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Große Studie

Kaffeetrinker erleiden seltener Lebererkrankungen

Eine Tasse Kaffee
Kaffee ist das mit Abstand beliebteste Getränk in Deutschland – er schlägt sogar Bier und Mineralwasser Foto: Getty Images
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Sophie Brünke
Autorenfoto
Berlin, 3.6.2026
(c) Niels Starnick / BILD
Ernährungsexpertin

8. Juli 2026, 17:03 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Kaffee ist mehr als ein Wachmacher. Eine große Analyse deutet darauf hin, dass er auch mit günstigeren Leberwerten zusammenhängen könnte. FITBOOK-Redakteurin Sophie Brünke hat beim Studienautor Dr. med. Hyunseok Kim nachgefragt, was das praktisch bedeutet.

Mit Kaffee gegen Lebererkrankungen

„Frühere Studien deuteten darauf hin, dass Kaffee der Leber nutzen könnte, aber die meisten waren kleiner oder betrachteten nur einen Teil des Puzzles“, so Hyunseok Kim in einer Pressemitteilung.1 Deshalb untersuchte der Assistenzprofessor für Medizin an der Cedars-Sinai-Klinik in Los Angeles gemeinsam mit einem Forschungsteam in einer großangelegten Studie, ob Kaffeekonsum mit einer besseren Lebergesundheit verbunden ist. Grundlage waren Daten von 354.957 Teilnehmern der UK Biobank, die im Schnitt 57 Jahre alt waren, knapp zur Hälfte männlich und zu Studienbeginn keine Lebererkrankung aufwiesen.

Über eine mediane Nachbeobachtungszeit von 13 Jahren zeigte sich: Wer mehr Kaffee trank, hatte im Vergleich zu Nicht-Kaffeetrinkern geringere Risiken für mehrere schwere Lebererkrankungen. Insbesondere bei fünf oder mehr Tassen Kaffee zeigte sich eine deutliche Risikosenkung für Leberzirrhose, Leberkrebs und leberbedingte Todesfälle.2

Wie die Wissenschaftler vorgingen

Die Untersuchung war eine Kohortenstudie. Dabei wurden die Teilnehmer über längere Zeit beobachtet, aber ohne, dass die Forscher ihnen eine bestimmte Menge Kaffee verordneten.

Die Teilnehmer waren bei der Aufnahme zwischen 40 und 69 Jahre alt. Per Fragebogen machten sie Angaben zu ihrem Kaffeekonsum, zur Kaffeeart – koffeinhaltig oder entkoffeiniert – und dazu, ob sie Zucker oder Süßstoffe verwendeten. Neue Fälle von Leberzirrhose, Leberkrebs und leberbedingten Todesfällen wurden über verknüpfte Gesundheitsdaten erfasst.

Zusätzlich untersuchten die Forscher eine Untergruppe mit 28.961 Teilnehmern, von denen sie MRT-Aufnahmen auswerteten. Dabei bestimmten die Forscher, wie viel Fett und Eisen sich in der Leber angesammelt hatte. Außerdem bewerteten sie einen Marker für sogenannte Fibroinflammation. Dieser beschreibt Prozesse, die mit Entzündungen und beginnender Vernarbung des Lebergewebes (Fibrose) zusammenhängen. Bei einer weiteren Untergruppe mit 44.633 Teilnehmern wurden zudem Blutproben auf Marker hinsichtlich Leberfunktion, Entzündungen und Vernarbungen untersucht.

5 Tassen zeigten größten Effekt – aber Forscher raten davon ab

Je mehr Kaffee die Probanden tranken, desto seltener kam es zu Lebererkrankungen. Besonders deutlich wurde das bei Teilnehmern, die fünf oder mehr Tassen pro Tag tranken. In der Gruppe mit fünf oder mehr Tassen Kaffee pro Tag war das Risiko für Leberzirrhose um 32 Prozent niedriger als bei Nicht-Kaffeetrinkern. Das Risiko für Leberzellkrebs lag um 47 Prozent niedriger, das Risiko für leberbedingte Sterblichkeit um 42 Prozent niedriger.

Doch die Studienautoren betonen, dass auch ein bis zwei Tassen täglich bereits positive Effekte auf die Lebergesundheit aufwiesen. Sie raten davon ab, den persönlichen Konsum gezielt auf ein Niveau von fünf oder mehr Tassen hochzuschrauben.

Auch interessant: „Harmloses“ Symptom kann Anzeichen für eine Fettleber sein

MRT-Bilder und Blutanalysen bestätigen Effekt

Die MRT-Daten passten zu diesem Bild. Höherer Kaffeekonsum war in den Aufnahmen mit weniger Leberfett, weniger Lebereisen und günstigeren Markern für Entzündungen und Vernarbung verbunden.

In den Blutanalysen zeigten Kaffeetrinker zudem höhere Werte bestimmter Proteine wie Transthyretin und Selenoprotein P für die Synthesefunktion, die mit gesunder Leberfunktion in Verbindung stehen – und niedrigere Werte von Proteinen, die mit Vernarbung und Entzündung zusammenhängen.

