1. Dezember 2025, 13:02 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Weihnachtszeit bedeutet Erkältungszeit und in diesem Jahr zeigt sich: Die Grippesaison beginnt früher als sonst. In mehreren Ländern Europas, darunter Großbritannien, ist die Welle bereits deutlich angelaufen – und auch in Deutschland verzeichnen Arztpraxen seit dem Spätherbst vermehrt Atemwegserkrankungen. Noch ist das Niveau niedrig, doch Influenzaviren – darunter auch erste H3N2-Fälle – wurden bereits nachgewiesen. Fachleute beobachten vor allem eine genetisch veränderte Variante des Virus, die sogenannte Subklade K. Sie könnte die laufende Saison deutlich beeinflussen. Welche Symptome dabei typisch sind – und was das für Deutschland bedeutet – lesen Sie hier.
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Grippesaison beginnt früher – und nicht harmlos
Die Grippewelle hat in diesem Jahr früher als gewohnt eingesetzt. Bereits im Spätherbst meldeten Arztpraxen in Deutschland eine auffällige Zunahme von Influenza-Erkrankungen. Auch in Großbritannien hatte die Saison ungewöhnlich früh begonnen – schon im September, also deutlich vor dem üblichen Verlauf. Vor allem der Subtyp H3N2 sorgt aktuell für Aufmerksamkeit: Er gilt als besonders ansteckend und wandlungsfähig – und könnte die diesjährige Saison dominieren.1
Diese Symptome treten bei einer H3N2-Infektion besonders häufig auf
Typisch für das H3N2-Virus ist ein plötzlicher, oft sehr heftiger Krankheitsbeginn. Die Beschwerden ähneln in Teilen anderen Grippeformen, weisen jedoch auch einige markante Merkmale auf. Häufig genannte Symptome sind:
- Starker Husten, der trocken und hartnäckig sein kann und sich oft über mehrere Tage oder sogar Wochen hinzieht.
- Fieber, das schnell ansteigt und mäßig bis hoch ausfallen kann – begleitet von einem deutlich ausgeprägten Krankheitsgefühl.
- Schüttelfrost, der in vielen Fällen gleichzeitig mit dem Fieber einsetzt und den Beginn der Erkrankung markiert.
- Muskel- und Gliederschmerzen, die teilweise sehr stark ausfallen und zu den besonders auffälligen Merkmalen dieser Virusvariante zählen.
- Weitere Begleiterscheinungen wie Erschöpfung, Halsschmerzen, verstopfte oder laufende Nase, Schweißausbrüche sowie in Einzelfällen auch Magen-Darm-Symptome wie Übelkeit oder Durchfall – insbesondere bei Kindern.
Da sich die Beschwerden stark mit denen anderer viraler Atemwegserkrankungen überschneiden – etwa mit Covid-19 oder RSV – raten Fachleute bei unklaren Symptomen unbedingt zu einer diagnostischen Abklärung. Laut Robert Koch-Institut kann eine sichere Unterscheidung nur über gezielte Tests erfolgen.2
Was ist anders an H3N2 – und warum ist Subklade K im Fokus?
H3N2 ist kein neues Virus. Doch der aktuell zirkulierende Stamm gehört zur sogenannten Subklade K – einer Variante, die genetisch deutlich verändert ist. Das Problem: Durch diese Veränderungen erkennt das Immunsystem das Virus oft schlechter. Auch bereits Geimpfte oder früher Erkrankte sind nicht automatisch geschützt, weil die Immunabwehr das Virus nicht sofort „wiedererkennt“.
Das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) warnte im November davor, dass diese Subklade sich signifikant vom Impfstamm unterscheiden könnte. Dennoch gehen die Behörden davon aus, dass die Impfung vor schweren Verläufen schützt – wenn auch nicht immer vor einer Infektion selbst.
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Wer bei einer Grippewelle besonders gefährdet ist
Auch wenn viele Grippeverläufe mild bleiben, gibt es bestimmte Gruppen, bei denen die Krankheit schwerer verlaufen kann. Dazu zählen vor allem:
- Ältere Menschen ab 60 Jahren
- Kleinkinder, besonders unter fünf Jahren
- Menschen mit chronischen Krankheiten, z. B. an Herz, Lunge, Leber oder Nieren
- Diabetiker und Personen mit geschwächtem Immunsystem
- Schwangere Frauen
Das liegt daran, dass bei diesen Menschen die Abwehrkräfte oft nicht so stark oder belastbar sind wie bei gesunden Erwachsenen. Das Immunsystem reagiert langsamer oder weniger wirksam – Grippeviren können sich deshalb schneller ausbreiten und stärkere Entzündungen oder Komplikationen auslösen. In manchen Fällen kann es sogar zu einer Lungenentzündung oder einem Krankenhausaufenthalt kommen. Auch das Risiko für Folgeerkrankungen wie Herzprobleme steigt bei dieser Gruppe deutlich an.
