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Laut Studie

Beliebte Tätigkeit bei Kindern ist wohl gefährlich fürs Herz

Pädagogen empfehlen ein eigenes Smartphone erst ab 12 Jahren
Pädagogen empfehlen ein eigenes Smartphone erst ab 12 Jahren Foto: Getty Images
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Sophie Brünke
Ernährungsexpertin

23. Januar 2026, 20:10 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Smartphone, Konsole, Streamingdienst – digitale Medien gehören längst auch für Kinder zum Alltag. Doch eine neue Studie aus Dänemark liefert nun besorgniserregende Hinweise: Jede zusätzliche Stunde vor dem Bildschirm könnte das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Besonders gefährlich wird es, wenn gleichzeitig der Schlaf zu kurz kommt.

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Welche Wissenslücke die Wissenschaftler untersuchten

Ziel dieser Studie war es, die Beziehung zwischen Bildschirmzeit und dem kardiometabolischen Risiko bei Kindern und Jugendlichen zu erforschen.1 Dieses Risiko beschreibt das Zusammenspiel mehrerer Gesundheitsfaktoren, die schon früh im Leben die Wahrscheinlichkeit für spätere Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen können. Dazu zählen unter anderem erhöhter Blutdruck, ungünstige Blutfettwerte, Insulinresistenz oder ein zu hoher Taillenumfang.

Es gibt bereits Hinweise in der Forschung, dass exzessiver Medienkonsum negative Auswirkungen auf die Gesundheit von Kindern haben kann. Allerdings mangelte es bislang an Studien, die sowohl objektive Lebensstilfaktoren wie Schlaf, Bewegung und Ernährung berücksichtigen als auch Stoffwechselveränderungen im Blut analysieren. Die Studienautoren wollten diese Lücke schließen.

Daten von knapp 1000 Kindern und Jugendlichen gesammelt

Die Untersuchung basiert auf zwei unabhängigen dänischen Geburtskohorten: der COPSAC2010 (Kinder bis 10 Jahre) und der COPSAC2000 (Jugendliche bis 18 Jahre). Insgesamt flossen Daten von 994 Kindern und Jugendlichen ein. In beiden Kohorten wurde die durchschnittliche tägliche Bildschirmzeit erfasst. Bei den Jüngeren übernahmen diese Aufgabe die Eltern, bei den Älteren handelt es sich um Selbstauskünfte.

Im Fokus: Score zur Herzgesundheit

Die Hauptauswertung konzentrierte sich auf einen „kardiometabolischen Risiko-Score“. Dieser wurde aus mehreren Messwerten berechnet:

  • Taillenumfang
  • systolischer Blutdruck
  • HDL-Cholesterin (das „gute“ Cholesterin)
  • Triglyzeride (eine Form von Blutfetten)
  • Blutzucker

Zusätzlich wurden sekundäre Gesundheitsmerkmale analysiert, darunter Insulinresistenz, Entzündungsmarker, Körperfettanteil und Blutwerte aus einer umfassenden Stoffwechselanalyse.

KI identifiziert gefährliche Muster im Stoffwechsel

Die Forscher nutzten maschinelles Lernen, um einen Algorithmus auf Blutproben zu trainieren. Dieser war darauf ausgelegt, ein spezifisches Stoffwechselmuster zu identifizieren, welches mit erhöhter Bildschirmzeit zusammenhängt.

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Mehr Bildschirm – mehr Risiko

Die Studie zeigt, dass jede zusätzliche Stunde am Handy, Fernseher oder Tablet das Herz-Kreislauf-Risiko von Kindern und Jugendlichen erhöht. Und zwar nicht theoretisch, sondern sichtbar im Blutbild: Blutfette steigen, das „gute“ HDL-Cholesterin sinkt, der Bauchumfang nimmt zu und es zeigen sich Hinweise auf Entzündungen und Insulinprobleme. Schon bei Grundschulkindern stieg der kardiometabolische Risiko-Score um 0,08, bei Jugendlichen sogar um 0,13 Standardabweichungen pro Stunde Bildschirmzeit.

Besonders kritisch: Zu wenig Schlaf verstärkt diesen Effekt deutlich. Kinder, die schlecht oder zu wenig schlafen, reagieren empfindlicher auf Bildschirmzeit. Bei ihnen ließen sich 12 Prozent des Risikos direkt durch verkürzte Schlafdauer erklären.

Außerdem fanden die Forschenden eine „metabolische Signatur“ im Blut, die mit hoher Bildschirmzeit zusammenhängt – bestätigt in beiden Altersgruppen. Und selbst ein Risiko-Score für Herzkrankheiten, der eigentlich für Erwachsene gedacht ist, war bei Jugendlichen mit viel Bildschirmzeit bereits erhöht.

Bedeutung und Einordnung der Ergebnisse

Die Studie ist methodisch sehr solide. Die Daten stammen aus zwei großen Langzeitkohorten. Objektive Messungen von Schlaf, Bewegung und Blutwerten sowie moderne Datenanalysen sorgen für hohe Aussagekraft. Besonders hervorzuheben ist die Identifikation einer spezifischen Blut‑Signatur von Bildschirmzeit mithilfe maschinellen Lernens.

Einschränkend gilt: Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie. Ob Bildschirmzeit direkt krank macht oder mit anderen Faktoren zusammenhängt, lässt sich nicht sicher sagen. Wie sich Bildschirmzeit im Alltag wirksam reduzieren und Schlaf verbessern lässt, müssen zukünftige Interventionsstudien zeigen.

Trotzdem zeigt die Studie deutlich, dass Bildschirmzeit ein eigenständiger Risikofaktor für kardiovaskuläre Probleme bei Kindern ist. Zudem verstärkt wenig Schlaf die Wirkung, wahrscheinlich durch Störungen des Schlafrhythmus und hormonelle Veränderungen.

Für Eltern heißt das: Weniger Bildschirmzeit am Abend und ausreichend Schlaf können helfen, Herz-Kreislauf-Risiken beim Nachwuchs früh zu senken. Denn in Deutschland ist die Bildschirmzeit von Kindern und Jugendlichen besonders hoch: Laut einer Erhebung kommen 15-Jährige auf knapp sieben Stunden pro Tag.2 Zudem nutzt mehr als ein Viertel der 10- bis 17-Jährigen in Deutschland soziale Medien riskant bis pathologisch.3

Quellen

  1. Horner, D., Jahn, M., Bønnelykke, K. et al. (2025). Screen Time Is Associated With Cardiometabolic and Cardiovascular Disease Risk in Childhood and Adolescence. Journal of the American Heart Association. ↩︎
  2. OECD. (2025). How's Life for Children in the Digital Age? OECD Publishing. ↩︎
  3. DAK. Millionen Kinder haben Probleme durch Medienkonsum. (aufgerufen am 23.01.2026) ↩︎

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