25. August 2026, 17:56 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Weckt bei Männern womöglich mehr als nur den Geist: Eine aktuelle Kaffee-Studie der Universität Oulu findet Hinweise darauf, dass der morgendliche Muntermacher die Libido von Männern positiv beeinflussen könnte. Was ist dran?
Neben der Libido scheint regelmäßiger Kaffeekonsum noch weitere überraschende Effekte auf Stoffwechsel, Muskelmasse, Körperfett und Blutwerte zu haben, von denen letztlich beide Geschlechter profitieren. Welche das sind, wurde aktuell in der Fachzeitschrift „European Journal of Nutrition“ veröffentlicht.1
Kaffee – mehr als nur flüssiges Koffein
Kaffee enthält mehr als 1000 biologisch aktive Substanzen. Am besten erforscht ist das Stimulans Koffein. Was die weniger bekannten wie Chlorogensäuren, Trigonellin, Cafestol und Kahweol betrifft, sind ihre möglichen gesundheitlichen Effekte längst nicht vollständig geklärt. Und doch kommen jährlich zahlreiche neue Kaffee-Studien zu erstaunlichen Ergebnissen: Mal schützt er die Leber, mal vor Demenz, sogar biologische Alterungsprozesse soll das Gebräu ausbremsen können (FITBOOK berichtete). Und jetzt bringt Kaffee auch die männliche Libido in Schwung? Wie stellt er das alles an? Oder, wissenschaftlich gefragt: Welche biologischen Veränderungen gehen mit regelmäßigem Kaffeetrinken einher und unterscheiden sie sich bei Männern und Frauen? Finnland hat übrigens den weltweit höchsten Pro-Kopf-Verbrauch an Kaffee. Dass ausgerechnet finnische Forscher diese Wissenslücke schließen wollen, verwundert nicht.
So wurde untersucht
Die Forscher analysierten Daten von 2.264 Frauen und Männern, die an der Nordfinnischen Geburtskohorte von 1966 teilnahmen. Die Hälfte von ihnen trank täglich mindestens fünf Tassen Kaffee, also reichlich. Nur 70 von ihnen tranken gar keinen Kaffee. Im Alter von 46 Jahren erfolgte bei ihnen eine Blutuntersuchung, für die sie zuvor zwölf Stunden lang gefastet sowie auf Kaffee und Nikotin verzichtet hatten. Dabei wurden Gewicht, Körperfett (auch viszerales), Muskelmasse und der BMI ermittelt. Ebenso Nüchternblutzucker, Insulinresistenz sowie verschiedene Testosteronwerte und andere Sexualhormone. Besonders umfangreich war die sogenannte NMR-Metabolomik. Dabei wurden 164 verschiedene Lipid- und Stoffwechselparameter im Blut analysiert. Darunter verschiedene Cholesterin- und Fettbestandteile, Fettsäuren, Aminosäuren, Stoffwechselprodukte und Entzündungsmarker.
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Weniger Fett, mehr Muskeln
Die finnischen Forscher erhofften sich durch die umfangreiche Menge an Daten, ein klareres Bild über die unterschiedlichen Wirkmechanismen ihres Lieblingsgetränks zu erhalten. Eines stach besonders deutlich heraus: Frauen und Männer mit höherem Kaffeekonsum hatten im Durchschnitt weniger Körperfett (auch viszeral) und mehr Muskelmasse. Interessant: Der BMI unterschied sich zwischen den Kaffeekonsumgruppen nicht wesentlich. Bei Männern ging Kaffee-Liebe mit niedrigeren Insulinwerten und einer günstigeren Insulinempfindlichkeit einher. Auch niedrigere Konzentrationen bestimmter Aminosäuren, die mit Insulinresistenz und einem höheren Diabetesrisiko verbunden sind, fanden sich bei Kaffeefans beiderlei Geschlechts. Allerdings waren die beobachteten statistischen Zusammenhänge insgesamt eher klein.
Der Einfluss von Kaffeekonsum auf das Gebärmutterkrebsrisiko
Kaffee und Tee mit geringerem Demenzrisiko assoziiert – unter einer Bedingung
Kaffee, Testosteron und Libido bei Männern – jetzt wird‘s interessant
Mit jeder zusätzlichen Tasse pro Tag stieg das Gesamt-Testosteron der Männer im Durchschnitt um 0,29 nmol/L. Darunter auch höheres bioverfügbares Testosteron sowie erhöhte Werte des Sexualhormon-bindenden Globulins (SHBG). Beides spielt eine Rolle bei der Sexualfunktion und daher bei der Libido. Allerdings hängt die Lust auf Sex von sehr viel mehr Faktoren ab, wie der psychischen Verfassung, dem Schlaf, Stress, der Beziehung, Medikamenten und anderen Hormonen. In dieser Beziehung scheint das Tässchen Kaffee extra kein Wundermittel, aber nützlich zu sein.
Kaffee bleibt trotz neuer Erkenntnisse ein Rätsel
Welche der zahlreichen Substanzen im Kaffee an welchen Prozessen beteiligt sind, wissen die Forscher weiterhin nicht. „Millionen von Menschen konsumieren täglich Kaffee, dennoch wissen wir erstaunlich wenig darüber, wie er sich auf unseren Stoffwechsel und unsere Hormone auswirkt“, bemerkt Studienleiter Luca Verroest in einer Universitätsmitteilung.2 Immerhin liefert seine Beobachtungsstudie neue Hinweise darauf, dass hormonelle Prozesse den offenbar sehr komplexen Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und Stoffwechselgesundheit zumindest teilweise erklären könnten.
In einer Hinsicht muss die Studie leider enttäuschen: Täglich massenhaft Kaffee zu trinken, mag zwar bei Männern für Herzklopfen sorgen, macht sie aber weder automatisch schlank noch zu „Libido-verwöhnten Testosteronbomben“.