Für viele Menschen mit obstruktiver Schlafapnoe gehört eine CPAP-Atemmaske zum Alltag. Sie verhindert, dass die oberen Atemwege während des Schlafs zusammenfallen, und gilt als wirksamste Behandlung der Erkrankung. Doch längst nicht alle Betroffenen kommen mit der Maske zurecht. Eine neue Studie weckt nun Hoffnung auf eine Alternative in Tablettenform. Ein Experte dämpft bei FITBOOK allerdings die Euphorie für die Behandlung von Schlafapnoe durch die Pille.
Schlafapnoe belastet Gesundheit und Alltag
Bei der obstruktiven Schlafapnoe erschlaffen die Muskeln im Rachen während des Schlafs, sodass die oberen Atemwege wiederholt teilweise oder vollständig blockiert werden. Die Folge sind Atemaussetzer, ein sinkender Sauerstoffgehalt im Blut und zahlreiche kurze Weckreaktionen, die den Schlaf stören.
Typische Symptome sind lautes Schnarchen, nicht erholsamer Schlaf, ausgeprägte Tagesmüdigkeit sowie Konzentrationsprobleme. Bleibt die Erkrankung unbehandelt, steigt unter anderem das Risiko für Bluthochdruck sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Neue Studie untersucht experimentelle Tablette AD109
Ein internationales Forschungsteam untersuchte jetzt die experimentelle Pille AD109 als mögliche Behandlungsoption. Das Medikament kombiniert die beiden Wirkstoffe Atomoxetin und Aroxybutynin. Ziel ist es, die Muskulatur der oberen Atemwege während des Schlafs zu stabilisieren und so deren Kollaps zu verhindern. An der Studie nahmen 646 Erwachsene mit leichter bis schwerer obstruktiver Schlafapnoe teil. Über einen Zeitraum von 26 Wochen erhielten sie entweder AD109 oder ein Placebo.1
Weniger Atemaussetzer unter der Behandlung
Die Ergebnisse sind vielversprechend: Unter AD109 verringerte sich die Zahl der nächtlichen Atemstörungen im Durchschnitt um 44,1 Prozent. Gleichzeitig kam es seltener zu Sauerstoffabfällen während des Schlafs. Nach sechs Monaten erreichten knapp 16 Prozent der Teilnehmenden unter AD109 einen Schweregrad, der nach der Definition der Studie nicht mehr als Schlafapnoe galt. In der Placebogruppe traf dies auf rund neun Prozent der Teilnehmenden zu.
Allerdings zeigte sich auch eine Kehrseite: Rund 21 Prozent der Probandinnen und Probanden brachen die Behandlung aufgrund von Nebenwirkungen ab. Zu den häufigsten Beschwerden zählten Mundtrockenheit, Schlaflosigkeit und Übelkeit.
Kann die Pille die CPAP-Maske ersetzen? Experteneinschätzung
Nach Einschätzung eines Schlafmediziners lautet die Antwort derzeit: eher nicht. „Die berühmte Maske auf der Nase ist so schnell nicht zu schlagen“, sagt Prof. Dr. Ingo Fietze, Leiter des Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrums der Charité Berlin, auf FITBOOK-Nachfrage. Aus seiner Sicht könnte ein Medikament wie AD109 künftig vor allem für ausgewählte Patientinnen und Patienten infrage kommen – etwa bei einer milden Form der Erkrankung oder wenn eine CPAP-Therapie nicht vertragen wird.
Denn trotz der positiven Studienergebnisse reduziert die Tablette die Atemaussetzer bislang nicht in dem Ausmaß, wie es eine gut eingestellte CPAP-Therapie leisten kann. Zudem sprechen nicht alle Betroffenen gleichermaßen auf das Medikament an.
Fazit
Die Studienergebnisse zeigen, dass Medikamente künftig eine größere Rolle in der Behandlung der obstruktiven Schlafapnoe spielen könnten. Von einem Ersatz für die etablierte CPAP-Therapie kann derzeit jedoch keine Rede sein. Sollte AD109 zugelassen werden, dürfte die Tablette vielmehr eine zusätzliche Therapieoption für ausgewählte Patientinnen und Patienten darstellen – insbesondere für diejenigen, die eine Atemmaske nicht anwenden können oder möchten.
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