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Olympiasieger bei „7 vs. Wild“

Matthias Steiner: „Du bist wirklich komplett auf dich allein gestellt“

Matthias Steiner wagte bei „7 vs. Wild“ ein riskantes Experiment.
Matthias Steiner wagte bei „7 vs. Wild“ ein riskantes Experiment. Foto: Dennis Kortuemm

23. Oktober 2026, 13:44 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Was passiert, wenn man als Typ-1-Diabetiker plötzlich auf sich allein gestellt ist und nicht weiß, wann man das nächste Mal etwas zu essen bekommt? Genau dieser Frage wollte Matthias Steiner bei der Survival-Realityshow „7 vs. Wild“ auf den Grund gehen. Für den ehemaligen Gewichtheber und Olympiasieger von 2008 war die Teilnahme allerdings mit besonderen gesundheitlichen Risiken verbunden. Denn sowohl eine schwere Unterzuckerung als auch ein Insulinmangel können für ihn lebensgefährlich werden. Im Gespräch mit FITBOOK-Chefredakteur Nuno Alves erzählt Steiner, warum er trotzdem zugesagt hat und welche Vorkehrungen er für den Notfall treffen musste.

Matthias Steiner wollte seine Grenzen austesten

Für Steiner war die Teilnahme mehr als eine körperliche Herausforderung. Dass seine Erkrankung dabei eine besondere Rolle spielte, war ihm von Anfang an bewusst: „Meine Teilnahme war durch meinen Diabetes mit besonderen Risiken verbunden. Aber genau das war auch ein Grund, warum ich zugesagt habe. Ich wollte diese Grenzerfahrung.“

Vor allem die Suche nach Nahrung beschäftigte ihn: „Ich wollte herausfinden, ob ich mit dieser Autoimmunerkrankung in einer Gegend zurechtkomme, in der ich vorher nicht weiß, ob ich etwas zu essen finde – und wenn ja, ob diese Nahrung überhaupt Kohlenhydrate enthält.“

Was passiert bei Typ-1-Diabetes im Körper?

Bei Typ-1-Diabetes handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse zerstört werden. Dadurch stellt der Körper kein eigenes Insulin mehr her. Das Hormon sorgt normalerweise dafür, dass Zucker aus dem Blut in die Körperzellen gelangt und dort als Energie genutzt werden kann. Betroffene müssen sich Insulin deshalb selbst zuführen und die Dosierung unter anderem an ihre Nahrungsaufnahme und körperliche Aktivität anpassen.1

„Eine schwere Unterzuckerung kann zu Bewusstlosigkeit führen“

Unter den unberechenbaren Bedingungen von „7 vs. Wild“ wurde die richtige Insulindosierung für Steiner zu einer besonderen Herausforderung. Denn weder die Nahrungsaufnahme noch die körperliche Belastung ließen sich im Voraus planen.

Steiner erklärt: „Dabei gibt es zwei Gefahren: Wenn im Verhältnis zum Essen und zur körperlichen Belastung zu viel Insulin wirkt, kann mein Blutzucker gefährlich absinken. Eine schwere Unterzuckerung kann zu Bewusstlosigkeit führen und lebensbedrohlich werden.“

Doch auch das Gegenteil konnte zum Problem werden. „Ich kann aber auch nicht einfach das Insulin weglassen, nur weil ich nichts esse. Bei einem schweren Insulinmangel können sich sogenannte Ketonkörper ansammeln und das Blut übersäuern. Das nennt man Ketoazidose und kann ebenfalls binnen Tagen lebensbedrohlich werden.“

Auch interessant: Symptome, die auf Diabetes Typ 1 hindeuten

So kontrollierte Matthias Steiner seinen Blutzucker in der Wildnis

Bei der medizinischen Versorgung musste Steiner vor allem eines berücksichtigen: Die Teilnehmer durften ihre Smartphones nicht behalten. Für die Überwachung seiner Glukosewerte brauchte er deshalb eine andere Lösung.

