Zum Inhalt springen
logo Das Magazin für Fitness, Gesundheit und Ernährung
Frauengesundheit Wechseljahre Alle Themen
In den Wechseljahren

Warum Frauen sich mit diesem intimen Problem nicht abfinden sollten

Scheidentrockenheit kann in den Wechseljahren auftreten
Eine Expertin erklärt, was hinter Scheidentrockenheit in den Wechseljahren steckt und was hilft Foto: Getty Images / Olga Shefer
Artikel teilen

13. April 2026, 4:34 Uhr | Lesezeit: 8 Minuten

„Viele Frauen erleben in den Wechseljahren körperliche Veränderungen, über die noch immer viel zu selten offen gesprochen wird. Scheidentrockenheit gehört auf jeden Fall dazu und wird häufig unterschätzt oder sogar belächelt. Dabei handelt es sich keineswegs nur um ein intimes Komfortproblem, sondern um ein medizinisch relevantes Thema, das die Lebensqualität, die Infektanfälligkeit und das allgemeine Wohlbefinden deutlich beeinflussen kann“, so Frau Dr. med. Heidi Gößlinghoff, Frauenärztin und Mentorin für Frauen und Paare mit unerfülltem Kinderwunsch. Deshalb gilt es, das Thema raus aus der Tabuzone zu holen: Denn Frauen sollten sich für ihre Beschwerden nicht schämen und sich nicht damit abfinden müssen.

Dr. Heidi Gößlinghoff
Mit fachlicher Beratung von Frauenärztin und Online-Begleitung für Frauen und Paare mit unerfülltem Kinderwunsch

Was ist Scheidentrockenheit in den Wechseljahren?

Medizinisch wird Scheidentrockenheit in den Wechseljahren meist dem sogenannten Genitourinary Syndrome of Menopause (GSM) zugeordnet. In der Regel handelt es sich dabei um eine hormonell bedingte Scheidentrockenheit, die fachsprachlich als vaginale Atrophie bezeichnet wird, also eine durch Östrogenmangel ausgelöste Rückbildung des Scheidengewebes.

Auch interessant: Je länger Frauen ohne Östrogen leben müssen, umso schlechter für Herz und Gehirn

Was hält eigentlich die Vagina auf natürliche Weise feucht?

Vaginalwand

Die Scheidenfeuchtigkeit entsteht durch das Zusammenspiel mehrerer Mechanismen. Den größten Anteil liefert die Vaginalwand selbst, denn unter Östrogeneinfluss ist die Schleimhaut gut durchblutet, sodass Gewebsflüssigkeit an die Oberfläche übertritt. Dieser Vorgang wird Transsudation genannt und ist die wichtigste Quelle der natürlichen Grundfeuchtigkeit.

Bartholin-Drüsen

Die Bartholin-Drüsen sitzen beidseits des Vagina-Eingangs und produzieren ein schleimiges Sekret, das vor allem bei sexueller Erregung freigesetzt wird und als natürliches Gleitmittel dient.

Skene-Drüsen (paraurethrale Drüsen)

Diese kleinen Drüsen liegen nahe der Harnröhrenöffnung. Ihr Beitrag zur vaginalen Befeuchtung ist eher gering, kann aber ergänzend eine Rolle spielen.

Zervixdrüsen

„In der Perimenopause, also in der Phase zwischen regelmäßiger Menstruation und den manifesten Wechseljahren, spielen die Zervixdrüsen noch eine wichtige Rolle. Sie produzieren etwa 10 bis 20 Prozent des Vaginalschleims, dessen Konsistenz sich im Verlauf des Zyklus verändert. Rund um den Eisprung ist der Schleim besonders reichlich, dünnflüssig und bietet Spermien optimale Bedingungen, um in die Gebärmutter aufzusteigen. Zu Beginn und am Ende des Zyklus ist er dagegen spärlicher und zäher und verschließt den Muttermund. Postmenopausal verliert der Zervixschleim weitgehend an Bedeutung“, so Frau Dr. Gößlinghoff.

Wie entsteht Scheidentrockenheit?

