seltenen Fällen zu einem Natriummangel kommen. Dieser kann ernsthafte Folgen haben.
Dazu sagt Schneeweiss: „Bei sehr langen und intensiven Belastungen kann es im Extremfall zu einer Hyponatriämie, also einem Natriummangel, kommen – eine potenziell gefährliche Situation. Im Alltag tritt das jedoch selten ein, da der Körper meist rechtzeitig ein natürliches Verlangen nach salzhaltiger Nahrung entwickelt.“
Nicht nur Sportler sollten aufmerksam sein
Auch außerhalb des Sports gibt es Situationen, in denen der Elektrolythaushalt aus dem Gleichgewicht geraten kann – etwa bei älteren Menschen oder während der Einnahme harntreibender Medikamente.1
„Wichtig ist zudem: Starkes Schwitzen ohne sportliche Belastung ist kurzfristig in der Regel unproblematisch. Vorsicht ist jedoch geboten, wenn zusätzlich harntreibende Medikamente wie Diuretika eingenommen werden oder im Alter das natürliche Durstgefühl nachlässt“, warnt der Kardiologe.
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Für FITBOOK-Chefredakteur ist der Bedarf individuell
Auch FITBOOK-Chefredakteur Nuno Alves beschäftigt sich regelmäßig mit den Themen Training, Ernährung und Gesundheit. Für uns hat er erklärt, wann er eine zusätzliche Zufuhr von Elektrolyten für sinnvoll hält.
„Ich nehme nur in Ausnahmefällen zusätzlich Elektrolyte zu mir. Etwa an Tagen, an denen ich längere Workouts plane, oder bei hohen Temperaturen. Dann gebe ich einen Mix aus etwa 600 Milligramm (mg) Natrium, 300 mg Kalium und 40 mg Magnesium in mein Getränk, das aus Mineralwasser und dem Saft einer Zitrone besteht. In der Regel achte ich aber darauf, dass ich ausreichend Elektrolyte über die Ernährung zuführe.“
Alves betont zugleich, dass Elektrolyte für ihn nicht zu jeder Trainingseinheit dazugehören: „Als festen Bestandteil jedes Trainings sehe ich Elektrolyte nicht – auch weil nicht jede Einheit zu einem relevanten Flüssigkeits- und Natriumverlust führt. Das ist zudem individuell sehr unterschiedlich: Wer viel schwitzt, verliert in der Regel auch mehr Elektrolyte und kann eine Ergänzung in Erwägung ziehen. Ein Hinweis kann sein, dass Schweiß deutlich salzig schmeckt oder weiße Rückstände auf der Kleidung sichtbar sind. Aber auch das ersetzt keine genaue Einschätzung.“
Woran man einen Elektrolytmangel erkennen kann
Wann wird Schwitzen gefährlich?
Diese Lebensmittel liefern wichtige Elektrolyte
Elektrolyte werden normalerweise über Lebensmittel und Getränke aufgenommen. Eine ausgewogene Ernährung liefert in den meisten Fällen ausreichend Natrium, Kalium, Magnesium und weitere Mineralstoffe.
Kalium steckt unter anderem in Aprikosen, Bananen, Avocados, Tomaten und Trockenfrüchten. Magnesium liefern beispielsweise Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und grünes Blattgemüse. Natrium und Chlorid werden überwiegend über Speisesalz aufgenommen. Für gesunde Menschen ist eine zusätzliche Einnahme von Elektrolytpräparaten deshalb meist nicht notwendig.2
Muskelkrämpfe und Schwindel können Warnzeichen sein
Gehen über längere Zeit größere Mengen an Elektrolyten verloren und werden sie nicht ersetzt, kann es unter anderem zu Muskelkrämpfen, Muskelschwäche, Erschöpfung, Kopfschmerzen, Übelkeit oder Kreislaufproblemen kommen. Da diese Beschwerden jedoch viele Ursachen haben können, lässt sich ein tatsächlicher Elektrolytmangel nur durch ärztliche Untersuchungen feststellen.
Abschließend betont Schneeweis: „Mein Fazit: Für die meisten Menschen reicht es aus, ausreichend Wasser zu trinken. Wer jedoch über längere Zeit stark schwitzt, sollte auch auf eine ausreichende Zufuhr von Elektrolyten achten.“