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BILD-Kindergesundheitsgipfel

Experten erklären, wie Kinder gesund und stark aufwachsen können

Kindergesundheitsgipfel: Experten diskutieren, wie Kinder gesund aufwachsen und welche Unterstützung Familien brauchen.
Kindergesundheitsgipfel: Experten diskutieren, wie Kinder gesund aufwachsen und welche Unterstützung Familien brauchen. Stefanie May, Resortleiterin Leben & Gesellschaft BILD, Diabetes-Typ-1-Patient Elias Zeh, seine Mutter Heike Schätzle und Prof. Peter Achenbach, stellv. Direktor Institut für Diabetesforschung (v. l. n. r.). Foto: Ralf Günther/BILD
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Julia Freiberger
Ernährungsexpertin

3. Juni 2026, 16:05 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

Beim vierten BILD-Kindergesundheitsgipfel versammelten sich 100 Experten aus Medizin, Politik, Wissenschaft, Bildung und Wirtschaft, um über die Zukunft unserer Kinder zu sprechen. Kinder wollen Herausforderungen. Kinder sind mutig. Sie wollen die Welt entdecken, sich ausprobieren und wachsen. Damit das gelingt, brauchen sie jedoch ein stabiles Umfeld. Genau darüber wurde diskutiert: Wie können Kinder gesund aufwachsen, welche Unterstützung brauchen Familien und wie lassen sich die Herausforderungen unserer Zeit bewältigen?

Kindergesundheit beginnt beim Essen

Bundesfamilienministerin Karin Prien eröffnete den Gipfel und betonte die Bedeutung der Gesundheit für die Zukunftschancen junger Menschen. Gesundheit bedeute weit mehr als medizinische Versorgung. Auch Ernährung, Bewegung, mentale Gesundheit und der Umgang mit digitalen Medien spielten eine entscheidende Rolle.

Wie wichtig gerade die Ernährung ist, zeigt eine Zahl, die im Laufe des Tages immer wieder genannt wurde: Jedes fünfte Kind kommt in Deutschland ohne Frühstück in die Schule. Schulleiter André Szymkowiak berichtete aus seinem Alltag in Köln: „Ich sehe in Brotboxen natürlich Möhren, Schnittchen und Gurken, wie man das klassisch kennt. Aber wir sehen auch ganz andere Sachen. Manchmal ist die Brotbox sogar leer.“

Michael Hubmann, Präsident Berufsverband der Kinder- und Jugend (links), Hans Martin Hermann, Lidl Deutschland (mitte) und André Szymkowiak, Schulleiter Städtisches Gymnasium Köln-Deutz (rechts)
Michael Hubmann, Präsident Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (links), Hans Martin Hermann, Lidl Deutschland (Mitte) und André Szymkowiak, Schulleiter Städtisches Gymnasium Köln-Deutz (rechts) Foto: Ralf Günther/BILD

Für Hans Martin Hermann von Lidl Deutschland ist das nicht akzeptabel: „In so einem reichen Land wie unserem darf so etwas nicht sein.“ Die Experten waren sich einig, dass gesunde Ernährung stärker gefördert werden muss. Gleichzeitig kommt den Eltern eine wichtige Vorbildfunktion zu. Kinder orientieren sich an dem, was Erwachsene vorleben – nicht nur an dem, was sie sagen. In den Gesprächen wurde zudem deutlich, dass mangelndes Ernährungswissen in manchen Familien eine Rolle spielt. Einige Kinder wachsen in Haushalten auf, in denen einfache Gerichte kaum noch selbst zubereitet werden. Um dem entgegenzuwirken, gibt es bereits Projekte und Kurse, die Eltern praktische Grundlagen der Ernährung vermitteln.