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Auch koffeinfreier Kaffee ist eine Option

Gute Nachrichten für alle, die Koffein schlecht vertragen oder nachmittags keinen Kaffee mehr trinken möchten: Auch die entkoffeinierte Variante des Wachmachers zeigt eine positive Wirkung auf die Leber.

Kim sagt FITBOOK dazu: „Dies war eine der interessantesten Erkenntnisse unserer Studie. Da entkoffeinierter Kaffee ähnliche Zusammenhänge zeigte, deutet dies darauf hin, dass Koffein wahrscheinlich nicht der einzige Bestandteil ist, der für die Vorteile für die Leber verantwortlich ist.“

Eine mögliche Erklärung: „Kaffee enthält viele weitere bioaktive Verbindungen, darunter Polyphenole und Chlorogensäuren, die zu seinen entzündungshemmenden und antifibrotischen Wirkungen beitragen könnten.“ Antifibrotisch meint, dass die Vernarbungsprozesse am Lebergewebe abgeschwächt werden könnten.

Milch, Zucker, Kaffeegetränke – Studienautor hat klare Meinung

Viele trinken Kaffee nicht schwarz, sondern mit Milch, Zucker oder Süßstoff. Auch verschiedene Kaffeegetränke, die to-go beliebt sind, enthalten oft Sirup, Sahne und Co. Dazu hat Kim eine klare Empfehlung: „Der gesündeste Ansatz ist, Kaffee relativ einfach zu halten. Schwarzer Kaffee oder Kaffee mit möglichst wenig zugesetztem Zucker ist wahrscheinlich die beste Wahl.“

Besonders vorsichtig sollte man bei stark gesüßten Kaffeegetränken sein. „Viele Spezialkaffeegetränke können große Mengen an zugesetztem Zucker, Sirup und Kalorien enthalten“, so Kim. „Diese Zutaten könnten einige der breiteren metabolischen Vorteile, die mit Kaffee verbunden sind, abschwächen.“

Kim räumt ein, dass in der Studie zwar auch Personen, die Zucker oder künstliche Süßstoffe verwendeten, insgesamt günstige Leberwerte aufwiesen. Trotzdem wiesen sie „etwas weniger günstige MRT-Marker für Leber-Fibroinflammation“ auf.

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Sollte ich jetzt zum Kaffeetrinker werden?

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Kaffee einem breiten Spektrum von Erwachsenen zugutekommen könnte“, so Kim. Besonders Menschen mit Stoffwechselrisiken wie Adipositas oder Fettleber könnten „im Rahmen eines insgesamt gesunden Lebensstils besonders profitieren“. Gleichzeitig warnt er vor einer zu einfachen Botschaft: „Kaffee sollte jedoch niemals als Ersatz für Gewichtsmanagement, Bewegung oder die Begrenzung von Alkohol betrachtet werden.“

Für manche Menschen ist Kaffee zudem nicht unproblematisch. „Menschen, die schwanger sind, eine ausgeprägte Koffeinempfindlichkeit, unkontrollierte Angstzustände, Schlaflosigkeit, bestimmte Herzrhythmusstörungen oder andere Erkrankungen haben, bei denen von Koffeinkonsum abgeraten wird, sollten ihren Kaffeekonsum mit ihrem Arzt besprechen.“ Die passende Menge sei individuell: „Die angemessene Kaffeemenge ist von Person zu Person unterschiedlich.“

Was die Studie zeigt – und was nicht

Zu den Stärken der Studie zählen die hohe Teilnehmerzahl, die lange Nachbeobachtungszeit sowie die Kombination aus Gesundheitsdaten, MRT-Aufnahmen und Blutanalysen.

Wichtig ist allerdings, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt. Sie kann Zusammenhänge zeigen, aber nicht beweisen, dass Kaffee Leberkrankheiten verhindert. Zudem wurde der Kaffeekonsum per Fragebogen erfasst, was zu Ungenauigkeiten führen kann. Da 93,9 Prozent der Teilnehmer weißer ethnischer Herkunft waren, lassen sich die Ergebnisse nur bedingt auf andere Bevölkerungsgruppen übertragen.

Offen bleibt zudem, welche Inhaltsstoffe des Kaffees dabei eine Rolle spielen. Studienautorin Shelly Lu erklärt: „Der nächste Schritt in unserer Forschung ist es, die spezifischen Verbindungen im Kaffee zu identifizieren, die für diese leberschützenden Zusammenhänge verantwortlich sind.“

Quellen

  1. Cedars-Sinai. Study: New Biological Clues Behind Coffee’s Benefit to Liver Health. (aufgerufen am 08.07.2026) ↩︎
  2. Kim, H.-S., Rezaee-Zavareh, M. S., Wang, Y. et al. (2026). Coffee Consumption and Improved Liver Outcomes: Clinical, Imaging, and Proteomic Evidence From the UK Biobank. Clinical Gastroenterology and Hepatology. ↩︎

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