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Studie zeigt

Warum Frauen in diesem Alter von Masturbation profitieren können

Frau praktiziert Masturbation in der Menopause
Falls Sie Argumente pro Masturbation brauchen: Sie hat zahlreiche günstige Effekte auf Körper und Geist – und soll laut einer neuen Studie sogar Beschwerden der Menopause lindern Foto: Getty Images/MARIOS07
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25. November 2025, 12:50 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

Masturbation hilft nicht nur, den eigenen Körper und seine Lust besser zu verstehen, sie kann auch zu einem besseren Selbstbewusstsein verhelfen und die Gesundheit fördern. Davon profitieren offenbar nicht nur junge Frauen, sondern auch Frauen in den Wechseljahren. Um Symptome der Menopause wie u. a. Hitzewallungen, Schlafstörungen und Scheidentrockenheit, die Betroffene stark belasten können, zu lindern, wird als mögliche natürliche Unterstützung häufig die Pflege der sexuellen Lust empfohlen – auch in Form von Masturbation. Doch fehlten bislang wissenschaftliche Daten über die tatsächliche Wirkung. Ein Team US-amerikanischer und kanadischer Forscher hat jetzt untersucht, inwieweit die Masturbation während der Menopause positive Effekte haben kann. FITBOOK verrät so viel vorab: Es lohnt sich auch für Frauen ab 50 Jahren oder älter, Selbstbefriedigung auszuleben – solange sie sich dabei wohlfühlen.

Studie untersucht Effekt von Masturbation in der Menopause

Die Überlegung ist durchaus plausibel. Denn neben der Abhängigkeit vom sinkenden Hormonspiegel in der Menopause reagiert die Libido auch auf das Maß sexueller Aktivität. Bleibt sexuelle Stimulation über längere Zeit aus, kann das entsprechende Interesse nachlassen – ein Zusammenhang, der als „Use it or lose it“-Effekt bekannt ist, und übrigens Frauen wie auch Männer betrifft. Hier soll es jedoch speziell um Frauen in der Menopause gehen.

Es wird angenommen, dass sich infolge ausbleibender sexueller Aktivität typische Symptome der sogenannten Wechseljahre zusätzlich verstärken können. Das Gegenmittel liegt jedoch womöglich buchstäblich auf der Hand – genauer gesagt in der von Betroffenen. „Wir glauben, dass Masturbation aus mehreren Gründen ein vielversprechender Ansatz zur Linderung dieser Symptome sein könnte“, schreibt das verantwortliche Forscherteam einleitend in seiner Studie.1

Warum Masturbation Menopause-Symptome lindern könnte

Die verschiedenen Vorzüge der Masturbation für den weiblichen Körper sind bekannt. Ähnlich wie Sex mit einem Partner gilt sie als effektives Beckenbodentraining, sie kann das Abwehrsystem stärken und jüngere Frauen können damit Regelschmerzen lindern. Daneben hat Selbstbefriedigung noch den entscheidenden Vorteil, das Selbstbewusstsein zu stärken, wie FITBOOK hier näher ausführt. Die Studienautoren betrachten Masturbation u. a. deshalb als sinnvolles „Mittel“ gegen Menopause-Beschwerden, da Schlafprobleme durch sexuelle Selbststimulation nachweislich abgemildert würden. Unter diesen leiden viele Betroffene in besonderem Maße.

Ziel der Studie war es, die vermuteten Zusammenhänge faktisch zu belegen. Mithilfe von Daten wollten die Forscher ermitteln, wie effektiv Masturbation im Vergleich zu anderen gängigen Maßnahmen zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden ist. Solche können u. a. Bewegung, eine gezielte Ernährung, Stressabbau, Sexualität mit Partnern oder eine Hormonersatztherapie sein. Darüber hinaus interessierte sie die Frage, wie offen Frauen dafür wären, Masturbation zur Linderung der Symptome einzusetzen. Zum Beispiel, wenn es sich dabei um eine ärztliche Empfehlung handelte.

Details zur Untersuchung

Probandinnen der Studie waren 1178 US-amerikanische Frauen im Alter von 40 bis 65 Jahren. Ein Teil von ihnen befand sich in der Perimenopause, also in der von Hormonschwankungen geprägten Übergangsphase vor der Menopause, kurz vor der letzten Regelblutung, in der typischerweise Wechseljahresbeschwerden auftreten. Der andere Teil war bereits in der Postmenopause, die etwa zwölf Monate nach der letzten Menstruationsblutung beginnt. Frauen, die noch regelmäßig menstruierten, wurden nicht in die Analyse einbezogen.

Die Datenerhebung erfolgte mithilfe von Online-Fragebögen. Die Teilnehmerinnen sollten darin angeben, unter welchen körperlichen und psychischen Wechseljahresbeschwerden sie litten und welche Maßnahmen sie bisher zu deren Linderung ergriffen hatten. Die Befragung erfasste auch, wie häufig die Frauen Masturbation als Strategie zur Symptomlinderung nutzten und wie wirksam sie diese empfanden. Auch wurde abgefragt, ob und in welchem Umfang sie mit Ärzten darüber gesprochen hatten. Um repräsentative Ergebnisse zu erhalten, orientierte sich die Zusammensetzung der Stichprobe an den demografischen Daten der US-Bevölkerung hinsichtlich Alter, ethnischer Zugehörigkeit und Wohnregion.