Drogen, Alkohol und Prävention

Auch der Umgang mit Drogen und Alkohol wurde auf dem Gipfel diskutiert. Experten fordern mehr Aufklärung und eine konsequente Präventionsarbeit, die bereits im Kindes- und Jugendalter beginnt. Bundesfamilienministerin Karin Prien sprach sich für klare Regeln aus und verwies auf die geplante Abschaffung des begleiteten Trinkens. Gleichzeitig wurde auf die Risiken von Alkoholkonsum während der Schwangerschaft aufmerksam gemacht. Die Teilnehmer waren sich einig: Eltern müssen frühzeitig informiert und unterstützt werden, damit gesundheitliche Risiken gar nicht erst entstehen.

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Warum Früherkennung Leben retten kann

Ein weiterer Schwerpunkt des Gipfels war Diabetes Typ 1. Experten rechnen damit, dass die Zahl der Neuerkrankungen in den kommenden Jahren weiter steigen wird. Die Erkrankung entsteht durch ein Zusammenspiel genetischer Faktoren und weiterer Einflüsse, die bislang noch nicht vollständig erforscht sind.

Prof. Peter Achenbach vom Institut für Diabetesforschung erklärte, dass bereits „nur ein paar Bluttropfen“ ausreichen, um ein erhöhtes Risiko festzustellen. Familien könnten dadurch frühzeitig begleitet und informiert werden. „Wir können den Ausbruch der Krankheit verzögern und den Beginn mildern“, sagt er.

Wie wichtig das ist, zeigt die Geschichte des 16-jährigen Elias Schätzle. „Mit zwölf Jahren wäre ich beinahe an Diabetes gestorben – ohne zu wissen, dass ich die Krankheit überhaupt habe“, berichtete er auf der BILD-Bühne. Seine Erfahrung macht deutlich, welchen Unterschied eine frühe Diagnose machen kann.

Zwischen Wartezimmer, Dr. Google und KI

Auch die digitale Welt und ihre Auswirkungen auf die Gesundheit von Kindern und Familien waren Thema des Gipfels. In einem Gespräch über Gesundheitsinformationen im Internet sprach PD Dr. Florian Babor, Kinderarzt, über die Herausforderungen, die durch Suchmaschinen, soziale Medien und Künstliche Intelligenz entstehen.

Dabei richtete er den Blick auf „Dr. Google“. Suchmaschinen könnten Informationen liefern, sie aber nicht einordnen. Im Vergleich zu Ärztinnen und Ärzten schnitten sie deshalb oft schlechter ab. „Unsere Kolleginnen und Kollegen hören zu, fragen nach, ordnen ein und beruhigen“, machte Babor deutlich. Gerade bei Gesundheitsthemen sei das entscheidend.

PD Dr. Florian Babor klärt als Kinderarzt und Influencer über die Gefahren der KI im Praxisalltag auf.
PD Dr. Florian Babor klärt als Kinderarzt und Influencer über die Gefahren der KI im Praxisalltag auf. Foto: Ralf Günther/BILD

„Dr. Influencerin“ und ihre Tücken

Besonders kritisch sieht Babor die Rolle einiger Gesundheitsinfluencer in sozialen Netzwerken. Mit einem Augenzwinkern beschrieb er eine typische Situation: „Sie hat keinen Doktortitel, sie hat nicht Medizin studiert. Aber sie weiß ganz genau, dass das Immunsystem unserer Kinder unbedingt geboostet werden muss und Nahrungsergänzungsmittel braucht. Und rein zufällig gibt es die auch in ihrem Onlineshop.“

Hinter der pointierten Aussage steckt eine ernste Botschaft. Eltern müssten genauer hinschauen, von wem Gesundheitsinformationen stammen und welche Interessen möglicherweise dahinterstehen. Nicht jede Person mit großer Reichweite verfüge auch über die notwendige fachliche Expertise. Gerade in Zeiten von Social Media und Künstlicher Intelligenz werde es immer wichtiger, Informationen kritisch zu hinterfragen und auf verlässliche Quellen zu achten.

