14. September 2026, 14:25 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Viele Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen machen sich erst im Erwachsenenalter bemerkbar. Ihre biologischen Grundlagen könnten jedoch deutlich früher entstehen. Forscher haben deshalb untersucht, ob sich bereits im Blut von Kindern typische Veränderungen finden lassen, die Hinweise auf spätere Erkrankungen geben.
Krankheitsrisiken zeichnen sich schon im Kindesalter ab
Die US-Studie zeigt, dass sich biologische Veränderungen, die mit Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Risiken zusammenhängen, bereits im Kindesalter im Blut abzeichnen können. Ein Teil der dabei identifizierten Proteinmuster findet sich auch bei Erwachsenen wieder und steht dort mit späteren Erkrankungen in Zusammenhang.
Die Ergebnisse liefern damit Hinweise darauf, dass bestimmte Blutproteine frühe Anzeichen gesundheitlicher Risiken widerspiegeln könnten – lange bevor sich entsprechende Erkrankungen entwickeln. Das ist besonders relevant, da gängige Standarduntersuchungen wie der Nüchternblutzucker bei Kindern viele Risikofälle (bis zu 70 Prozent) nicht erfassen. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin „Nature Metabolism“ veröffentlicht.1
So wurde die Studie durchgeführt
Die Forscher wollten herausfinden, ob Blutproteine dabei helfen könnten, ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-, Nieren- und Stoffwechselerkrankungen schon früh zu erkennen. Bisher übliche Untersuchungen könnten einen Teil der gefährdeten Kinder übersehen.
Dafür untersuchten sie 273 hispanische beziehungsweise lateinamerikanische Kinder und Jugendliche aus Texas, die im Durchschnitt 13 Jahre alt waren. Bei ihnen erfassten die Wissenschaftler unter anderem Körperfett, Blutdruck, Blutfette sowie Werte zur Leber- und Nierenfunktion und zum Zuckerstoffwechsel. Gleichzeitig bestimmten sie mehr als 5400 Proteine im Blut.
Anschließend identifizierten die Forscher typische Proteinmuster, die mit sechs Bereichen der Herz-Kreislauf- und Stoffwechselgesundheit zusammenhingen:
- entzündungsförderndes Übergewicht,
- Leberveränderungen,
- Cholesterin,
- Blutdruck,
- Nierenfunktion und
- Insulinresistenz.
Ob sich diese Muster auch bei Erwachsenen wiederfinden, überprüften sie an zwei weiteren Gruppen: 494 Erwachsenen aus derselben Region sowie mehr als 28.000 Teilnehmern der britischen UK Biobank.
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Ähnliche Proteinmuster bei Kindern und Erwachsenen
Von den mehr als 5400 untersuchten Proteinen standen 1064 mit mindestens einem der untersuchten Gesundheitsmerkmale in Zusammenhang. 65 Proteine waren sogar mit mindestens vier der sechs untersuchten Bereiche verbunden. Das deutet darauf hin, dass manche Proteine nicht nur einzelne Risikofaktoren widerspiegeln, sondern mit mehreren Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Prozessen zusammenhängen.
Viele dieser Zusammenhänge zeigten sich auch bei Erwachsenen: Rund 64 Prozent der bei Kindern gefundenen Protein-Zusammenhänge ließen sich dort ebenfalls statistisch nachweisen und wiesen in dieselbe Richtung. Besonders groß war die Übereinstimmung bei Körperfett und Lebergesundheit, während sie beim Blutdruck schwächer ausfiel.
Genetischer Nachweis der ursächlichen Zusammenhänge
Um zu prüfen, ob die Proteine tatsächlich ursächlich an der Krankheitsentwicklung beteiligt sind, nutzten die Forscher zusätzlich genetische Analysen von bis zu 2,5 Millionen Erwachsenen. Dabei zeigte sich, dass genetisch bedingt veränderte Proteinwerte mit demselben erhöhten Krankheitsrisiko einhergehen.
Auch für das spätere Erkrankungsrisiko waren die Proteinmuster relevant. In der UK Biobank waren insbesondere die Signaturen für entzündungsförderndes Übergewicht, Leberveränderungen und Insulinresistenz mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes, Fettleber, verschiedene Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlafapnoe sowie mit einer höheren Gesamtsterblichkeit verbunden.
Eine weitere Analyse liefert Hinweise darauf, dass die gemessenen Proteinveränderungen nicht unveränderlich sind. Bei Erwachsenen, die man 68 Wochen lang mit dem Diabetes- und Adipositasmedikament Semaglutid behandelte, veränderten sich viele der mit einem erhöhten Risiko verbundenen Proteine in eine günstigere Richtung.
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Einordnung der Studie
Eine Stärke der Studie ist die umfangreiche Analyse der Erwachsenen. Dazu gehörten auch große Daten aus der UK Biobank sowie Untersuchungen dazu, wie sich eine Behandlung mit Semaglutid auf die betreffenden Proteine auswirkt.
Die Studie hat jedoch auch Einschränkungen. Die untersuchte Gruppe von 273 Kindern war relativ klein und stammte aus einer einzigen Region an der US-mexikanischen Grenze. Ob sich die Ergebnisse auf Kinder aus anderen Bevölkerungsgruppen übertragen lassen, muss daher noch untersucht werden.
Zudem wurden die Kinder nicht über Jahrzehnte hinweg bis ins Erwachsenenalter begleitet. Die Studie kann daher nicht direkt zeigen, ob die betroffenen Kinder im Verlauf ihres Lebens tatsächlich erkranken. Auch der Einfluss der Pubertät konnte nicht vollständig isoliert werden, da sich die Mehrheit der untersuchten Jugendlichen bereits in dieser Entwicklungsphase befand.
Einzelne Autoren geben Beratungs-, finanzielle oder Patentinteressen an. Finanziert wurde die Studie überwiegend durch die US-amerikanischen National Institutes of Health. Nach Angaben der Autoren hatten die Geldgeber keinen Einfluss auf Planung, Auswertung oder Veröffentlichung der Studie.
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Frühere Studien mit vergleichbaren Resultaten
Die Ergebnisse fügen sich in eine Reihe ähnlicher Untersuchungen ein. Eine dänische Studie an mehr als 4000 Kindern und Jugendlichen fand ebenfalls Proteinmuster, die mit Übergewicht, Blutfetten, Blutdruck und Insulinresistenz zusammenhingen.2 Bei 184 Kindern, die ein Jahr lang an einem Programm zur Gewichtsreduktion teilnahmen, sanken mit dem Körperfett auch die Entzündungswerte im Blut – ganz ohne Medikamente.
Dass sich Risikofaktoren aus der Kindheit tatsächlich in späteren Erkrankungen niederschlagen, zeigte man zuvor in einer internationalen Auswertung von fast 38.600 Menschen, die man im Schnitt 35 Jahre lang begleitete.3 Je ungünstiger BMI, Blutdruck, Cholesterin und Blutfette im Kindesalter ausfielen, desto häufiger traten im mittleren Lebensalter tödliche Herz-Kreislauf-Ereignisse auf.