„Die zentrale Ursache ist der sinkende Östrogenspiegel während der Wechseljahre. Östrogene spielen eine Schlüsselrolle für die Gesundheit der Vaginalschleimhaut, weil sie die Durchblutung fördern, die Schleimproduktion unterstützen und dafür sorgen, dass genügend Glykogen in der Schleimhaut vorhanden ist. Dieses Glykogen dient den Milchsäurebakterien als Nährstoff und hält den pH-Wert im schützenden sauren Bereich“, so Frau Dr. Gößlinghoff. „Sinkt der Östrogenspiegel, kommt es zu einer regelrechten Kettenreaktion. Die Schleimhaut wird dünner, die natürliche Befeuchtung nimmt ab und das Scheidenmilieu wird anfälliger für Keime. Entscheidend ist, dass diese Veränderungen messbar und medizinisch relevant sind. Es handelt sich nicht einfach um ein vorübergehendes Trockenheitsgefühl, sondern um eine strukturelle Veränderung des Gewebes“, erklärt Frau Dr. Gößlinghoff. „Die Beschwerden entwickeln sich häufig langsam und werden deshalb meist nicht direkt mit den Wechseljahren in Verbindung gebracht. Viele Frauen vermuten anfangs eine Infektion oder eine kurzfristige Reizung.“

Auch interessant: Knochenschwund vorbeugen! Das passende Training für die Wechseljahre

Die Symptome von Scheidentrockenheit

Reizung und Schmerzen

Typisch sind ein anhaltendes Trockenheitsgefühl, Brennen oder Juckreiz (med. Pruritus) ebenso wie Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (med. Dyspareunie).

Hautrisse und Infektionen

Kleine Schleimhautrisse oder leichte Blutungen nach dem Sex können ebenfalls auftreten. Nicht selten kommt es auch zu häufigen Blasenentzündungen oder zu einem verstärkten Harndrang. Manche Frauen bemerken auch immer wiederkehrende Pilzinfektionen, deren Ursache in der hormonbedingten Schleimhautveränderung liegt.

Reibungsgefühl

Weniger bekannt, aber ebenfalls typisch, sind ein unangenehmes Reibungsgefühl beim Sport oder beim Tragen enger Kleidung sowie ein diffuses Druckgefühl im Beckenbereich.

Auch interessant: Rebecca Barthel: »Auf dieses Training sollten Frauen in den Wechseljahren setzen

Behandlungsmöglichkeiten

Lokale Östrogenpräparate

Bei ausgeprägter hormonbedingter Scheidentrockenheit gelten lokale Östrogenpräparate als medizinischer Goldstandard. Diese werden als Creme, Zäpfchen, Vaginaltablette oder Vaginalring direkt in die Vagina eingebracht. Sie setzen genau dort an, wo das Problem entsteht, und können die Schleimhaut nachweislich wieder aufbauen. Gleichzeitig sinkt das Risiko für Infektionen, und die systemische Hormonbelastung bleibt sehr gering. Dennoch sollten speziell Frauen mit hormonabhängigen Vorerkrankungen die Anwendung immer ärztlich abklären.

Hormonfreie Cremes

Hormonfreie Feuchtigkeitscremes und Gleitgele können kurzfristig Linderung verschaffen, weil sie die Schleimhaut befeuchten. Wichtig ist jedoch, zu wissen, dass sie die Ursache nicht beheben. Sie bauen die Schleimhaut nicht wieder auf und müssen meist regelmäßig angewendet werden. Bei stärkeren Beschwerden reichen sie oft nicht aus, können aber eine sinnvolle Ergänzung sein.

Zäpfchen

Auch vaginale Feuchtigkeitszäpfchen, beispielsweise mit Hyaluronsäure, werden häufig eingesetzt. Sie pflegen die Schleimhaut und können die Feuchtigkeit länger halten als klassische Gele. Dennoch gilt auch hier: Der zugrunde liegende Östrogenmangel wird dadurch nicht behoben.

Hormonersatztherapie

Eine systemische Hormonersatztherapie wird vor allem dann erwogen, wenn zusätzlich starke Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen bestehen. Für reine Scheidentrockenheit ist sie nicht die erste Wahl.

Lasertherapie

Bei der Lasertherapie werden gezielt Mikroverletzungen in der Schleimhaut gesetzt, um die Kollagenneubildung anzuregen und die Durchblutung zu verbessern. Allerdings ist die Studienlage hierzu uneinheitlich, wie Frau Dr. Gößlinghoff betont. Zudem ist die Behandlung kostenintensiv und erfordert in der Regel mehrere Sitzungen der oft als „Vaginalverjüngung“ beworbenen Methode. Für Frauen mit einer Kontraindikation gegen Östrogene kann sie dennoch eine mögliche Alternative darstellen.