Genau deshalb empfehlen Fachleute gerade diesen Personen eine rechtzeitige Impfung. Sie schützt zwar nicht immer vollständig vor einer Ansteckung, kann aber helfen, den Krankheitsverlauf deutlich abzumildern.3
Blick nach Australien: Was uns die Lage dort zeigt
Ein Blick auf die Südhalbkugel zeigt, wie intensiv eine Grippesaison verlaufen kann. In Australien wurden 2025 über 410.000 laborbestätigte Grippefälle gemeldet – mehr als je zuvor. Besonders auffällig: Über 44.500 dieser Fälle betrafen Kinder unter fünf Jahren, und mehr als ein Drittel aller Erkrankten war jünger als 15. Gleichzeitig waren die Impfquoten niedrig: Nur 25,7 Prozent der Kleinkinder und 60,5 Prozent der über 65-Jährigen waren geimpft – so wenig wie seit Jahren nicht mehr.4
Fachleute dort sprechen von einem deutlichen Warnsignal: Wenn Impfquoten sinken, kann sich das Virus schneller verbreiten – mit höheren Fallzahlen und größerer Belastung für das Gesundheitssystem. Auch für Europa und Deutschland ist das eine wichtige Lehre.
Was bedeutet das für Deutschland?
Auch in Deutschland wurde das H3N2-Virus bereits nachgewiesen. Noch sind die Zahlen überschaubar, aber das könnte sich bald ändern. Das Robert Koch-Institut beobachtet bereits einen leichten Anstieg, besonders bei Kindern und älteren Menschen. Fachleute rechnen mit mehr Fällen in den kommenden Wochen – gerade rund um die Weihnachtszeit, wenn viele Menschen in geschlossenen Räumen zusammenkommen.5
Die Impfbereitschaft in Deutschland ist ähnlich wie in Australien: Viele Menschen lassen sich nicht mehr impfen – aus Unsicherheit, Zeitmangel oder Unterschätzung des Risikos. Dabei kann eine Impfung schwere Krankheitsverläufe verhindern, gerade bei älteren oder vorerkrankten Personen. Wenn gleichzeitig auch andere Viren wie RSV oder Corona zirkulieren, kann das Gesundheitssystem zusätzlich belastet werden.
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Warum die Grippeimpfung auch jetzt noch sinnvoll ist
Selbst wenn die Grippeimpfung schon im Herbst empfohlen wird, lohnt sie sich jetzt noch. Die Impfstoffe sind zwar nicht perfekt auf jede Virusvariante abgestimmt, können aber trotzdem vor schweren Krankheitsverläufen schützen. Der Körper baut dabei sogenannte „Erinnerungsantikörper“ auf, die auch leicht veränderte Viren noch erkennen können.
Besonders empfohlen wird die Impfung laut Robert Koch-Institut für Menschen ab 60, Schwangere, Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Asthma oder Herz-Kreislauf-Problemen – sowie für Pflegeheimbewohner und medizinisches Personal.
Erfahrungen aus Australien deuten darauf hin, dass niedrige Impfquoten mit einer hohen Zahl von Grippefällen zusammenfallen – das könnte das Risiko für viele erhöhen. Ob dies systematisch zu mehr schweren Verläufen führt, lässt sich derzeit nicht abschließend beurteilen. Experten warnen jedoch davor, dass besonders bei mutierten Varianten wie H3N2 Subklade K der Impfschutz eingeschränkt sein könnte.
Ein Winter mit Risiko – aber auch mit Schutzmöglichkeiten
Die Grippesaison 2025/26 verläuft bislang früher und dynamischer als gewohnt. Mit H3N2 ist ein Subtyp aktiv, der sich schnell verändert – und mit Subklade K in einer Form auftritt, die das Immunsystem möglicherweise schlechter erkennt. Was die Saison bringt, ist offen. Doch der Verlauf hängt nicht nur vom Virus ab, sondern auch vom Verhalten der Bevölkerung.
Eine Impfung kann schwere Verläufe verhindern, gerade bei Risikogruppen. Wer Symptome hat, sollte rücksichtsvoll handeln – und Hygieneregeln ernst nehmen. So lässt sich auch eine schwierige Grippesaison besser durchstehen.