Weniger psychische und physische Beschwerden durch Masturbation

Etwa ein Fünftel der befragten Frauen gab an, dass sich ihre Wechseljahresbeschwerden durch Masturbation gelindert hätten. Laut der Auswertung zeigten sich diese positiven Effekte besonders deutlich bei Schlafproblemen und psychischen Beschwerden wie Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit und Angstzuständen. Bei einer kleinen Gruppe von Frauen half Masturbation sehr gegen vaginale Schmerzen – solche sind meist auf Scheidentrockenheit im Zuge der Menopause zurückzuführen – sowie gegen Blähungen. Die Studienteilnehmerinnen bewerteten die Wirksamkeit von Masturbation ähnlich hoch wie die von regelmäßigem Geschlechtsverkehr mit einem Partner und oft als wirksamer als andere übliche Strategien wie Sport und Nahrungsergänzungsmittel.

Allerdings gab es auch Frauen, bei denen die Menopause-Symptome durch Masturbation nicht ausreichend gelindert werden konnten. Dies betraf Frauen mit allgemeinen gesundheitlichen Einschränkungen, die laut den Autoren bei der Selbstbefriedigung nur noch schwer zum Orgasmus kamen.

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Bedeutung der Ergebnisse

Die Autoren deuten ihre Ergebnisse so, dass Masturbation eine praktische und selbstbestimmte Maßnahme zur Linderung von Symptomen der Menopause sein kann – zumindest als Ergänzung zu bestehenden Strategien. Denn praktizierte Selbstliebe wirkt sich nicht nur auf den Körper, sondern auch auf die Psyche aus und kann psychische Belastungen wie schlechte Stimmung oder Schlafprobleme mindern. Dies zeigt die qualitative Auswertung der Daten recht deutlich. Ein großer Teil der befragten Frauen berichtete von einer verbesserten Stimmung und gesteigerter sexueller Lust durch regelmäßige Masturbation in den Wechseljahren. Schlafprobleme und körperliche Beschwerden reduzierten sich; einige Teilnehmerinnen berichteten sogar von einem Rückgang ihrer Hitzewallungen.

Es sei die erste Studie, die empirische Hinweise darauf liefert, dass sexuelle Aktivität in den Wechseljahren nicht nur ein Thema der Lust ist, sondern aktiv zur Verbesserung von Lebensqualität und Wohlbefinden beitragen kann. Die Autoren sehen in diesem Zusammenhang auch Gynäkologen und andere Ärzte in der Pflicht. Denn die Daten zeigen demnach, dass das Thema Masturbation im medizinischen Umfeld nur sehr selten zur Sprache kommt. Und auch, dass deutlich mehr Frauen bereit wären, es auszuprobieren, wenn die Empfehlung von Fachleuten käme.

Einschränkungen der Studie

Zu den wesentlichen Einschränkungen der Studie zählt, dass die ausgewerteten Daten auf Selbstauskünften basieren. Da die Forscher keine eigenen Messungen durchgeführt haben, sind die geschilderten Effekte kaum als objektiv zu betrachten. Auch die untersuchten Wechseljahresbeschwerden wurden nicht von Ärzten überprüft. Es können keine kausalen Aussagen getroffen werden. Anders ausgedrückt: Es bleibt offen, ob die Masturbation die Symptome der Frauen verbesserte oder ob sie umgekehrt deshalb masturbierten, weil es ihnen (zum Beispiel infolge anderer Maßnahmen) bereits besser ging. Zu berücksichtigen ist auch, dass eher Frauen mit einer offenen Haltung gegenüber Sexualität an einer solchen Untersuchung teilnehmen würden als andere. Zudem ist fraglich, wie ehrlich die Probandinnen in diesem Zusammenhang waren.

Zu guter Letzt darf nicht unerwähnt bleiben, dass ein bekannter Sextoy-Hersteller die Studie finanziert hat. Dennoch ist die Untersuchung wissenschaftlich formal korrekt abgelaufen. Die Datenerhebung erfolgte über das renommierte Kinsey Institute, und die Studie wurde vom Institutional Review Board (IRB) geprüft.

Was die Studie kann – und was nicht

Die Studie greift zwei Tabuthemen auf: Masturbation und Sex im Alter. Beide werden noch immer zu oft stigmatisiert. Die Untersuchung zeigt, dass es sich aus gesundheitlichen Gründen lohnen kann, die eigene Sexualität nicht aufzugeben. Klar ist aber auch: Die Studie liefert keine Garantie oder das Versprechen eines Heilmittels, sondern allenfalls eine „Empfehlung zum Ausprobieren“. Falls Sie diese denn überhaupt benötigen. Auf jeden Fall ist es schön zu wissen, dass Selbstbefriedigung dabei helfen kann, typische Wechseljahresbeschwerden zu lindern. Es gibt unangenehmere Zeitvertreibe.

Quellen

  1. Lehmiller, J., Graham, C., Ferrall, L. et al. (2025), The role of masturbation in relieving symptoms associated with menopause. Menopause. ↩︎

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