Wichtig für die richtige Behandlung: ärztliche Abklärung der Ursache

Auch wenn Scheidentrockenheit in den Wechseljahren häufig hormonell bedingt ist, sollte die Ursache immer gynäkologisch abgeklärt werden. Ähnliche Beschwerden können nämlich auch durch Infektionen, Hauterkrankungen im Intimbereich, Medikamente oder andere hormonelle Störungen entstehen. Die Frauenärztin oder der Frauenarzt kann meist schon bei der Untersuchung typische Schleimhautveränderungen erkennen und bei Bedarf weitere Tests veranlassen. Diese Abklärung ist wichtig, weil sich die Behandlung je nach Ursache deutlich unterscheidet.

Auch interessant: Regelmäßiger Sex hat für Frauen ab 40 gesundheitliche Vorteile

Lässt sich Scheidentrockenheit vorbeugen?

Sanfte Intimpflege

Eine vollständige Vorbeugung ist nicht möglich, dennoch können Sie aktiv viel für die Gesundheit der Vaginalschleimhaut tun. Sinnvoll ist vor allem eine milde, pH-angepasste Intimpflege, während aggressive Waschlotionen möglichst vermieden werden sollten, da sie die empfindliche Schleimhaut zusätzlich reizen können.

Sexuelle Aktivität

Auch regelmäßige sexuelle Aktivität kann unterstützend wirken, weil sie die Durchblutung der Vaginalschleimhaut fördert.

Rauchstopp

Rauchen verschlechtert die Gewebedurchblutung und kann Beschwerden begünstigen.

Medikamentencheck

Antihormontherapien, einige Antidepressiva sowie Antihistaminika können die Scheidentrockenheit verstärken. Wenn Sie entsprechende Medikamente einnehmen und Beschwerden bemerken, kann eine ärztliche Rücksprache sinnvoll sein.

Präventiv hormonell behandeln?

Von einer routinemäßigen vorbeugenden Anwendung hormonhaltiger Vaginalpräparate ohne Beschwerden wird in der Regel abgeraten. Treten jedoch erste Symptome auf, kann eine frühzeitige lokale Therapie helfen, die Schleimhautgesundheit stabil zu halten.
Kann hormonell bedingte Scheidentrockenheit von selbst wieder verschwinden?
Ohne Behandlung bildet sich die hormonbedingte Scheidentrockenheit meist nicht zurück. Da die hormonelle Umstellung dauerhaft ist, bleibt auch die Neigung zur Schleimhautatrophie bestehen.

Mehr zum Thema

Was passiert, wenn man sie nicht behandelt?

Bleibt Scheidentrockenheit unbehandelt, kann sich die Schleimhaut weiter zurückbilden. Die Beschwerden nehmen häufig zu, Infektionen treten leichter auf und chronische Reizungen können entstehen. Daraus kann sich eine belastende Beschwerdespirale entwickeln, die Partnerschaften belasten und das eigene Körpergefühl negativ beeinflussen kann. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser sind in der Regel die Ergebnisse.

Nicht ignorieren, nicht damit abfinden, behandeln lassen

„Scheidentrockenheit in den Wechseljahren ist weitverbreitet und sollte medizinisch ernst genommen werden. Sie betrifft nicht nur das Liebesleben, sondern kann die gesamte urogenitale Gesundheit beeinflussen“, so Frau Dr. Gößlinghoff. „Die wichtigste Botschaft lautet: Sie müssen diese Beschwerden nicht einfach hinnehmen. Besonders die lokale Östrogentherapie gilt heute als wirksame und gut verträgliche Standardbehandlung. Hormonfreie Produkte können unterstützen, ersetzen die ursächliche Therapie jedoch meist nicht. Wenn Sie erste Anzeichen bemerken, sprechen Sie frühzeitig mit Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt. Je früher gehandelt wird, desto besser lässt sich die Schleimhautgesundheit erhalten – und damit auch Ihr Wohlbefinden im Alltag.“

Sie haben erfolgreich Ihre Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen. Damit entfallen alle Einwilligungen, die Sie zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den Privacy-Manager erteilt haben. Sie können sich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit Tracking und Cookies entscheiden.

Bitte beachten Sie, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich an datenschutz@axelspringer.de.