„Ich hatte einen Sensor dabei, mit dem ich meine Glukosewerte laufend verfolgen konnte, und mehrere Ersatzsensoren, falls einer ausfällt. Da wir unsere Handys abgeben mussten, hatte ich dafür ein separates Lesegerät ohne GPS. Zusätzlich hatte ich ein Messgerät dabei, mit dem ich sowohl den Blutzucker als auch die Ketonkörper im Blut messen konnte, um mich doppelt abzusichern.“

Die Messung der Ketonkörper war eine weitere Möglichkeit, einen möglichen Insulinmangel zu erkennen. Auch an die Aufbewahrung seines Insulins musste Steiner denken: „Und für das Insulin gibt es spezielle Kühltaschen.“

Für den Notfall hatte Steiner vorgesorgt

Was aber, wenn sein Blutzucker trotz aller Vorsichtsmaßnahmen plötzlich stark absinken würde? Schließlich konnte Steiner nicht einfach zum nächsten Supermarkt gehen oder sich darauf verlassen, sofort Hilfe zu bekommen.

„Für eine Unterzuckerung hatte ich Glukose-Gel dabei. Aber – und das möchte ich wirklich betonen – ausschließlich für den Notfall. Das war auch so mit der Produktion abgesprochen. Wenn du allein bist und es im Ernstfall erst einmal 30 oder 40 Minuten dauern kann, bis Hilfe bei dir ist, musst du selbst gegensteuern können.“

Für alle Teilnehmer gab es außerdem eine Notfallregelung. Über einen roten Knopf konnten sie Hilfe anfordern und sollten anschließend so schnell wie möglich gerettet werden.

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Kaum Zeit für die körperliche Vorbereitung

Neben der medizinischen Planung musste sich Steiner auch körperlich auf das Abenteuer einstellen. Dabei setzte er vor allem auf eine möglichst praxisnahe Vorbereitung: „Leider hatte ich nicht die Zeit, mich großartig vorzubereiten. Zum Glück habe ich eine gute körperliche Grundfitness. Die wenigen Tage, die mir blieben, habe ich unter anderem für längere Märsche genutzt – mit langer Hose, langärmeligem Shirt und Wanderschuhen.“

Steiner wollte zudem herausfinden, wie sein Körper unter ungewohnten Wetterbedingungen reagiert: „Dafür war ich auch zwei Tage in den Bergen. Wir hatten hier im Sommer selbst 35 Grad im Schatten, und ich wollte schauen, wie mein Körper auf die Belastung bei der Hitze reagiert.“

Doch körperliche Fitness allein reichte nicht aus. Steiner war zuvor noch nie in der Wildnis gewesen und musste erst lernen, Feuer zu machen und eine Unterkunft zu bauen. Unterstützung holte er sich von Outdoor-Experten. Weil er nicht wusste, welche Materialien ihm vor Ort zur Verfügung stehen würden, konnte er vieles nur eingeschränkt üben.

„Irgendwann musste ich dann einfach darauf vertrauen, dass ich körperlich fit genug bin. Wie ich mit dem Rest zurechtkomme, würde sich vor Ort zeigen.“

So erlebte der Olympiasieger die Wildnis

Wie anspruchsvoll die Umgebung tatsächlich war, zeigte sich erst während der Dreharbeiten. Steiner stellt klar: „7 vs. Wild ist auf jeden Fall kein Fake-Format. Du bist wirklich komplett auf dich allein gestellt.“ Besonders der Untergrund setzte seiner Ausrüstung zu: „Und so viel kann ich verraten: Die Region ist extrem. Der Boden ist so scharfkantig, dass die Sohlen meiner nagelneuen Trekkingschuhe schon nach kurzer Zeit komplett zerschnitten waren.“ Seine Teilnahme bewertet er dennoch positiv: „Es war auf jeden Fall eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte.“

Quellen

  1. DocCheck Flexikon. Diabetes mellitus Typ 1. (aufgerufen am 22.10.2026) ↩︎

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