Psychische Gesundheit rückt stärker in den Fokus

Besonders intensiv wurde über die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen gesprochen. Schulen beobachten seit Jahren eine Zunahme von Ängsten, Überforderung und sozialem Rückzug. Themen wie ADHS, Angststörungen und Depressionen spielen im Alltag vieler Schulen eine immer größere Rolle.

Marc Eggert, Schulleiter der Ernst-Reuter-Schule in Berlin, beschrieb die Entwicklung deutlich: „Immer mehr Kinder melden sich krank, weil sie das Gefühl haben, sie sind den Anforderungen nicht gewachsen.“ Auch Prof. Silvia Schneider vom Deutschen Zentrum für psychische Gesundheit sieht Handlungsbedarf. „Einsamkeit ist ein Riesenthema“, sagte sie. Ängste, ADHS und Depressionen seien keine neuen Phänomene, träten jedoch zunehmend häufiger und intensiver auf.

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Politik soll handeln, nicht nur diskutieren

Immer wieder wurde auf dem Gipfel deutlich, dass Kindergesundheit nicht allein Aufgabe von Familien, Schulen oder Ärzten ist. Die Teilnehmer verstanden sie als gesamtgesellschaftliche Herausforderung. Politik, Bildungseinrichtungen, Gesundheitswesen und Eltern müssten gemeinsam Verantwortung übernehmen.

Die Experten forderten langfristige Strategien statt kurzfristiger Maßnahmen. Gesundheitsbildung müsse stärker im Schulalltag verankert werden, Präventionsangebote dürften nicht von zeitlich begrenzten Förderprogrammen abhängen und die mentale Gesundheit junger Menschen müsse deutlich stärker in den Fokus rücken.

BILD-Kindergesundheitsgipfel – ein Fazit

Die Gesundheit von Kindern ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Ob Ernährung, psychische Gesundheit, Früherkennung, Prävention oder der Umgang mit der digitalen Welt – die Weichen für ein gesundes Leben werden bereits in jungen Jahren gestellt.

Julia Freiberger
Ernährungsexpertin

Meine Meinung: Was ist die Gesellschaft Kindern schuldig?

„Ich fand es spannend, zu sehen, wie sich beim Kindergipfel viele Menschen in einem Raum trafen, die etwas verändern wollen. Dabei ist eine pauschale Antwort auf die Frage, was die Gesellschaft Kindern schuldig ist, meiner Meinung nach gar nicht so einfach.

Ich selbst habe einen Neffen (6) und eine Nichte (3), für die ich, überspitzt gesagt, die ganze Welt niederbrennen würde, weil ich sie so liebe. Kinder verlangen nicht viel. Eine Umarmung, ein offenes Ohr, viel Liebe und Aufmerksamkeit. Aber auch die Chance, gebildet zu werden, zu lernen und keine Angst haben zu müssen. Doch auch in Deutschland herrscht noch immer Chancenungleichheit. Nicht jedes Kind wächst mit denselben Möglichkeiten auf. Manche Kinder wissen nicht einmal, wie man Kartoffeln kocht. Gleichzeitig wurde auf dem Gipfel darüber gesprochen, wie schwierig es ist, zusätzliche Themen in den Schulalltag zu integrieren, weil die Lehrpläne momentan bereits voll sind. So etwas dann noch einmal in Zahlen zu sehen oder von Experten zu hören, lässt einen mit einem mulmigen Gefühl zurück.

Ich habe auch festgestellt: Kinder sind tausendmal mutiger als wir. Sie stecken viel mehr weg als wir und haben auch nicht so viel Angst wie wir. Meiner Meinung nach können wir diesbezüglich noch viel von ihnen lernen. Wir reden immer so gerne darüber, dass Kinder unsere Zukunft sind. Dabei vergessen wir oft, dass sie auch unsere Gegenwart sind. Genau deshalb sollten wir sie ernst nehmen und ihnen die Aufmerksamkeit geben, die sie verdienen. Nicht irgendwann, sondern jetzt.“

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